14 Juni 2007

Stadt in einer Flussbiegung

Seit mittlerweile vier Tagen bin ich nun in der wohl schwaebischsten aller asiatischen Hauptstaedte: Hanoi. Und dieser Name bedeutet tatsaechlich nichts anderes als "Stadt in einer Flussbiegung"! Besonders kreativ waren die Vietnamesen (und ihre Vorgaenger) noch nie, als sie sich Namen fuer diese Stadt ausgesucht haben: Wie waere es mit Dong Kinh - "Oestliche Hauptstadt" (OK, so heisst Tokio bis heute...) oder Thang Long - "Stadt des sich erhebenden Drachens"... Man mutmasst uebrigens, dass aus "Dong Kinh" irgendwann durch diverse Lautverschiebungen und die uebliche Buschstabenschacherei infolge mangelnder verbindlicher Transkriptionsregeln "Tonkin" wurde, ein Begriff, der bis heute weiterlebt, beispielsweise im Golf von Tonkin.

Nachdem ich ja von Ho-Chi-Minh-Stadt nur bedingt begeistert war, hatte ich recht hohe Erwartungen in die Hauptstadt gesteckt. Und, was soll ich sagen, sie wurden weder erfuellt noch enttaeuscht - die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Hanoi ist schon eine coole Stadt, vor allem das quirlige Old Quarter gefaellt mir richtig gut, aber so 100%-ig verliebt bin ich nicht. Schoen ist auf jeden Fall, dass Hanoi meines Erachtens fusslaeufig ganz gut zu erschliessen ist, jedenfalls was die touristisch relevanten Teile angeht.

Nun, was hab ich bisher gesehen? Viele, viele Strassen und Gassen im Old Quarter, mit all den interessanten Geschaeften und Handwerksbetrieben, natuerlich den Hoan Kiem-See mit Ngo Soc-Tempel und der bekannten roten Bruecke, den einbalsamierten Ho-Chi-Minh in seinem Mausoleum, sein ehemaliges Zuhause, das Ho-Chi-Minh-Museum, den wirklich schoenen Van Mieu-"Tempel der Literatur" (quasi die erste vietnamesische Uni, gegruendet 1070 AD), die Hanoi-Towers, ein recht modernes Shopping-Center und viel lebhaftes Treiben der Hanoiten zwischendrin.

Heute abend hab ich mal die Puppen tanzen lassen - und zwar im Wasser! Nein, keine versaute Pool-Party, sondern vietnamesisches Wasserpuppen-Theater. Eine sehr eigenwillige Kunstform, die mir persoenlich aber richtig gut gefallen hat - und dem Rest des Publikums auch, wenn ich die frenetischen Reaktionen nicht fehlinterpretiere. Kann ich auf jeden Fall absolut empfehlen: Wer auch immer einen Tag beziehungsweise einen Abend in Hanoi verbringt, sollte diese 40.000 Dong investieren, es lohnt sich! Ansonsten besteht mein Kulturprogramm hier ueberwiegend aus dem Fernseher, den ich bis gestern in meinem Hotelzimmer hatte (bin heute umgezogen), und der mir beim Einschlafen geholfen hat, und aus einem Kino-Besuch, der nach gut sechs Wochen Leinwand-Entzug einfach sein musste. Wenn Esskultur auch gilt, bin ich aber ganz gut unterwegs. Wie bisher ueblich habe ich auch hier in Hanoi versucht, die jeweils lokalen Spezialitaeten auf den Teller zu bekommen: Speziell waeren da nem ran (vietnamesische Fluehlingsloellchen) und cha ca (Fisch, der am Tisch mit viel Gemuese in einer leckeren Sosse gebraten/gekocht wird) zu nennen. Pho (vietnamesische Nudelsuppe) stand zwar seit meiner Ankunft in der Sozialistischen Republik schon oefters auf dem Speiseplan, allerdings gibt es wohl in Hanoi eine besondere Variante, die ich mir morgen goennen werde. Und dann waere da noch die Frage, ob ich mich an thit cho wage, oder nicht...

Ja, morgen! Morgen geht es raus aus Hanoi, Richtung Osten ans Meer: Halong-Bucht, ich komme!!

Keine Kommentare: