So viel Wasser...
Ja, Wasser hat in meiner ersten Woche in Vietnam eine grosse Rolle gespielt. Wasser von unten im Mekong-Delta, Wasser von oben - wie schon bekannt - dank Regenzeit.
Das Mekong-Delta ist wirklich eine einmalige Landschaft! Hier dreht sich alles um's Wasser. Gewohnt wird entweder direkt am Wasser, oder sogar auf dem Wasser, sei es in Hausbooten oder einfach ganz normalen Booten. Eine Sonderform stellen wohl die schwimmenden Fischfarmen dar, die im Prinzip aussehen, wie Haeuser, die auf dem Fluss schwimmen, nur dass unterhalb des "Hauses" grosse Metall-Kaefige angebracht sind, in denen die Fische gezuechtet und gehalten werden. So laesst sich das alles ganz praktisch "von zuhause aus" durch Aussparungen im Boden managen - genial! Des Weiteren sind natuerlich auch schwimmende Maerkte eine Besonderheit des Mekong-Deltas. Ich hatte ja in Thailand schon mal einen besucht, der aber sehr auf Touristen zugeschnitten war. Ganz anders die Maerkte in Cai Rang und Phong Dien, suedlich von Can Tho. Hier werden wirklich nur selbst angebaute Lebensmittel aus der unmittelbaren Region angeboten. Und gekauft. Ich habe mir den Luxus einer kleinen Privat-Tour gegoennt, das heisst ich hatte ein kleines Boot fuer mich. Alternativ haette ich mich auch mit 15-20 anderen Touris auf ein Boot quetschen koennen, aber die 5 Dollar, die mich das Ganze so extra gekostet hat, waren glaub' ich ganz gut investiert. So sind wir dann nicht nur richtig durch die besagten schwimmenden Maerkten gerudert (nicht wie die grossen Touri-Boote nur ausserum), sondern sind auch in das unuebersichtliche Netzwerk der kleinen Seitenarme und Kanaele eingetaucht. Dafuer mussten wir allerdings erst mal eine Weile abwarten, bis die Flut genug Wasser gebracht hatte. Trotz Wartens sind wir des Oefteren auf Grund gelaufen beziehungsweise stecken geblieben. Macht aber nix, so hatte ich wenigstens genug Zeit, mir die Umgebung anzuschauen...
Am Nachmittag nach der Bootstour ging's dann mit dem Bus nach Ho-Chi-Minh-Stadt, oftmals auch noch unter dem Namen Saigon bekannt, der heute aber nur noch Namensgeber eines Stadtteils HCMCs ist, des zentralen und fuer Touristen mit am interessantesten "1st District", "1er Quartier" (frz.) oder "1 quon" (vietn.). Da hab ich mich dann auch nierdergelassen, nicht ohne vorher noch eine lustige Diskussion zu fuehren, weil mich die Deppen an der Busstation nicht wie beim Ticketkauf besprochen (und bezahlt!) in besagtes Viertel fahren wollten. Zum Glueck hat sich irgendwann eine der geschaetzt vier Personen HCMCs eingeschaltet, die Englisch sprechen koennen, und dann zwischen mir und dem Taxler (angestellt beim Busunternehmen) gedolmetscht. Ergebnis war, dass ich zwar ins Viertel gefahren wurde, nicht aber dorthin, wo ich eigentlich hin wollte. Was mich natuerlich "ein wenig" genervt hat. Vor allem, weil ich nicht so 100%-ig einen Plan hatte, wo ich grad war, ausserdem jetzt noch ein Motorrad-Taxi zum Hotel meiner Wahl bezahlen durfte und es zu allem Ueberfluss auch noch anfing zu regnen...
Der Regen war dann auch in den folgenden Tagen, an denen ich auf eigene Faust die Stadt Ho Chi Minhs erkundet habe, ein staendiger und absolut verlaesslicher Begleiter. Trotzdem hab ich glaub' ich so ziemlich alles gesehen, was die Stadt an Sehenswuerdigkeiten zu bieten hat. Beeindruckt hat mich der Reunification Palace, Schauplatz einiger der bedeutsamsten Ereignisse der neueren vietnamesischen Geschichte. Zuletzt am 30. April 1975, als Panzer der nordvietnamesischen "Befreiungsarmee" durch das Tor brachen, was die Aufgabe Suedvietnams und damit das Ende des Buergerkriegs ("Vietnamkrieg") bedeutete, und im November des selben Jahres, als hier die Wiedervereinigung Nord- und Suedvietnams beschlossen wurde - daher auch der Name des Gebaeudes, der im Laufe seiner Geschichte mehrfach geaendert worden war. Beeindruckend, wenn auch auf andere Art und Weise ist auch das "War Remnants Museum", das frueher den Namen "Museum of Chinese and American War Crimes" trug, dann aber aus Ruecksicht auf die auslaendischen Touristen umbenannt wurde. Die Ausstellung spricht trotzdem nach wie vor eine recht eindeutige (i.e. einseitige) Sprache. Wie umschreibt Wikipedia das so treffend: "the museum does not attempt to be politically balanced". Warum auch? Wenn ich da an die Vietnam-Abteilung im National Museum of American History in Washington D.C. zurueckdenke... Wenn man davon aber mal absieht, findet der Besucher hier trotzdem eine beeindruckende Sammlung an Fakten, Geschichten und Dokumenten ueber den Vietnamkrieg, der in Vietnam uebrigens "American War" heisst - nachvollziehbar. Am laengsten habe ich persoenlich mich in dem Teil der Ausstellung aufgehalten, der Aufnahmen von im Laufe der Kriegshandlungen getoeteten Kriegsberichterstattern und Foto-Journalisten zeigt, darunter auch einige sehr beruehmte Aufnahmen.
