26 Juni 2007

Kakao in Macau?

Bei Nacht in Macau anzukommen ist schonmal die halbe Miete. Als Tourismus-Destination hat sich die Sonderverwaltungszone durch die Ansiedelung zahlreicher Casinos etabliert, und die geizen natuerlich nicht mit optischen Reizen in Form von Leuchtreklamen und Neonfassaden. Las Vegas laesst gruessen - kein Witz! In Macau hat's sogar ein Sands, ganz wie in Nevada.

Etwas problematisch war es allerdings, vom Flughafen in die Stadt reinzukommen, weil ich fuer den Bus das passende Kleingeld gebraucht haette (ATMs geben einem aber eben nunmal nur grosse Scheine...), und die Taxifahrer (Taxi in die Stadt kostet etwa 4 Euro) weder Englisch sprechen, noch mit der Adresse was anfangen konnten, die ich ihnen auf einem Zettel gegeben hatte. Die verstehen doch echt nur Chinesisch! Ich haette also die chinesischen Strassennamen in chinesischen Schriftzeichen gebraucht, um da hin zu kommen, wo ich hin wollte. Zuefaelligerweise kamen da grad drei Koreaner des Weges, die auch auf der Suche nach einem Taxi in die Stadt waren. Verrueckte Voegel: In der Wartezeit bis zu ihrem Anschlussflug heim nach Korea wollten sie zum Abendessen nach Macau rein... Na, mir sollte es recht sein - so haben wir uns letztenendes zum Lisboa Casino bringen lassen - das kannte der Taxler dann zum Glueck doch - und uns das Taxi geteilt. So kam ich fuer einen Bruchteil der Kohle bis fast zu meinem Hotel. Da Macau recht klein ist, konnte ich den Rest des Weges problemlos laufen.

Nach dem Einchecken bin ich erstmal mit meiner Kamera losgezogen, und hab das Ambiente aufgesogen und genossen. Ist schon was anderes, als die Zweit- und Drittweltstaaten, in denen ich die letzten Monate verbracht habe! Natuerlich bin ich auch in eines der Casinos reingegangen (ins "Star World Casino"), und ich hab mich auch mit dem Gedanken gespielt, da meine Urlaubskasse ein wenig aufzubessern. Als ich allerdings die Tischlimits und Mindesteinsaetze gesehen hab, bin ich ganz schnell wieder von dieser Idee abgekommen. Ich hab mich stattdessen lieber auf's Zuschauen und Amuesieren verlegt. An einem der Roulettetische hat einer der Spieler alleine in der Zeit, die ich da rum stand und zugeschaut hab, ueber 500.000 Patacas, das sind etwa 50.000 Euro verloren! Eieiei, das gibt Aerger zuhause! (Die Waehrung in Macau, die Pataca, wird uebrigens auch MOP$ abgekuerzt, was ich persoenlich irgendwie ganz witzig finde.) Irgendwie ist so ein Casino-Besuch schon was Lustiges. Allerdings hat mir in Macau ein wenig dieses Glamouroese gefehlt, das einem die ganzen Spielfilme in Bezug auf die amerikanischen Casinos in Las Vegas vorgaukeln. Ich weiss natuerlich nicht, ob das der Realitaet entspricht was einem da gezeigt wird, aber in Macau sitzen ueberwiegend fluchende und rauchende Chinesen rum und verzocken ihr Geld... Glamour-Faktor? Fehlanzeige. Noch nichtmal die Ladies haben sich rausgeputzt in schonen Kleidern oder so... Hier geht's wirklich eher um den schnoeden Mammon als um's Vergnuegen.

Nach dieser Erkenntnis ging's aber ab ins Bett - war schliesslich wieder ein langer Tag. Obwohl er genau genommen sogar kuerzer war, als all die Tage zuvor, weil ich bei der Einreise nach Macau eine Stunde verloren habe: Macau ist (wie uebrigens auch Hong Kong) acht Stunden vor der UTC, also der deutschen Sommerzeit sechs Stunden voraus. Am naechsten Morgen galt es dann, ein schoenes Plaetzchen zum Fruehstuecken zu suchen, und da bin ich wiedermal einer Empfehlung des Lonely Planet gefolgt, und hab mich fuer das Chocolate Cafe entschieden. Und da hab ich dann tatsaechlich ueberlegt, ob ich um des Kalauers Willen statt meinem allmorgendlichen Pflicht-Kaffee mal eine heisse Schokolade, also einen Kakao, trinken sollte. Hab mich dann aber doch dagegen entschieden und die Menge an Schokolade stattdessen lieber in Form des schokoladigsten Schokocroissants zu mir genommen, das ich je gesehen hab. Es gibt ja solche, die innen mit Schokolade gefuellt sind, und diejenigen, die aussen teilweise eine Schoko-Glasur haben. Dieses hatte beides, wobei die Glasur eher einem zentimeter-dicken Kokon aehnelte. Na mir soll's recht sein!

Den Tag hab ich dann mit Sightseeing in Macau verbracht. Dort gibt's vor allem eine recht eigenartige Mischung aus portugiesischem Kolonialstil und zeitgenoessischer chinesischer Zweckarchitektur zu sehen. Das dann noch erganezt durch moderne Buerobauten auf kuenstlich gewonnenem Land und die zuvor bereits erwaehnten Casinos und Hotels ergibt ein ziemlich interessantes Gesamtbild. Nicht zu vergessen natuerlich der 338 Meter hohe Macau-Tower, immerhin eines der hoechsten Gebaeude der Welt. Ausser dem Geniessen der Aussicht kann man da uebrigens auch den hoechsten (oder tiefsten?) Bungee-Sprung der Welt wagen: 233 Meter freier Fall sind anerkannter Guiness-Weltrekord! Und das auch noch zum Spottpreis von 888 MOP$, also etwa 88 Euro. Lust bekommen?

Ich hab mich stattdessen lieber in die oeffentliche Bibliothek gesetzt - da kann man naemlich kostenlos im Internet surfen - und ein paar Daten fuer die bevorstehende Zimmersuche in Hong Kong gesammelt. Das hatte ich naemlich irgendwie im Vorfeld total verpennt! Naja, ich hatte dann die Daten (Adresse, Gebaeude, Stockwerk, Appartement-Nummer) fuer drei "Guesthouses" beieinander, aber dazu mehr an anderer Stelle. Nach erfolgreicher Recherche ging es zurueck zum Guesthouse, und dann mit gesatteltem Gepaeck zum Faehrterminal nach Hong Kong - mal wieder per oertlichem Bus, was wiederum erstaunlich wenig abenteuerlich und stattdessen erfreulich problemlos war. Am Terminal angekommen noch schnell ein Ticket fuer die naechste Faehre nach Kowloon gekauft, ab zum "Gate" - das ist wirklich wie ein Flughafen organisiert dort! - und ab an Bord. Die knapp einstuendige Ueberfahrt war dank des Express-Katamarans mit Komfort-Polsterbestuhlung auch sehr bequem und der Seegang ertraeglich. Ich hatte versucht, meine Ueberfahrt so zu timen, dass ich in Hong Kong ankommen, wenn es schon dunkel ist. Denn wenn ich schon so legendaer auf dem Wasser ankomme, dann will ich doch gleich das volle Programm mit beleuchteter Skyline im Victoria Harbour haben! Hat auch fast geklappt. Ich hatte bei meiner Planung vergessen, dass ich mich jetzt ganz am westlichen Rand der neuen Zeitzone befinde, und dass es folglich spaeter dunkel wird, als am oestlichen Rand der Zeitzone, in der ich mich zuvor befunden hate. Egal, so hab ich den Sonnenuntergang im Hafen miterlebt - war auch absolut sehenswert!

