Einmal Halong-Bucht - und zurueck...
Die Halong-Bucht ist ja eine der Sehenswuerdigkeiten in Vietnam, von der so ziemlich jede/r schonmal gehoert oder ein Bild gesehen hat. Da muss ich natuerlich auch hin, klar! Eigentlich liegt die Bucht auch recht nahe an Hanoi, trotzdem ist es halbwegs kompliziert, da hin zu kommen. Ausser natuerlich man schliesst sich einer Tourgruppe an, aber auf Tour(i)gruppen hab ich irgendwie keine Lust. Also hab ich mich im Lonely Planet, der in dieser Hinsicht eher versagt hat, und im Internet kundig gemacht, wie man das als Individualreisender wohl am Kluegsten anstellt, und wo die Stolperfallen lauern.
Also hab ich mich gestern Mittag in Hanoi ans Gia Lam-Busterminal bringen lassen, von wo die Ueberlandbusse in Richtung Osten starten, also auch die nach Halong. Statt der angekuendigten dreieinhalb Stunden hat die Fahrt dann doch gute viereinhalb gedauert. An sich nicht weiter wild, ich hatte ausreichend Platz weil kaum was los war, in unserem Bus hat niemand gekotzt, und die Musik war auch halbwegs OK. Das einzig Laestige waren die "lustigen" Busbegleiter (analog zum Flugbegleiter?), die mich in einer Tour genervt haben - der eine hat dann irgendwann angefangen, an mir rumzufingern. Da bin ich mal kurz ein bisschen sauer geworden, dann war Ruhe im Karton. Nachdem ich vorher schon beobachtet hatte, wie er einem mitfahrenden Maedel vor dem Aussteigen eine Tuete geklaut hat, war ich danach allerdings ein wenig in Sorge, ob ich denn nun jemals an der Bushaltestelle in Halong-Stadt (Bai Chay) rausgelassen wuerde, oder ob die "aus Versehen" ueberfahren wird... Hat aber zum Glueck ganz gut geklappt, auch wenn sie mich irgendwo in der Pampa rausgelassen haben. Zum Glueck (wohl eher kein Zufall) standen da aber ein paar Motoradtaxler rum, und sauer wie ich war, hab ich den einen gleich mal hoeflichst um ueber die Haelfte seines vorgeschlagenen Preises runtergehandelt: 20.000 Dong statt 50.000. Geht doch!
Dann ging's zum Hotel, wo mich mein Verhandlungsgeschick ein weiteres Mal nicht im Stich liess: Statt der vorgeschlagenen 15 Dollar hab ich letztenendes nur 8 Dollar fuer ein wirklich gutes, grosses und sauberes Zimmer bezahlt. Mit Warmwasser, Sat-TV (allerdings nur ein nicht-vietnamesischer Kanal) und Balkon mit Blick ueber die Halong-Bucht. Ausgezeichnet!
Zum Abendessen hab ich mich dann fuer ein Etablissement mit dem bedeutungsschwangeren Namen "Asia Restaurant" entschieden - eine Empfehlung aus dem Lonely Planet. Dort hiess es, der Besitzer habe laengere Zeit ein Restaurant in (Ost-)Berlin gefuehrt, und spreche ausgezeichnetes Deutsch, das Essen sei auch OK. Letzteres kann ich bestaetigen, auch wenn ich zunaechst was anderes bekommen hatte als bestellt, ersteres dagegen weniger. Bis auf ein paar Brocken war da nicht viel an Deutsch rauszuhoeren... Trotzdem hab ich mich am naechsten Morgen entschieden, dort auch zu fruehstuecken, weil man in meinem Hotel leider nicht wusste, was "jam" ist, und ich irgendwie keine Lust auf trockenes Baguette zum Fruehstueck hatte - und auf pho hatte ich heute auch keinen Appetit...
Dann ging's per Abholdienst zum Touristendock, wo die ganzen Boote warten, die Leute wie mich durch die Bucht schippern. Das Ticket dafuer hatte ich tags zuvor von einem Typ gekauft, der ploetzlich in der Hotellobby beim Einchecken neben mir stand und mich fragte, ob ich denn nicht fuer morgen ein Ticket brauche? Brauche ich! Und der Preis schien mir auch OK zu sein - immerhin korrespondierte er mit dem mir aus dem Internet bekannten offiziellen Ticketpreis. Und der Transport zum Dock sollte in den 100.000 Dong auch schon inkludiert sein, drum schien mir das ein ganz guter Deal zu sein. War es auch, jedenfalls habe ich keinerlei Probleme oder Belaestigungen zu verzeichnen. Allerdings musste ich am Dock noch fuer 30.000 Dong das Ticket kaufen, das mir den Eintritt in eine der Hoehlen in der Bucht gestattet - aber das wusste ich vorher, war also auch OK.