An einem Tag habe ich mir ein cyclo (Fahrrad-Taxi) gemietet, und mich nach und durch Cholon fahren lassen, der "Chinatown" Ho-Chi-Minh-Stadts. Hier leben tatsaechlich ueberwiegend Chinesen oder chinesisch-staemmige Vietnamesen. Das aeussert sich weniger in der Bebauung, die ist hier genauso monoton-haesslich wie im gesamten Rest HCMCs, sondern eher in der Fuelle an Pagoden mit ueberwiegend chinesischem Einfluss, und dem unverwechselbaren Geruch, der von den vielen Geschaeften und Strassenstaenden mit medizinischen Kraeutern und Gewuerzen herruehrt. Optisch wie olfaktorisch ein Erlebnis!
An meinem letzten HCMC-Tag hab ich einen Tagesausflug ins Umland gemacht, indem ich mich einer gefuehrten Tour zu den Tunnels von Cu Chi und dem zentralen Tempel der Cao-Daisten in Tay Ninhangeschlossen hab. Waehrend letzteres eher ein bisschen skurril war (die Religion "Cao Dai" vereint die Lehren von Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Christentum, Islam und verschiedenen vietnamesischen Glaubensrichtungen (weitere Infos bei Wikipedia), war der Besuch in Cu Chi (Tunnelsektion Ben Dinh) durchaus beeindruckend. Auch wenn das schon alles sehr offensichtlich fuer Touristen aufbereitet und "koreanische Busladung"-konform gemacht wurde. Aber ich fand es als Einstieg in die Thematik ganz OK. Die Geschichte der Tunnels ist die, dass die Soldaten der nordvietnamesischen Armee sich hier in unterirdischen Tunnelsystemen verborgen hatten, um dem Bombardement der Vereinigten Staaten zu entgehen. Dummerweise (fuer die Amerikaner) haben diese eines ihrer Lager unmittelbar auf einen Teil des Tunnelsystems errichtet, und sich dann monatelang gewundert, wer denn da dauernd nachts auf sie schiesst und woher?! Als sie es dann irgendwann rausgefunden hatten, konnten sie aber auch nicht allzuviel dagegen tun, da die Tunnels einfach zu eng waren. So wurden damals extra sogenannte "tunnel rats" ausgebildet, die ausreichend kompakt waren - ueberwiegend Suedvietnamesen. Da diese aber (uebrigens genauso wenig, wie die deutschen Schaeferhunde, die zuerst zu diesem Zweck herangezogen worden waren) gegen die Vietcongs keine Chance hatten, die sich natuerlich in ihrem Labyrinth auskannten, und auch wussten, wo welche (toedliche!) Fallen versteckt waren, wechselte man schnell auf eine andere Taktik: Ausbomben! Die Region um Cu Chi war schon zuvor als "free fire zone" deklariert worden, das heisst es durfte ohne weitere Order auf alles geschossen werden, was sich bewegte. Zusaetzlich wurde es nun aber Usus, dass die amerikanischen Bomberpiloten saemtliche Munition, die sie nicht in ihren Missionen abgeworfen hatten, ueber dem Gebiet "entsorgten"... Was das fuer die Region und die Menschen dort bedeutet hat, muss wohl nicht weiter ausgefuehrt werden.
Nochmal zurueck zum Wasser, beziehungsweise zum Regen: An meinem zweiten Tag in Ho-Chi-Minh-Stadt durfte ich ein Unwetter miterleben, dessen Ausmass selbst die Monsun-gewoehnten Vietnamesen und die HCMC-Kanalisation ueberrascht und ueberfordert hat. Es fing an mit dunklen Wolken und dem ueblichen Wind, der dem taeglichen Monsun-Schauer voangeht. Dieser hat sich dann aber recht schnell zu einem ausgewachsenen Sturm gemausert, dessen Boen teilweise armdicke Aeste von den Baeumen gerissen hat. Viel krasser war aber der Regen, der dann dazu eingesetzt hat: Ich habe teilweise wirklich nicht mehr die Gebaeude auf der gegenueberliegenden Strassenseite sehen koennen, weil es so geschuettet hat. Ich hatte mich gluecklicherweise schon zu Beginn des Unwetters, als noch gar nicht absehbar war, was sich da zusammenbraute, in ein gemuetliches Cafe zurueckgezogen und hatte so einen hervorragenden Blick auf das Geschehen draussen.
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