Dann hiess es aber, ein Zimmer zu finden. Moeglicherweise wird dem einen oder anderen der Name "Chungking Mansions" ein Begriff sein. Alle anderen seien auf diesen Wikipedia-Artikel, den darin erwaehnten Artikel im TIME-Magazine oder den Film Chungking Express von Wong Kar Wai verwiesen. Auf jeden Fall sind die Chungking Mansions eine Legende, und ich hatte laengere Zeit hin und her ueberlegt, ob ich mir das wirklich geben sollte, oder doch lieber eine "richtige" Unterkunft suche. Nix da - das passt wunderbar ins Gesamtbild meiner Reise, und so hab ich mir tatsaechlich ein Zimmer hier genommen. Ohne Fenster, dafuer mit nagelneuer Klimanalage (deren Herr ich bin, soll heissen ich kann die Temperatur auf einen vernuenftigen und nicht gesundheitsschaedlichen Wert einstellen!) und fuer nur 100 HK$ (etwa 10 Euro) pro Nacht. Heute, nach drei Naechten in meiner "Zelle", hab ich mal angefragt, ob denn da nicht ein weiterere Rabatt drin sei (normalerweise verlangt er wohl 120 HK$), wenn ich noch ein paar Naechte bleibe. Erst hat er sich gewunden, und gemeint dass ich ja eh schon billiger da wohne, als es sonst ueblich sei. Letztlich hat er sich dann aber doch breitschlagen lassen, und mir jetzt ein anderes Zimmer zum gleichen Preis gegeben. Etwas groesser und mit Fenster! Die naechste Nacht wird zeigen, ob das ein guter Tausch war...

Was ist zu Hong Kong zu sagen? Eigentlich nur eins: Wahnsinn! Ich bin wirklich absolut hin und weg von dieser krassen Stadt! Natuerlich bin ich gleich am ersten Abend, nach erfolgreicher Zimmersuche, zum Hafen, und hab mir von der Suedspitze Kowloons aus den Blick ueber den Victoria Harbour nach Hong Kong Island angeschaut. Und das war einer dieser ganz einzigartigen Momente - auf meiner Reise bisher eigentlich nur vergleichbar mit dem Moment, in dem ich Angkor Wat zum ersten Mal komplett vor mir hatte. Und ich muss zugeben, dass mich Hong Kong in diesem Zusammenhang fast noch ein bisschen mehr umgehauen hat. Einmalig! Beeindruckend! Geradezu erschlagend schoen! Definitiv etwas, das jeder Mensch einmal im Leben gesehen haben sollte. Kitschig, ja, aber eben auch absolut einmalig.

Aber auch abgesehen davon finde ich Hong Kong wirklich genial. Diese unterschiedlichen Welten, je nachdem wo man sich gerade befindet! Westliche Weltstadt im Norden von Hong Kong Island, mit Buerohochhaeusern und Skywalks, asiatische Metropole mit kleinen Laeden und Strassenhaendlern in Kowloon und Yau Ma Tei - hier heisst es nicht "East meets West" sondern "East greets West - East eats West"! Uebrigens ein netter Zungenbrecher, der mir gestern beim Bummeln durch die Strassen und Gassen Yau Ma Teis eingefallen ist...

24 Juni 2007

One Night In Bangkok

Die Rueckfahrt von Sapa nach Hanoi bedeutete ja gleichzeitig auch den Anfang vom Ende, naemlich dem nahenden Ende meiner Reise. Aber dieser Anfang war gleich mal ein sehr angenehmer. OK, die einstuendige, serpentinenreiche Busfahrt von Sapa runter nach Lao Cai brauche ich nicht taeglich, dafuer war der Nachtzug dann umso komfortabler. Ich hatte durch Zufall ein Bett in einem nagelneuen Wagen bekommen. Der hat noch so richtig nach "Neu" gerochen, die Matratzen waren noch nicht so durchgelegen, und das Klo war nicht nur extrem sauber, sondern auch noch mit echten weissen Fliesen gefliest. Deluxe! Nur leider hatte der Wagen auch eine ganz neue Klimaanlage, und damit das auch ja jeder mitbekommt, lief die (wiedermal) auf Vollgas. Und so hab ich mir prompt eine kleine Erkaeltung eingefangen...

Angekommen in Hanoi bin ich zu einer recht unchristlichen Zeit - aber das stoert in einem buddhistisch-taoistisch-konfuzianistischen Land vermutlich niemanden - naemlich um kurz nach fuenf. Mein Flieger nach Bangkok sollte um 14.20 Uhr gehen. Ich hatte mir vorher schon ueberlegt, dass ich wohl am sinnvollsten ein ausgedehntes Fruehstueck im Old Quarter einnehmen wuerde, um dann in aller Ruhe und ohne Hetze zum Flughafen rauszufahren. Allerdings hat in Hanoi natuerlich um 5 Uhr morgens noch nix auf - die ganzen Cafes oeffnen erst um 6 Uhr. Also hatte ich eine Stunde totzuschlagen. Die Idee einer Fotostrecke "Good Morning Hanoi - eine Stadt erwacht" musste ich leider teilweise aufgeben, weil meine Kamera und die Objektive dank des spontanen Klimawandels beim Verlassen des Tiefkuehl-Wagens inklusive Temperaturdifferenz von etwa 20 Grad stundenlang beschlagen und damit unbenutzbar war. Bin dann zu Fuss in einem ausgedehnten Morgenspaziergang vom Bahnhof zum Hoan Kiem-See gelaufen und hab dort den Hanoiten beim morgendlichen Tai Chi zugeschaut. Irgendwann war's dann sechs und ich konnte endlich mein erstes Fruehstueck einnehmen. Erstes Fruehstueck deswegen, weil ich anschliessend noch in ein anderes Cafe gewandert bin, um dort mein zweites Fruehstueck einzunehmen. Man goennt sich ja sonst nix! Danach bin ich dann zum Buero von Vietnam Airlines gewandert, von wo ein Minibus-Service jedermann (nicht nur Passagiere von Vietnam Airlines!) zum Kampfpreis von 2 US-Dollar non-stop zum Flughafen faehrt.

