Kakao in Macau?
Bei Nacht in Macau anzukommen ist schonmal die halbe Miete. Als Tourismus-Destination hat sich die Sonderverwaltungszone durch die Ansiedelung zahlreicher Casinos etabliert, und die geizen natuerlich nicht mit optischen Reizen in Form von Leuchtreklamen und Neonfassaden. Las Vegas laesst gruessen - kein Witz! In Macau hat's sogar ein Sands, ganz wie in Nevada.
Etwas problematisch war es allerdings, vom Flughafen in die Stadt reinzukommen, weil ich fuer den Bus das passende Kleingeld gebraucht haette (ATMs geben einem aber eben nunmal nur grosse Scheine...), und die Taxifahrer (Taxi in die Stadt kostet etwa 4 Euro) weder Englisch sprechen, noch mit der Adresse was anfangen konnten, die ich ihnen auf einem Zettel gegeben hatte. Die verstehen doch echt nur Chinesisch! Ich haette also die chinesischen Strassennamen in chinesischen Schriftzeichen gebraucht, um da hin zu kommen, wo ich hin wollte. Zuefaelligerweise kamen da grad drei Koreaner des Weges, die auch auf der Suche nach einem Taxi in die Stadt waren. Verrueckte Voegel: In der Wartezeit bis zu ihrem Anschlussflug heim nach Korea wollten sie zum Abendessen nach Macau rein... Na, mir sollte es recht sein - so haben wir uns letztenendes zum Lisboa Casino bringen lassen - das kannte der Taxler dann zum Glueck doch - und uns das Taxi geteilt. So kam ich fuer einen Bruchteil der Kohle bis fast zu meinem Hotel. Da Macau recht klein ist, konnte ich den Rest des Weges problemlos laufen.
Nach dem Einchecken bin ich erstmal mit meiner Kamera losgezogen, und hab das Ambiente aufgesogen und genossen. Ist schon was anderes, als die Zweit- und Drittweltstaaten, in denen ich die letzten Monate verbracht habe! Natuerlich bin ich auch in eines der Casinos reingegangen (ins "Star World Casino"), und ich hab mich auch mit dem Gedanken gespielt, da meine Urlaubskasse ein wenig aufzubessern. Als ich allerdings die Tischlimits und Mindesteinsaetze gesehen hab, bin ich ganz schnell wieder von dieser Idee abgekommen. Ich hab mich stattdessen lieber auf's Zuschauen und Amuesieren verlegt. An einem der Roulettetische hat einer der Spieler alleine in der Zeit, die ich da rum stand und zugeschaut hab, ueber 500.000 Patacas, das sind etwa 50.000 Euro verloren! Eieiei, das gibt Aerger zuhause! (Die Waehrung in Macau, die Pataca, wird uebrigens auch MOP$ abgekuerzt, was ich persoenlich irgendwie ganz witzig finde.) Irgendwie ist so ein Casino-Besuch schon was Lustiges. Allerdings hat mir in Macau ein wenig dieses Glamouroese gefehlt, das einem die ganzen Spielfilme in Bezug auf die amerikanischen Casinos in Las Vegas vorgaukeln. Ich weiss natuerlich nicht, ob das der Realitaet entspricht was einem da gezeigt wird, aber in Macau sitzen ueberwiegend fluchende und rauchende Chinesen rum und verzocken ihr Geld... Glamour-Faktor? Fehlanzeige. Noch nichtmal die Ladies haben sich rausgeputzt in schonen Kleidern oder so... Hier geht's wirklich eher um den schnoeden Mammon als um's Vergnuegen.
Nach dieser Erkenntnis ging's aber ab ins Bett - war schliesslich wieder ein langer Tag. Obwohl er genau genommen sogar kuerzer war, als all die Tage zuvor, weil ich bei der Einreise nach Macau eine Stunde verloren habe: Macau ist (wie uebrigens auch Hong Kong) acht Stunden vor der UTC, also der deutschen Sommerzeit sechs Stunden voraus. Am naechsten Morgen galt es dann, ein schoenes Plaetzchen zum Fruehstuecken zu suchen, und da bin ich wiedermal einer Empfehlung des Lonely Planet gefolgt, und hab mich fuer das Chocolate Cafe entschieden. Und da hab ich dann tatsaechlich ueberlegt, ob ich um des Kalauers Willen statt meinem allmorgendlichen Pflicht-Kaffee mal eine heisse Schokolade, also einen Kakao, trinken sollte. Hab mich dann aber doch dagegen entschieden und die Menge an Schokolade stattdessen lieber in Form des schokoladigsten Schokocroissants zu mir genommen, das ich je gesehen hab. Es gibt ja solche, die innen mit Schokolade gefuellt sind, und diejenigen, die aussen teilweise eine Schoko-Glasur haben. Dieses hatte beides, wobei die Glasur eher einem zentimeter-dicken Kokon aehnelte. Na mir soll's recht sein!
Den Tag hab ich dann mit Sightseeing in Macau verbracht. Dort gibt's vor allem eine recht eigenartige Mischung aus portugiesischem Kolonialstil und zeitgenoessischer chinesischer Zweckarchitektur zu sehen. Das dann noch erganezt durch moderne Buerobauten auf kuenstlich gewonnenem Land und die zuvor bereits erwaehnten Casinos und Hotels ergibt ein ziemlich interessantes Gesamtbild. Nicht zu vergessen natuerlich der 338 Meter hohe Macau-Tower, immerhin eines der hoechsten Gebaeude der Welt. Ausser dem Geniessen der Aussicht kann man da uebrigens auch den hoechsten (oder tiefsten?) Bungee-Sprung der Welt wagen: 233 Meter freier Fall sind anerkannter Guiness-Weltrekord! Und das auch noch zum Spottpreis von 888 MOP$, also etwa 88 Euro. Lust bekommen?
