30 Mai 2007

"Good Morning! Vietnam?"

Kein Scherz, so hat mich wirklich am Morgen meiner Abreise aus Kambodscha der Typ in der Hotellobby begruesst, der mich zum Auto gebracht hat, das mich zu einem Minibus gefahren hat, der mich zu einem Boot gebracht hat, das mich zum kambodschanisch-vietnamesischen Grenzposten am Mekong geschippert hat, von wo mich ein anderes Boot nach Chau Doc gebracht hat, zu einem Auto, das mich zu einem Bus gebracht hat, der mich nach Can Tho gefahren hat, wo mich letztendlich ein Motorrad zu meinem Hotel gebracht hat. Alles klar?

OK, nochmal in Ruhe und der Reihe nach:

Da ich ja in Kambodscha noch nicht genug abenteuerliche Sachen erlebt hatte, hab ich mich entschieden, nicht die 08/15-Touri-Route von Phnom Penh nach Saigon zu nehmen, die eine unspektakulaere sechs- bis siebenstuendige Busfahrt bedeutet haette. Nein, ich wollte auf dem Mekong nach Vietnam schippern, weil ich gelesen hatte, dass die Strecke landschaftlich sehr schoen sein soll. Und da ich mir in Vietnam eh auf jeden Fall das Mekong-Delta anschauen wollte, war es umso praktischer, dort gleich anzukommen. Um das Abenteuer dann doch etwas im Zaum zu halten hab ich mich dann aber gegen die 100%-Individuell-Variante entschieden, und stattdessen in Phnom Penh eine Tour gebucht, einer Empfehlung aus dem Lonely Planet Thorntree-Forum: Sunshine Tours am Sisowath Quay. Ist zwar nur eine kleine Bude (sonst werden in Kambodscha aus den Dingern die eher ungewoehnlichen Eis-Sandwiches verkauft...), hat aber so ziemlich alles im Angebot, was man in Suedostasien so unternehmen kann - beeindruckend!

Naja, da ich also eben diese Tour gebucht hatte, kam ich in den Luxus, am Morgen (um 7.30h *urgh*) direkt im Hotel abgeholt zu werden, um zum Abfahrtsort des Busses gebracht zu werden, welcher witzigerweise fast gegenueber von dem Guesthouse war, in dem ich beim letzten Mal in Phnom Penh gewohnt hab. Dieser Bus hat uns dann in knapp drei Stunden in ein recht unansehnliches Kaff gebracht, dessen Namen ich nochmal nachschlagen muss. Dass wir statt der veranschlagten zwei Stunden fuer die Strecke so lang gebraucht haben lag vornehmlich daran, dass die NH1 (national highway) ab der "Stadtgrenze" Phnom Penhs (die's so natuerlich nicht gibt - ich meine etwa den Punkt, wo die Bebauung etwas lockerer wird...) bis zu unserem Zielort eine einzige Riesen-Baustelle ist. Da das wie gesagt eine der kambodschanischen Prestige-Routen ist - ich schaetze mal, dass 95% aller Touristen, die aus Vietnam kommen hier entlang fahren - ist es absolut nachvollziehbar, dass der Zustand dieser Strasse oberste Prioritaet hat. "Wuerden sie sich doch mal in dieser Art und Weise der Strasse Poi Pet-Siem Reap annehmen" habe ich mir nur still und leise die meiste Zeit gedacht...