Der Flughafen Hanois ist eher unspektakulaer bis provinziell. So war es auch keine besondere Herausforderung, den AirAisa-Schalter zu finden, einzuchecken und den Weg in die Kabine der 737 zu finden, die mich nach Bangkok bringen sollte. Und auch gebracht hat.

Bangkok war wiedermal sehr entgegenkommend. Raus aus dem Flieger, Gepaeck abgeholt, rein in den Express-Bus und ab in die Stadt. Gleiches Spiel wie vor gut drei Monaten. Das Hostel, in dem ich diesmal fuer eine Nacht unterkommen sollte, war auch schnell gefunden. Uebrigens gar nicht mal so schlecht, und damit durchaus eine Empfehlung fuer zukuenftige Bangkok-Reisende: Das Soi 1 Guesthouse. Den Abend hab ich dann mit Rumschlendern, einem Besuch auf dem Nachtmarkt und einem leckeren thailaendischen Abendessen rumgebracht. Da der Tag frueh begonnen hatte, war ich auch nicht mehr bereit fuer allzuviel Halli-Galli... Am naechsten Tag dann so lange Ausschlafen, wie die Checkout-Zeit hergibt und nach langer Zeit mal wieder zu einem Fruehstueck bei Starbucks. Auch was Gutes. Dann stand noch die Entscheidung an, wie ich zurueck zum Flughafen kommen wuerde. Da ich ausgeschlafen und guter Dinge war, und sehr viel Zeit hatte, wurde beschlossen, dass das Motto des Tages lauten wuerde: Do like the locals do: Wir fahren mit dem Stadtbus. Und das war wesentlich unproblematischer und weniger abenteuerlich, als ich gedacht haette. Naja, auch gut. Vorteil gegenueber dem Flughafen-Expressbus war, dass ich durch die "Siedlung" Suvarnabhumi gekommen bin, das ist sowas wie das thailaendische Hallbergmoos. Soll heissen: Ein kleines Kaff, dass jetzt von der unmittelbaren Naehe des Flughafens profitiert und neben zahllosen Speditionen und Transport- und Logistikunternehmen Dutzende neuer (Tagungs-)Hotels fuer Business-Reisende und Airline-Crews bereithaelt. Jobmotor Flughafen - wie aus dem Lehrbuch. Wobei dieser Ausdruck uebrigens meiner Meinung nach Bloedsinn ist - schliesslich sieht nicht die Realitaet aus wie irgendwas, was in Buechern steht, sondern die Buecher geben wider, was real ist.

Naja, am Flughafen angekommen war das einzig Negative eigentlich, dass beide Aussichtsplattformen geschlossen waren. Somit musste ich meiner Wartezeit mit nochmal thailaendisch Essen und Passagieren zuschauen ueberbruecken. Dann wieder einchecken, Sicherheitskontrolle passieren, Gate suchen und nach einiger Wartezeit endlich einsteigen. Der Flug nach Macau war dann wiederum recht unspektakulaer - klar, den Grossteil der Strecke kannte ich ja schon vom Vortag...

18 Juni 2007

Time to say ... hello!

Ja, ganz recht, bald ist es tatsaechlich an der Zeit "Hallo" zu sagen - ich werde naemlich demnaechst zurueckkommen. Nun wird der oder die eine oder andere sich verwundert die Augen reiben und fragen: "Nanu, er ist doch noch in Vietnam, wollte er denn nicht auch noch nach Laos, Myanmar und China?" Doch, wollte er. Aber das ist lange her, naemlich heute auf den Tag genau drei Monate, und seitdem hat sich einiges getan.

Ich bin inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem ich mich nicht mehr wirklich fuer aufnahmefaehig halte. Will sagen: Ich hab schon so viel gesehen und erlebt in diesem vergangenen dreiviertel Jahr, das ich nun schon unterwegs bin, dass ich glaube, Laos, Myanmar und China, und all dem was es dort zu entdecken gibt, nicht wirklich gerecht werden zu koennen. Mein Hirn ist einfach randvoll mit Eindruecken - da geht nix mehr rein. Und ich finde das waere schade, wenn ich nur rumreise, ohne das Gesehene entsprechend wuerdigen zu koennen. Und so habe ich beschlossen, Laos und Myanman auf (m)einen naechsten Suedostasien-Trip zu verschieben, und China sogar einmal eine eigene Reise zu widmen.

Ausserdem merke ich auch langsam, dass der Plan, ganz Festland-Suedostasien in einer Tour zu erkunden, wohl doch ein wenig ehrgeizig war. Waehrend mein Hirn zunehmend voller wird, werden meine Akkus naemlich gleichzeitig immer leerer. Dieses Problem habe ich speziell seit meiner Zeit in Kambodscha. Was ich dort erlebt habe, hat mich deutlich mehr Energie gekostet, als ich jemals fuer moeglich gehalten haette. Dennoch bereue ich den Besuch natuerlich kein bisschen - ganz im Gegenteil! Irgendwie ist es ja auch spannend (und vielleicht auch einer der Hintergruende fuer ein solches Unternehmen), seine eigenen Grenzen aufgezeigt zu bekommen.

Also, bereitet euch schonmal drauf vor, dass ich ab Anfang Juli wieder in Deutschland sein werde. Hier meine Flugverbindung, die ich inzwischen fest gebucht habe:

030707 0035 HKG EK0381 DXB 0435 030707
030707 0835 DXB EK0049 MUC 1300 030707


Momentan sitze ich ja in Sapa, ganz im Norden Vietnams und nur wenige Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Als ich angefangen hatte, diese vorgezogene Rueckkehr zu planen, hatte ich mir das schoen so ausgedacht, dass das hier mein letztes Highlight in Vietnam sein sollte, und ich von hier mit dem Zug durch China nach Hong Kong fahre - dass mein Rueckflug von dort gehen wuerde stand ja von vornherein fest, nur wann konnte ich frei entscheiden. Prinzipiell waere das wohl auch eine ganz gute Idee gewesen, haette es da nicht vor einigen Jahren diesen Erdrutsch auf der Strecke Hekou (Grenzort auf chinesischer Seite) und Kunming gegeben, der nie repariert wurde. Mit anderen Worten: Die Verbindung existiert nur noch als Busverbindung. Und auf 11 Stunden Busfahren habe ich keine rechte Lust.

Also Plan B: Wenn ich von Sapa zurueck nach Hanoi fahre, dann kann ich von dort einen Zug nehmen, der mich ueber Nacht direkt ueber die Grenze in Lang Son nach Nanning in China bringt. Das waere auch kein solcher Umweg, wie die Strecke ueber Kunming. Von dort haette ich naemlich auch nach Nanning gemusst, was nochmal 10 Stunden gedauert haette. (Wer sich das mal auf einer Karte ansieht, erkennt den Riesen-Umweg!) Von Nanning wiederum gibt es eine Zugverbindung nach Guangzhou/Kanton, die ebenfalls etwa 10 Stunden dauert. Und von dort letztlich faehrt ein dritter Zug in eindreiviertel Stunden bis direkt nach Hong Kong rein. Klingt umstaendlich, ist es vermutlich auch. Aber irgendwie klingt es auch sehr abenteuerlich und damit sehr interessant und genau nach meinem Geschmack!