Auf dem Boot waren dann erstmal nur zwei Englaender und ich. Und dann haben wir gewartet. Und gewartet. Nachdem wir noch ein bisschen mehr gewartet hatten, kam eine Gruppe, die wohl gerade per Bus aus Hanoi angekommen war. Bis die sich dann auf den Stuehlen platziert hatten, war noch eine weitere Gruppe angekommen. Die mir versprochene Anzahl von "maximal 20 Personen an Bord" war zwar schon mit Ankunft der ersten Gruppe weit ueberschritten, aber da trotzdem genug Platz war, hat mich das nicht weiter gestoert. Zumal ich damit gerechnet hatte, dass das Boot voller werden wuerde, weil ich in besagten Internetberichten darueber verschiedenste Horrorstories ueber total ueberfuellte Boote und dergleichen gelesen hatte. Bei uns war aber noch alles im Lot.
Im Gegensatz zu den ganzen Tour-isten hab ich natuerlich kein Essen an Bord bekommen, was ich aber nicht weiter wild fand, als ich es gesehen hab. Da ich auch das schon vorher wusste, hatte ich mich an Land noch mit Wasser, Baguette und Keksen versorgt, hab mir dann an Bord eine ziemlich ueberteuerte Cola fuer 10.000 Dong gekauft, und mich auf's Sonnendeck verkruemelt, das ich so wenigstens erstmal fuer mich ganz alleine hatte. Nach ihrem Lunch kamen dann so langsam auch die anderen Mitfahrer nach oben, und wir hatten eine ganz nette Bootspartie. Hab mich unter anderem laenger mit einem Paerchen aus Holland, einem Brasilianer und drei Koreanern unterhalten.
Unterwegs haben wir auch Halt an einer recht beeindruckenden Hoehle gemacht: Hang Thien Cung. Welche Hoehle man im Verlauf einer Halong-Tour besucht, kann man sich uebrigens nicht aussuchen, es kommt immer drauf an, wie viele Boote gerade an der einen oder anderen sind - es duerfen naemlich immer nur eine bestimmte Anzahl von Booten in einer bestimmten Region der Bucht sein. Wie gesagt, die Hoehle war sehr beeindruckend, einfach durch ihre schiere Groesse und Gestalt. Was allerdings ein bisschen nervig war, war die bunte Beleuchtung, die die Vietnamesen da installiert haben, die das Ganze mehr ein bisschen wie Disneyland rueberkommen laesst. Wir haben spaeter auf dem Boot gemutmasst, wann denn wohl der erste Karaoke-Schuppen in der Hoehle aufmacht - wundern wuerde es mich nicht!
Ja, jetzt inzwischen sitze ich hier auf Cat Ba Island. Der Plan sieht vor, dass ich morgen mit dem Schnellboot nach Haiphong fahren werde, um von dort per Zug nach Hanoi zurueckzukommen. Dort wartet dann um 21.55 Uhr mein Nachtzug auf mich, der mich hoffentlich nach Sapa bringen wird. Beziehungsweise praezise bringt er mich nur bis Lao Cai, von dort geht's per Minibus hoch nach Sapa. So weit der Plan. Den hab ich mir aber selber verbaut, als ich heute frueh beim Auschecken in Halong-Stadt vergessen hab, mir meinen Ausweis zurueckgeben zu lassen! Den muss man in Vietnam naemlich immer beim Einchecken an der Rezeption abgeben, damit die einen bei der oertlichen Polizeistation melden koennen. Bisher war das fuer mich bei der Abreise immer eine Einheit: Zimmer bezahlen, Ausweis bekommen. Nur heut frueh hat das irgendwie nicht hingehauen. Ist mir aber leider erst vorhin beim Einchecken hier auf Cat Ba-Island aufgefallen. Naja, immerhin hab ich ihn nicht verloren, sondern bin mir ziemlich sicher, dass er dort im Hotel liegt. Dumm nur, dass das meinen Plan komplett auf den Kopf stellt, weil ich jetzt morgen per Boot zurueck nach Halong-Stadt muss. Und von dort gibt es leider auch keine Zugverbindung nach Hanoi, so dass ich wieder Bus fahren muss, was ich ja nicht so besonders mag - jedenfalls nicht, wenn ich stattdessen Zug fahren kann. Egal, Hauptsache ich bin bis abends wieder in Hanoi, mein Zugticket hab ich naemlich schon gekauft, bevor ich aus Hanoi abgehauen bin. Aber das sollte machbar sein. Dumm nur dass ich dadurch morgen extrem frueh raus muss: Das Boot faehrt schon um 7.00 Uhr... Aber Strafe muss sein!
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