Nun gut, waehrend wir im Bus nur zu viert waren (plus ein Fahrer, ein "Tourguide" oder conducteur, der unsere Tickets kontrolliert hat und dann nur rumsass, und ein Typ, der von Anfang an nur da sass und Zeitung gelesen hat), warteten in unserem Boot schon zwei andere BackpackerInnen, die mit einer anderen Gesellschaft hierhergekommen waren. Dann ging's in seeeeehr gemuetlicher Fahrt gute zwei Stunden den Mekong runter Richtung Sueden, Richtung Vietnam. Von der reizvollen Landschaft war bis dahin nicht viel zu sehen, die Ufer waren teilweise mit Huetten bebaut, teilweise reichten die Reisfelder bis ans Ufer. Was allerdings beeindruckend war, war der Mekong selbst! Ich hatte ihn mir ja schon gross (i.e. breit) vorgestellt, hatte dabei aber so den Rhein plus ein paar Meter links und rechts im Kopf. An der Stelle, wo wir an Bord gegangen sind, war der Fluss aber in etwa so breit, wie der Starnberger See! Und der Mekong veraestelt sich ja gerne mal, und an manchen dieser Stellen war das jeweils weiter entfernte Ufer zwar natuerlich noch zu sehen, aber so richtig erkannt hat man dort nix mehr! Schon gross?!? Aber leider eben recht fad... Egal, so konnte ich wenigstens ein bisschen doesen ohne was zu verpassen, hatte schliesslich ne kurze Nacht hinter und einen langen Tag vor mir - aber das wusste ich da noch gar nicht.

Irgendwann ist unser Boot dann ans Ufer gefahren und hat an einem kleinen Holzsteg angelegt. Der eine Teil der Zwei-Mann-Besatzung unseres Boots (der, der ein paar Brocken Englisch sprach) meinte dann, wir muessten hier jetzt aussteigen und unsere Ausreisestempel fuer Kambodscha abholen. Haben wir dann auch gemacht. Witzig, da steht einfach so in der Pampa ein kleines Haeuschen rum, in dem zwei kambodschanische Grenzbeamten sitzen. Aber gut, wir waren soeben offiziell ausgereist.

Dann zurueck auf's Boot und ein paar hundert Meter (vielleicht auch Kilometer, ich tu mir da auf dem Wasser immer etwas schwer) weiter das gleiche Spiel. Nur dass die Umgebung diesmal schon etwas mehr nach Grenzposten aussah: Haeuser, Menschen und je eine kambodschanische und eine vietnamesische Flagge, die im Wind wehten. Da das Boot (und die Crew) nicht ueber die Grenze duerfen, mussten wir unser Zeug mit ans Ufer nehmen, wo wir von einer recht agilen, und wie sich spaeter rausstellte sehr netten und lustigen vietnamesischen Mitarbeiterin des Reiseveranstalters empfangen wurden. Daneben stand eine Mannschaft Touris Spalier, die die gleiche Route wie wir in die Gegenrichtung machten.

Dann ging's mit Sack und Pack zur vietnamesischen Quarantaene-Station, wo wir 200 Dong (so gut wie nix...) fuer einen kleinen Wisch bezahlten, der bestaetigt, dass eine Waermebildkamera befunden hat, dass wir kein Seuchenrisiko fuer die Sozialistische Republik Vietnam darstellen. Alles klar?! Meinetwegen kann ich mittels einer Waermebildkamera feststellen, ob jemand Fieber hat (Symptom fuer H5N1-Infektion), aber doch nicht, wenn ich Personen vor mir habe, deren Waermehaushalt gerade am Limit operiert, weil er mit den ungewohnten klimatischen Bedingungen umzugehen versucht, oder?! Egal, wir waren also gesund.

Daraufhin hat besagte Lady dann unsere Ausweise mitsamt der darin befindelichen Visa und der zuvor ausgefuellten Einreise-/Ausreisekarten eingesammelt und ist damit in Richtung Immigration-Buero abgedampft, waehrend wir endlich Gelegenheit hatten, was zu essen. Danach gab's die Ausweise zurueck, jetzt um eine reingetackerte gelbe Ausreisekarte reichhaltiger, die man tunlichst nicht verlieren sollte - das gibt sonst unter Umstaenden massive Probleme bei der Ausreise! Aber fuer uns ging's nach dem Roentgen unseres Gepaecks (wie am Flughafen!) erstmal auf das andere Boot und ab, weiter in Richtung Sueden.