Aaaber... ja, es gibt leider ein Aber. Ich hab keine Ahnung, inwieweit das in den deutschen Medien verbreitet wurde - auf sueddeutsche.de hab ich jedenfalls nix darueber gelesen -, aber in den letzten Wochen wurde der Suedosten Chinas von schweren Unwettern heimgesucht, die mehrere Todesopfer gefordert haben, und weite Landstriche samt dortiger Infrastruktur verwuestet haben. Und das ist unguenstigerweise genau die Gegend, die ich auf dem oben skizzierten Weg passieren muesste . Am 12. Juni hab ich in einem Bericht von CCTV gelesen, dass einige Zugstrecken nach Guangzhou ausser Betrieb sind, weil die Gleise unterspuelt worden waren (weitere Artikel finden sich beispielsweise hier vom 11., oder hier vom 15. Juni). Da war fuer mich dann endgueltig klar, dass mir das zu riskant ist, durch China zu fahren. Nicht so sehr weil ich Sorgen hatte, dass es gefaehrlich sein koennte, sonder eher aufgrund der Unvorhersehbarkeit dessen, was mich da erwarten wuerde. Und ich hab keine Lust, am 3. Juli immernoch irgendwo in China festzusitzen, und meinen Flug ein weiteres Mal umbuchen zu muessen.

Also hab ich beschlossen, doch zu fliegen, obwohl ich damit von meinem urspruenglichen Vorhaben, soweit irgend moeglich nur auf dem Landweg zu reisen, leider Abschied nehmen musste. Dummerweise hatte ich mein Visum fuer China schon bei meiner Ankunft in Hanoi in Auftrag gegeben (und bezahlt!), weil das fuenf Werktage dauert. Das werde ich jetzt vermutlich gar nicht brauchen. Es gibt im Prinzip zwei Moeglichkeiten: Einen Direktflug von Vietnam Airlines von Hanoi nach Hong Kong, der mich 300 Dollar kosten wuerde, oder den Gebrauch von Billig-Airlines. Nach intensiven Internet-Recherchen hab ich rausgefunden, dass es im Wesentlichen drei Verbindungen gibt, die fuer mich in Frage kaemen: Mit Tiger Airways ueber Singapur nach Hong Kong, oder mit AirAsia ueber Bangkok oder Kuala Lumpur nach Macau, von wo ich mit einer Faehre ratz-fatz in Hong Kong bin. Praktisch ist, dass ich fuer keine der genannten Stationen (SIN, BKK, KUL, MFM) ein Visum braeuchte. Preislich liegen die Alternativen zwischen 130 und 180 EUR.

Ich habe mich jetzt letzten Endes fuer die Variante ueber Bangkok entschieden, weil dort die Abflug- und Ankunftszeiten am angenehmsten sind, und ich so noch einen "One-Night-Stand" in Bangkok unterbringen kann. Da kenn' ich mich wenigstens aus, und kann realistisch einschaetzen, wie weit es vom Flughafen in die Stadt und zurueck ist. Singapur waere interessant gewesen, wenn ich im Flughafen haette uebernachten koennen, aber die Billigflieger werden leider in einem separaten Terminal abgefertigt, so dass ich nicht in das geniale neue Terminal mit all den Annehmlichkeiten haette gehen koennen. Hier die Flugdaten:

210607 1420 HAN FD3703 BKK 1600 210607
220607 1720 BKK FD3606 MFM 2105 220607


In Macau ist es allerdings schon eine Stunde spaeter, der Flug dauert also nicht wirklich so lange. Bin mal gespannt, was AirAsia so zu bieten hat, viel erwarte ich nicht. Ist uebrigens die erste "no frills" Billig-Airline Asiens. Ob ich von Macau gleich weiter nach Hong Kong fahre, oder eine Nacht dort bleibe, und erst am naechsten Tag uebersetze, werde ich vermutlich nach Tagesform entscheiden. Ich freu' mich auf jeden Fall schon, auf dem "Seeweg" in Hong Kong anzukommen, was mit Sicherheit ein Leckerbissen wird. Sollte ich direkt vom Flugzeug weiterfahren, wuerde ich sogar im Dunklen einlaufen, was optisch bestimmt nochmal eins draufsetzt. Dafuer wuerde ich dann wohl keinen Einreisestempel fuer Macau bekommen, weil es dort die Moeglichkeit einer Express-Abfertigung ("Express Link") gibt, mittels derer man direkt vom Flughafen per Bus an den Faehrhafen kommen kann, ohne an der Immigration anstehen zu muessen... Macau hat seine Rolle als Transitflughafen und Alternativ-Einreisepunkt nach Hong Kong offenbar klaglos akzeptiert!

Von der Insel in die Berge - 2. Etappe

Wahrlich, es ist vollbracht! Der 24-Stunden-Trip war zwar letztenendes ein 24,5-Stunden-Trip, aber angesichts der zurueckgelegten Distanz geht das meiner Meinung nach in Ordnung. Im Prinzip war die zweite und letzte Etappe ein echtes Kinderspiel: Nach dem Kino und einem anschliessenden gesunden und naehrstoffreichen Abendessen bei Ga Ran Kentucky bin ich zurueck zu meinem Gepaeck, beziehungsweise praezise gesagt zu einem Internetcafe gleich nebenan, und hab dort die Zeit bis um 21 Uhr totgeschlagen. Dann eine kurze Motorradtaxi-Fahrt zum richtigen Bahnhof (Hanoi hat vier! Der richtige fuer die Zuege nach Lao Cai/Sapa ist Station B, hinter dem eigentlichen Hauptbahnhof), den richtigen Wagen gesucht und ab ins Bett.

An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Tipp fuer alle Vietnam-Nachtzug-Reisenden: Auf dem Ticket ist immer die Nummer des Wagens, die Nummer der Kabine, das Level des Bettes (unten, mitte, oben) und die Nummer des Bettes vermerkt. Bei mir hat allerdings bisher kein einziges Mal (vier Versuche!) die Nummer der Kabine mit der Kabine uebereingestimmt, in der sich das angegebene Bett tatsaechlich befindet. Daher mein Tipp: Die (an sich redundante, da die Betten pro Wagen fortlaufend nummeriert sind) Kabinennummer hoeflichst ignorieren, und nur nach Wagennummer und Bett richten!