Ich hab mich stattdessen lieber in die oeffentliche Bibliothek gesetzt - da kann man naemlich kostenlos im Internet surfen - und ein paar Daten fuer die bevorstehende Zimmersuche in Hong Kong gesammelt. Das hatte ich naemlich irgendwie im Vorfeld total verpennt! Naja, ich hatte dann die Daten (Adresse, Gebaeude, Stockwerk, Appartement-Nummer) fuer drei "Guesthouses" beieinander, aber dazu mehr an anderer Stelle. Nach erfolgreicher Recherche ging es zurueck zum Guesthouse, und dann mit gesatteltem Gepaeck zum Faehrterminal nach Hong Kong - mal wieder per oertlichem Bus, was wiederum erstaunlich wenig abenteuerlich und stattdessen erfreulich problemlos war. Am Terminal angekommen noch schnell ein Ticket fuer die naechste Faehre nach Kowloon gekauft, ab zum "Gate" - das ist wirklich wie ein Flughafen organisiert dort! - und ab an Bord. Die knapp einstuendige Ueberfahrt war dank des Express-Katamarans mit Komfort-Polsterbestuhlung auch sehr bequem und der Seegang ertraeglich. Ich hatte versucht, meine Ueberfahrt so zu timen, dass ich in Hong Kong ankommen, wenn es schon dunkel ist. Denn wenn ich schon so legendaer auf dem Wasser ankomme, dann will ich doch gleich das volle Programm mit beleuchteter Skyline im Victoria Harbour haben! Hat auch fast geklappt. Ich hatte bei meiner Planung vergessen, dass ich mich jetzt ganz am westlichen Rand der neuen Zeitzone befinde, und dass es folglich spaeter dunkel wird, als am oestlichen Rand der Zeitzone, in der ich mich zuvor befunden hate. Egal, so hab ich den Sonnenuntergang im Hafen miterlebt - war auch absolut sehenswert!
Dann hiess es aber, ein Zimmer zu finden. Moeglicherweise wird dem einen oder anderen der Name "Chungking Mansions" ein Begriff sein. Alle anderen seien auf diesen Wikipedia-Artikel, den darin erwaehnten Artikel im TIME-Magazine oder den Film Chungking Express von Wong Kar Wai verwiesen. Auf jeden Fall sind die Chungking Mansions eine Legende, und ich hatte laengere Zeit hin und her ueberlegt, ob ich mir das wirklich geben sollte, oder doch lieber eine "richtige" Unterkunft suche. Nix da - das passt wunderbar ins Gesamtbild meiner Reise, und so hab ich mir tatsaechlich ein Zimmer hier genommen. Ohne Fenster, dafuer mit nagelneuer Klimanalage (deren Herr ich bin, soll heissen ich kann die Temperatur auf einen vernuenftigen und nicht gesundheitsschaedlichen Wert einstellen!) und fuer nur 100 HK$ (etwa 10 Euro) pro Nacht. Heute, nach drei Naechten in meiner "Zelle", hab ich mal angefragt, ob denn da nicht ein weiterere Rabatt drin sei (normalerweise verlangt er wohl 120 HK$), wenn ich noch ein paar Naechte bleibe. Erst hat er sich gewunden, und gemeint dass ich ja eh schon billiger da wohne, als es sonst ueblich sei. Letztlich hat er sich dann aber doch breitschlagen lassen, und mir jetzt ein anderes Zimmer zum gleichen Preis gegeben. Etwas groesser und mit Fenster! Die naechste Nacht wird zeigen, ob das ein guter Tausch war...
Was ist zu Hong Kong zu sagen? Eigentlich nur eins: Wahnsinn! Ich bin wirklich absolut hin und weg von dieser krassen Stadt! Natuerlich bin ich gleich am ersten Abend, nach erfolgreicher Zimmersuche, zum Hafen, und hab mir von der Suedspitze Kowloons aus den Blick ueber den Victoria Harbour nach Hong Kong Island angeschaut. Und das war einer dieser ganz einzigartigen Momente - auf meiner Reise bisher eigentlich nur vergleichbar mit dem Moment, in dem ich Angkor Wat zum ersten Mal komplett vor mir hatte. Und ich muss zugeben, dass mich Hong Kong in diesem Zusammenhang fast noch ein bisschen mehr umgehauen hat. Einmalig! Beeindruckend! Geradezu erschlagend schoen! Definitiv etwas, das jeder Mensch einmal im Leben gesehen haben sollte. Kitschig, ja, aber eben auch absolut einmalig.
Aber auch abgesehen davon finde ich Hong Kong wirklich genial. Diese unterschiedlichen Welten, je nachdem wo man sich gerade befindet! Westliche Weltstadt im Norden von Hong Kong Island, mit Buerohochhaeusern und Skywalks, asiatische Metropole mit kleinen Laeden und Strassenhaendlern in Kowloon und Yau Ma Tei - hier heisst es nicht "East meets West" sondern "East greets West - East eats West"! Uebrigens ein netter Zungenbrecher, der mir gestern beim Bummeln durch die Strassen und Gassen Yau Ma Teis eingefallen ist...
2 Kommentare:
Kleiner Lese- bzw. Hörtipp zu Macau. Ist jeweils der gleiche Artikel.
LG J.
Das mit dem Zugenbrecher stimmt ;-)
Lieben Gruß
Cordelia
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