Und jetzt war die Landschaft durchaus sehr reizvoll und ansehnlich! Speziell nachdem wir vom Mekong in einen kleineren Kanal abgebogen sind: "Eine Abkuerzung!" Keine Ahnung, ob es wirklich eine war, selbst wenn nicht war das, was wir dort gesehen haben jeden Umweg wert! Genau so hatte ich mir das Mekong-Delta vorgestellt. Schwimmende Haeuser, Boote die als Arbeitsplatz und Wohnraum fungieren, Menschen die direkt am Wasser leben und deren Leben sich fast ausschliesslich um den Fluss dreht, Reisbauern die mit ihren Wasserbueffeln die Reisfelder am Ufer umpfluegen, Fischer die ihre Netze auswerfen, kleine Kinder die im Fluss baden, alte und junge Frauen, die in ao dai und mit den typischen vietnamesischen Hueten ihre Boote rudern... Traumhaft und absolut empfehlenswert!

Aber irgendwann geht auch die schoenste Bootspartie zu Ende, und so kamen wir nach etwa dreistuendiger Fahrt in Chau Doc an. Eigentlich, so war mein Plan, wollte ich dort die Nacht verbringen um dann am naechsten Tag nach Can Tho weiterzufahren, von wo ich das Mekong-Delta und die schwimmenden Maerkte erkunden wollte. Nachteil an diesem Plan war aber, dass mir durch die unguenstige Verbindung ein halber bis ein ganzer Tag verloren gehen wuerde, da ich weder in Chau Doc noch in Can Tho nachmittags viel wuerde machen koennen. Und so kam mir die glorreiche Idee, unterwegs unsere Fuehrerin zu fragen, ob es denn nicht nach unserer Ankunft in Chau Doc noch eine Busverbindung nach Can Tho gebe? Gibt es! Gluecksgefuehl!

Da noch zwei andere Mitreisende am selben Tag weiterreisen wollten (allerdings beide nach Saigon direkt), wurden wir drei dann, nach einem fuenfminuetigen Eillauf durch Chau Doc hin zum Buero des Reiseveranstalters in aller Eile in ein Auto gepackt, das uns rasend schnell zum Busterminal gebracht hat. Offensichtlich hatten wir nicht viel Zeit, bis unsere Busse gingen/fuhren!? Dort angekommen wurden wir dann dem Personal des offenbar befreundeten Busunternehmens uebergeben und sassen dann interessanterweise fuer geraume Zeit rum. Vietnamesische Organisation... Egal. Mein Bus hat mich dann recht problemlos in dreieinhalb Stunden nach Can Tho gebracht, einziges "Highlight" waren die reisekranken Mitfahrerinnen, die etwa ab der Haelfte der Strecke froehlichst in ihre Tueten gegoebelt haben... Mahlzeit! Ich weiss nicht, was die Leute hier haben, denn die Fahrt war echt nicht so schlimm. OK, der Fahrer ist ganz schoen geheizt, und weil man andere, langsamere Verkehrsteilnehmer natuerlich sowohl links als auch rechts ueberholen kann, war das bisweilen schon ein bisschen ein Slalom-Parcours - aber soo schlimm nun wirklich nicht. Ich bin da ja an sich auch ein wenig empfindlich, kann das also beurteilen. Noch skurriler war in dieser Hinsicht uebrigens die vierstuendige Busfahrt von Sihanoukville nach Phnom Penh am Tag zuvor, wo es schon nach zehn Minuten auf der Sitzbank neben mir losging - wobei man vielleicht fairerweise ergaenzen sollte, das es sich dabei um ein kleines Kind gehandelt hat, das dafuer aber die gesamte Distanz ueber nicht mehr aufgehoert hat. Hinten im Bus war aber offenbar auch einiges geboten...

Naja, erstmal in Can Tho angekommen hab ich mir ein Motorradtaxi geschnappt (oder der Fahrer sich mich?) und bin zu einem Hotel gefahren, das ich mir vorher im Lonely Planet rausgesucht hatte. Der Hotelier hat nicht schlecht gestaunt, als er gehoert hat, dass ich am Morgen in Phnom Penh gestartet war - als ich mir das Ganze mal auf einer Karte angeschaut hab, wusste ich auch warum... In dieser Nacht habe ich jedenfalls hervorragend geschlafen, obwohl es am naechsten Morgen noch frueher losging!

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