Zurueck zur Gegenwart: Am Bahnof in Lao Cai warten bei Ankunft des Zuges geschaetzte 100 Minibusse auf Passagiere nach Sapa. Zunaechst wird das Herdenvieh (Tour-Teilnehmer) auf die Autos verteilt, die dann mit Individualisten wie mir aufgefuellt werden. "Voll" sind die Autos, das sollte in diesem Zusammenhang vielleicht kurz erwaehnt werden, wenn alle Sitzplaetze besetzt sind - und zwar mit nur einer Person! Ungewoehnlich, aber sehr komfortabel. So geht es dann eine knappe Stunde eine Serpentinen-reiche Strasse die Berge hoch, 33 Kilometer bis Sapa. Wie lange die Fahrt im Endeffekt tatsaechlich dauert, haengt vor allem vom Fahrstil des Fahrers ab - unserer war eher von der gemuetlichen Sorte. Soll heissen: Ueberwiegend sind wir im Schritttempo im oberen Drehzahlbereich des zweiten Ganges die Strasse hochgezuckelt. Dabei wurden wir natuerlich von diversen anderen Bussen ueberholt, und zwar auf bekannt halsbrecherisch-vietnamesische Weise. Gegenverkehr? Wird schon bremsen, der faehrt schliesslich bergab! Kurve? Egal, wird schon keiner kommen - ausserdem hup' ich ja! Nun ja, zart Besaitete richten ihre Aufmerksamkeit vom Verkehrsgeschehen lieber auf die wirklich atemberaubende Landschaft draussen.

Sofern man dort was sieht: Momentan haengen wir mitten in den Wolken (oder die Wolken in uns), und man sieht nicht wirklich viel... Das passiert hier wohl oefters, was man so liest und hoert. Hat aber durchaus seinen Reiz! Ich hoffe trotzdem, in den naechsten drei Tagen, die ich hier verbringen werde, mal den ein oder anderen Blick auf die Landschaft spendiert zu bekommen.

17 Juni 2007

Von der Insel in die Berge - 1. Etappe

Plan B hat tatsaechlich funktioniert: Um halb sechs aufgestanden, um sieben an Bord der lokalen Shuttle-Nussschale (s.u.) gegangen, drei Stunden Ueberfahrt hinter mich gebracht (trotz teils heftigem Seegang ueberraschenderweise sogar ohne seekrank zu werden!), Motoradtaxi gefunden und auf realistischen Preis runtergehandelt, Pass im Hotel abgeholt, kurzen Freudentanz vollfuehrt, Taxler ein weiteres Mal in Anspruch genommen um zur Bushaltestelle zu kommen, unterwegs dorthin stattdessen einen Bus auf dem Highway rangewunken, gemeinsam mit etwa dreissig anderen Fahrgaesten in einem Minibus (ich als einzige Langnase) in gut dreieinhalb Stunden halsbrecherischer Fahrt nach Hanoi gekommen (es hat wieder keine/r gekotzt!), Rucksack in meinem alten Hotel deponiert und erstmal zum Entspannen auf einen Kaffee und ins Kino gegangen.

So weit die erste Etappe meines 24-Stunden-Trips von Cat Ba (der Insel) nach Sapa (in den Bergen). Mein Nachtzug geht in zweieinhalb Stunden. Fortsetzung folgt...

16 Juni 2007

Einmal Halong-Bucht - und zurueck...

Die Halong-Bucht ist ja eine der Sehenswuerdigkeiten in Vietnam, von der so ziemlich jede/r schonmal gehoert oder ein Bild gesehen hat. Da muss ich natuerlich auch hin, klar! Eigentlich liegt die Bucht auch recht nahe an Hanoi, trotzdem ist es halbwegs kompliziert, da hin zu kommen. Ausser natuerlich man schliesst sich einer Tourgruppe an, aber auf Tour(i)gruppen hab ich irgendwie keine Lust. Also hab ich mich im Lonely Planet, der in dieser Hinsicht eher versagt hat, und im Internet kundig gemacht, wie man das als Individualreisender wohl am Kluegsten anstellt, und wo die Stolperfallen lauern.

Also hab ich mich gestern Mittag in Hanoi ans Gia Lam-Busterminal bringen lassen, von wo die Ueberlandbusse in Richtung Osten starten, also auch die nach Halong. Statt der angekuendigten dreieinhalb Stunden hat die Fahrt dann doch gute viereinhalb gedauert. An sich nicht weiter wild, ich hatte ausreichend Platz weil kaum was los war, in unserem Bus hat niemand gekotzt, und die Musik war auch halbwegs OK. Das einzig Laestige waren die "lustigen" Busbegleiter (analog zum Flugbegleiter?), die mich in einer Tour genervt haben - der eine hat dann irgendwann angefangen, an mir rumzufingern. Da bin ich mal kurz ein bisschen sauer geworden, dann war Ruhe im Karton. Nachdem ich vorher schon beobachtet hatte, wie er einem mitfahrenden Maedel vor dem Aussteigen eine Tuete geklaut hat, war ich danach allerdings ein wenig in Sorge, ob ich denn nun jemals an der Bushaltestelle in Halong-Stadt (Bai Chay) rausgelassen wuerde, oder ob die "aus Versehen" ueberfahren wird... Hat aber zum Glueck ganz gut geklappt, auch wenn sie mich irgendwo in der Pampa rausgelassen haben. Zum Glueck (wohl eher kein Zufall) standen da aber ein paar Motoradtaxler rum, und sauer wie ich war, hab ich den einen gleich mal hoeflichst um ueber die Haelfte seines vorgeschlagenen Preises runtergehandelt: 20.000 Dong statt 50.000. Geht doch!

Dann ging's zum Hotel, wo mich mein Verhandlungsgeschick ein weiteres Mal nicht im Stich liess: Statt der vorgeschlagenen 15 Dollar hab ich letztenendes nur 8 Dollar fuer ein wirklich gutes, grosses und sauberes Zimmer bezahlt. Mit Warmwasser, Sat-TV (allerdings nur ein nicht-vietnamesischer Kanal) und Balkon mit Blick ueber die Halong-Bucht. Ausgezeichnet!

Zum Abendessen hab ich mich dann fuer ein Etablissement mit dem bedeutungsschwangeren Namen "Asia Restaurant" entschieden - eine Empfehlung aus dem Lonely Planet. Dort hiess es, der Besitzer habe laengere Zeit ein Restaurant in (Ost-)Berlin gefuehrt, und spreche ausgezeichnetes Deutsch, das Essen sei auch OK. Letzteres kann ich bestaetigen, auch wenn ich zunaechst was anderes bekommen hatte als bestellt, ersteres dagegen weniger. Bis auf ein paar Brocken war da nicht viel an Deutsch rauszuhoeren... Trotzdem hab ich mich am naechsten Morgen entschieden, dort auch zu fruehstuecken, weil man in meinem Hotel leider nicht wusste, was "jam" ist, und ich irgendwie keine Lust auf trockenes Baguette zum Fruehstueck hatte - und auf pho hatte ich heute auch keinen Appetit...

Dann ging's per Abholdienst zum Touristendock, wo die ganzen Boote warten, die Leute wie mich durch die Bucht schippern. Das Ticket dafuer hatte ich tags zuvor von einem Typ gekauft, der ploetzlich in der Hotellobby beim Einchecken neben mir stand und mich fragte, ob ich denn nicht fuer morgen ein Ticket brauche? Brauche ich! Und der Preis schien mir auch OK zu sein - immerhin korrespondierte er mit dem mir aus dem Internet bekannten offiziellen Ticketpreis. Und der Transport zum Dock sollte in den 100.000 Dong auch schon inkludiert sein, drum schien mir das ein ganz guter Deal zu sein. War es auch, jedenfalls habe ich keinerlei Probleme oder Belaestigungen zu verzeichnen. Allerdings musste ich am Dock noch fuer 30.000 Dong das Ticket kaufen, das mir den Eintritt in eine der Hoehlen in der Bucht gestattet - aber das wusste ich vorher, war also auch OK.

Auf dem Boot waren dann erstmal nur zwei Englaender und ich. Und dann haben wir gewartet. Und gewartet. Nachdem wir noch ein bisschen mehr gewartet hatten, kam eine Gruppe, die wohl gerade per Bus aus Hanoi angekommen war. Bis die sich dann auf den Stuehlen platziert hatten, war noch eine weitere Gruppe angekommen. Die mir versprochene Anzahl von "maximal 20 Personen an Bord" war zwar schon mit Ankunft der ersten Gruppe weit ueberschritten, aber da trotzdem genug Platz war, hat mich das nicht weiter gestoert. Zumal ich damit gerechnet hatte, dass das Boot voller werden wuerde, weil ich in besagten Internetberichten darueber verschiedenste Horrorstories ueber total ueberfuellte Boote und dergleichen gelesen hatte. Bei uns war aber noch alles im Lot.

Im Gegensatz zu den ganzen Tour-isten hab ich natuerlich kein Essen an Bord bekommen, was ich aber nicht weiter wild fand, als ich es gesehen hab. Da ich auch das schon vorher wusste, hatte ich mich an Land noch mit Wasser, Baguette und Keksen versorgt, hab mir dann an Bord eine ziemlich ueberteuerte Cola fuer 10.000 Dong gekauft, und mich auf's Sonnendeck verkruemelt, das ich so wenigstens erstmal fuer mich ganz alleine hatte. Nach ihrem Lunch kamen dann so langsam auch die anderen Mitfahrer nach oben, und wir hatten eine ganz nette Bootspartie. Hab mich unter anderem laenger mit einem Paerchen aus Holland, einem Brasilianer und drei Koreanern unterhalten.

Unterwegs haben wir auch Halt an einer recht beeindruckenden Hoehle gemacht: Hang Thien Cung. Welche Hoehle man im Verlauf einer Halong-Tour besucht, kann man sich uebrigens nicht aussuchen, es kommt immer drauf an, wie viele Boote gerade an der einen oder anderen sind - es duerfen naemlich immer nur eine bestimmte Anzahl von Booten in einer bestimmten Region der Bucht sein. Wie gesagt, die Hoehle war sehr beeindruckend, einfach durch ihre schiere Groesse und Gestalt. Was allerdings ein bisschen nervig war, war die bunte Beleuchtung, die die Vietnamesen da installiert haben, die das Ganze mehr ein bisschen wie Disneyland rueberkommen laesst. Wir haben spaeter auf dem Boot gemutmasst, wann denn wohl der erste Karaoke-Schuppen in der Hoehle aufmacht - wundern wuerde es mich nicht!

Ja, jetzt inzwischen sitze ich hier auf Cat Ba Island. Der Plan sieht vor, dass ich morgen mit dem Schnellboot nach Haiphong fahren werde, um von dort per Zug nach Hanoi zurueckzukommen. Dort wartet dann um 21.55 Uhr mein Nachtzug auf mich, der mich hoffentlich nach Sapa bringen wird. Beziehungsweise praezise bringt er mich nur bis Lao Cai, von dort geht's per Minibus hoch nach Sapa. So weit der Plan. Den hab ich mir aber selber verbaut, als ich heute frueh beim Auschecken in Halong-Stadt vergessen hab, mir meinen Ausweis zurueckgeben zu lassen! Den muss man in Vietnam naemlich immer beim Einchecken an der Rezeption abgeben, damit die einen bei der oertlichen Polizeistation melden koennen. Bisher war das fuer mich bei der Abreise immer eine Einheit: Zimmer bezahlen, Ausweis bekommen. Nur heut frueh hat das irgendwie nicht hingehauen. Ist mir aber leider erst vorhin beim Einchecken hier auf Cat Ba-Island aufgefallen. Naja, immerhin hab ich ihn nicht verloren, sondern bin mir ziemlich sicher, dass er dort im Hotel liegt. Dumm nur, dass das meinen Plan komplett auf den Kopf stellt, weil ich jetzt morgen per Boot zurueck nach Halong-Stadt muss. Und von dort gibt es leider auch keine Zugverbindung nach Hanoi, so dass ich wieder Bus fahren muss, was ich ja nicht so besonders mag - jedenfalls nicht, wenn ich stattdessen Zug fahren kann. Egal, Hauptsache ich bin bis abends wieder in Hanoi, mein Zugticket hab ich naemlich schon gekauft, bevor ich aus Hanoi abgehauen bin. Aber das sollte machbar sein. Dumm nur dass ich dadurch morgen extrem frueh raus muss: Das Boot faehrt schon um 7.00 Uhr... Aber Strafe muss sein!

14 Juni 2007

Stadt in einer Flussbiegung

Seit mittlerweile vier Tagen bin ich nun in der wohl schwaebischsten aller asiatischen Hauptstaedte: Hanoi. Und dieser Name bedeutet tatsaechlich nichts anderes als "Stadt in einer Flussbiegung"! Besonders kreativ waren die Vietnamesen (und ihre Vorgaenger) noch nie, als sie sich Namen fuer diese Stadt ausgesucht haben: Wie waere es mit Dong Kinh - "Oestliche Hauptstadt" (OK, so heisst Tokio bis heute...) oder Thang Long - "Stadt des sich erhebenden Drachens"... Man mutmasst uebrigens, dass aus "Dong Kinh" irgendwann durch diverse Lautverschiebungen und die uebliche Buschstabenschacherei infolge mangelnder verbindlicher Transkriptionsregeln "Tonkin" wurde, ein Begriff, der bis heute weiterlebt, beispielsweise im Golf von Tonkin.

Nachdem ich ja von Ho-Chi-Minh-Stadt nur bedingt begeistert war, hatte ich recht hohe Erwartungen in die Hauptstadt gesteckt. Und, was soll ich sagen, sie wurden weder erfuellt noch enttaeuscht - die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Hanoi ist schon eine coole Stadt, vor allem das quirlige Old Quarter gefaellt mir richtig gut, aber so 100%-ig verliebt bin ich nicht. Schoen ist auf jeden Fall, dass Hanoi meines Erachtens fusslaeufig ganz gut zu erschliessen ist, jedenfalls was die touristisch relevanten Teile angeht.

Nun, was hab ich bisher gesehen? Viele, viele Strassen und Gassen im Old Quarter, mit all den interessanten Geschaeften und Handwerksbetrieben, natuerlich den Hoan Kiem-See mit Ngo Soc-Tempel und der bekannten roten Bruecke, den einbalsamierten Ho-Chi-Minh in seinem Mausoleum, sein ehemaliges Zuhause, das Ho-Chi-Minh-Museum, den wirklich schoenen Van Mieu-"Tempel der Literatur" (quasi die erste vietnamesische Uni, gegruendet 1070 AD), die Hanoi-Towers, ein recht modernes Shopping-Center und viel lebhaftes Treiben der Hanoiten zwischendrin.

Heute abend hab ich mal die Puppen tanzen lassen - und zwar im Wasser! Nein, keine versaute Pool-Party, sondern vietnamesisches Wasserpuppen-Theater. Eine sehr eigenwillige Kunstform, die mir persoenlich aber richtig gut gefallen hat - und dem Rest des Publikums auch, wenn ich die frenetischen Reaktionen nicht fehlinterpretiere. Kann ich auf jeden Fall absolut empfehlen: Wer auch immer einen Tag beziehungsweise einen Abend in Hanoi verbringt, sollte diese 40.000 Dong investieren, es lohnt sich! Ansonsten besteht mein Kulturprogramm hier ueberwiegend aus dem Fernseher, den ich bis gestern in meinem Hotelzimmer hatte (bin heute umgezogen), und der mir beim Einschlafen geholfen hat, und aus einem Kino-Besuch, der nach gut sechs Wochen Leinwand-Entzug einfach sein musste. Wenn Esskultur auch gilt, bin ich aber ganz gut unterwegs. Wie bisher ueblich habe ich auch hier in Hanoi versucht, die jeweils lokalen Spezialitaeten auf den Teller zu bekommen: Speziell waeren da nem ran (vietnamesische Fluehlingsloellchen) und cha ca (Fisch, der am Tisch mit viel Gemuese in einer leckeren Sosse gebraten/gekocht wird) zu nennen. Pho (vietnamesische Nudelsuppe) stand zwar seit meiner Ankunft in der Sozialistischen Republik schon oefters auf dem Speiseplan, allerdings gibt es wohl in Hanoi eine besondere Variante, die ich mir morgen goennen werde. Und dann waere da noch die Frage, ob ich mich an thit cho wage, oder nicht...

Ja, morgen! Morgen geht es raus aus Hanoi, Richtung Osten ans Meer: Halong-Bucht, ich komme!!

Ninh Binh

Tja, was soll ich sagen, in meinem unaufhaltsamen Drang nach Norden ging's von Dong Ha weiter nach Ninh Binh. Das ist ein kleiner Ort, etwa 90 Kilometer suedlich der Hauptstadt, in dem es, wie schon in Dong Ha, eigentlich nichts zu sehen gibt. Aber genau wie Dong Ha kann Ninh Binh als Basis fuer einige sehr schoene Tagesausfluege herhalten - und genau die hab ich auch gemacht. Nach meiner Ankunft im Nachtzug hab ich mir erstmal wieder einen Tag Pause gegoennt, dann waren eine Tagestour nach Tam Coc, Hoa Lu und Kenh Ga und eine Tagestour in den Cuc Phuong Nationalpark angesagt. Danach sollte es eigentlich weiter Richtung Norden gehen. Sollte...

Tam Coc wird auch "Die trockene Halong-Bucht" genannt, und das nicht ohne Grund: Da sieht's tatsaechlich aus, wie in der Halong-Bucht, jedenfalls soweit ich das nach Fotos beurteilen kann - die echte Bucht hab ich ja noch nicht gesehen. Einziger Unterschied ist, dass die Kalksteinfelsen hier nicht im Meer stehen, sondern inmitten von Reisfeldern. Die Touristen (also auch ich), werden mit Booten den Fluss Ngo Dong entlang gerudert, witzigerweise rudern die ... naja, Ruderer teilweise mit den Fuessen statt mit den Haenden - sieht sehr interessant und irgendwie auch sehr entspannt aus! Nach knapp zwei Stunden in doch recht touristisiertem Umfeld hat mich mein Fahrer auf eine kleine Tour durch's Hinterland genommen, was absolut sehenswert war! Wenn auch aufgrund der "Strassen"-Verhaeltnisse nicht gerade angenehm fuer Ross und Reiter. Aber das Beste: Keine Busladungen!! Sehr gut.

Hoa Lu war vor sehr sehr langer Zeit (968-980 AD) mal Hauptstadt Vietnams, heute sind ort noch zwei Tempel (nett aber unspektakulaer) und eine Grabstaette zu sehen. Letztere ist an sich auch eher unspektakulaer, belohnt den fleissigen Individualtouristen (das Busladungs-Herdenvieh musste sich mit den Tempeln im Erdgeschoss begnuegen) aber nach einem mittel-anstrengenden Aufstieg mit einer bombastischen Aussicht ueber die beeindruckende Landschaft. Sehr gut.

Kenh Ga schliesslich (erreicht auch wieder ueber Schleichwege durch's vietnamesische Hinterland) wird unter dem Namen "Floating Village" gehandelt. Von einem schwimmenden Dorf hab ich dort allerdings nicht allzuviel gesehen. Die meisten Leute, denen wir auf unserer knapp zweistuendigen Bootsfahrt begegnet sind, leben in normalen Haeusern am Ufer und arbeiten mehr oder weniger nur auf dem Wasser. Und zwar entweder als Fischer, oder als Fischzuechter - solche schwimmenden Fischfarmen hatte ich ja im Mekong-Delta schonmal gesehen - oder einfach nur so als Bootsfuehrer, die ueberwiegend Steine von A nach B schippern. Obwohl ich mir das also komplett anders vorgestellt hatte, war ich absolyt begeistert von der Szenerie rundum. Bevor's losging musste ich allerdings erstmal eine halbe Stunde warten, weil ich der einzige war, der gerade eine Bootstour machen wollte. Und dafuer wollte der Ticket-Heine statt der normalen 40.000 Dong gleich mal das Doppelte: 80.000! Noe, hab ich ihm gesagt, da warten wir mal ab... Im Endeffekt waren wir zu zweit, und nachdem der Kapitaen aus seinem Nachmittags-Nickerchen geweckt und telefonisch herbeigerufen ward, ging's auch schon los. Witzigerweise war mein Mitfahrer auch ein kleiner Hobby-Fotograf, so dass sich die weniger interessanten Passagen der Fahrt mit ein wenig Fachsimpelei gut ueberbruecken liessen. Nette Beobachtung am Rande: Mindestens zwei Motive sind ihm entgangen, weil er da gerade Film wechseln musste... Ja, analoge und digitale Fotografie haben beide ihre Vor- und Nachteile...

Wie gesagt ging's am naechsten Tag dann in den Cuc Phuong Nationalpark - 1963 bei seiner Gruendung Vietnams erster. Im Nationalpark gibt es neben richtig schoener und naturbelassener Natur auch eine Rettungsstation fuer bedrohte (vom Menschen und vom Aussterben) Primaten: Das Endangered Primate Rescue Center. Und wer hat's erfunden? Nicht die Schweizer, sondern diesmal die Deutschen. Das Zentrum ist ein Projekt der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, das 1995 ins Leben gerufen wurde und seither stetig waechst. Danach (und nach einem abenteuerlichen Mittagessen) hab ich mich auf eine kleine Dschungeltour begeben: gut 7km und eineinhalb Stunden (statt der avisierten zwei) spaeter war ich ziemlich im Arsch und ziemlich sauer. Und zwar auf die Vietnamesen, die sich auf der Strecke tummeln. Die haben sich aufgefuehrt wie eine fuenfte Klasse beim Wandertag. Laut schreiend und sich unterhaltend laufen sie durch den Urwald, teilweise begleitet vom Vietpop-Gedudel aus ihrem Handy. Wahrscheinlich wollen sie gar keine Tiere sehen - das war allerdings eines der "Features" dieser Wanderung, auf die ich mich ganz speziell gefreut hatte. Ich weiss nicht, ob sie sich dessen nicht bewusst waren, dass sie mit dem Laerm saemtliche Tiere verscheuchen (und andere Leute nerven), oder ob es ihnen einfach egal war? Naja, ich hab versucht, mich halbwegs von ihnen fernzuhalten, und hab auch prompt die eine oder andere Begegnung zu verbuchen. Einmal hab ich sogar ein paar Affen durch die Aeste fliegen sehen - aber das war einige Stockwerke ueber mir und dauerte auch nur ein paar Sekundenbruchteile. Immerhin!

Das dicke Ende des Tages kam aber noch: Ich hatte schon beim Einchecken und Planen der Touren den Typen im Hotel informiert, dass ich am Abend nach der zweiten Tour mit dem Zug weiter in die Hauptstadt fahren will. "Jaja, kein Problem. Da brauchst du kein Ticket vorher zu kaufen - du gehst einfach eine halbe Stunde vor Abfahrt zum Bahnhof und holst dir ein Ticket!" Klang prinzipiell nicht schlecht, und auf ein besonders gutes Ticket (weicher Sitz!) kam es mir bei der Strecke und einer Fahrtzeit von gut zweieinhalb Stunden auch nicht an. Aber was steht in jedem Traveller-Handbuch: Traue nie einem vietnamesischen Hotelbesitzer, wenn er dir eine Zug-Auskunft gibt! Haette ich mal lesen und befolgen sollen. Eigentlich war es klar, dass es kein Ticket mehr gab, als ich am Spaetnachmittag nach unserer Rueckkehr und eineinhalb Stunden vor Abfahrt des Zuges zum Bahnhof geeiert bin. Zu Glueck war der gleich nebenan von meinem Hotel. Nachdem ich mich ein bisschen daneben benommen hab ("Staenkere nie in Asien in der Oeffentlichkeit rum - sowohl du als auch der Angestaenkerte werden ihr Gesicht verlieren, und das ist nicht gut!" - Das steht tatsaechlich in jedem Reisefuehrer!), blieb mir nichts anderes uebrig, als noch eine weitere Nacht in besagtem Hotel zu bleiben und am naechsten Morgen den ersten Zug zu nehmen. Der fuhr bloederweise um 5.42h, was eine recht kurze Nacht bedeutete. Altenativ haette ich auch den um 0.59h nehmen koennen, dann waere ich allerdings mitten in der Nacht angekommen und das waere nur wirklich sehr unpraktisch. So hingegen bin ich puenktlich zur Fruehstueckszeit eingetrudelt. Mit Luong (dem Hotel-Heini) hab ich mich uebrigens wieder vetragen...

13 Juni 2007

Von Schneidern, Koenigsgrabern und Minenfeldern

Ich hatte ja im letzten Artikel versprochen, diesmal was ueber Hoi An zu erzaehlen. Nur irgendwie gibt es ueber Hoi An im Prinzip nicht allzuviel zu erzaehlen. Denn echte Sehenswuerdigkeiten gibt es dort nicht, dafuer ist die Stadt (eher das Staedtchen) an sich definitiv sehenswert. Wem es gelingt, die tausenden und aber-tausenden Klamottenlaeden auszublenden, die durch endloses Rufen und Werben auf sich aufmerksam machen, der findet in Hoi An einen liebreizenden, kleinen Ort mit vielen alten, kleinen Haeusern, die die etwas weniger liebreizenden (weil wie in Vietnam ueblich zumeist ohne Trottoir), dafuer umso kleineren Straesschen saeumen. Nett zum rumschlendern, noch netter zum fotografieren, und sofern Bedarf besteht am allernettesten um sich Klamotten nach Mass und aus selbst ausgewaehlten Stoffen schneidern zu lassen. Nur eben nicht viel, wovon man danach erzaehlen kann...

Ich bin auch nur eine Nacht dort geblieben, am naechsten Tag mit dem oertlichen Bus zurueck nach Danang gefahren, um dort einen Zug nach Hue zu nehmen. Hue hat im Gegensatz zu Hoi An einiges an Sehenswertem zu bieten, dieser Vorteil geht dafuer mit einem erheblichen Mangel an Flair einher - man kann nicht alles haben... Trotzdem bin ich insgesamt zweieinhalb Tage dort geblieben, woebi ich nach meiner Ankunft eigentlich nicht mehr viel gemacht hab, ausser mich im Internet mal wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Am naechsten Tag war dann die Zitadelle Hues dran, ein zu seiner Zeit Ende des 17. Jahrhunderts bestimmt sehr maechtiges Bauwerk, von dem heute dank der erbitterten Kaempfe um die Stadt waehrend des Vietnamkriegs nicht mehr viel uebrig ist - was noch steht ist aber dafuer seit 1993 UNESCO Weltkulturerbe. Und das zu Recht! Am zweiten Tag hab ich mir dann mal wieder ein Radl gemietet, und bin ins Umland von Hue gefahren, wo sich die Graeber, besser gesagt Grabanlagen, der Koenige der Nguyen-Dynastie befinden, die in Hue von 1802-1945 herrschten. Schoene Tour, vertretbare Strecke mit vereinzelten, kleineren Anstiegen, und definitiv den Ausflug wert. Auch wenn die erste Grabstaette, zu der ich gefahren bin, "sehr gut" besucht war, was mir persoenlich die Zeit dort ein wenig vergaellt hat. Busladungen voller Touristen, diesmal keine Koreaner, sondern Vietnamesen. Hinsichtlich der produzierten Lautstaerke nimmt sich das aber nix. Naja, die Gruft von Tu Duc ist trotz alledem definitiv sehenswert. Interessant fand ich, dass der Koenig und seine Frauen dort auch zu Lebzeiten oefter mal zu Gast waren, auf der Suche nach Ruhe und Erholung. So gibt es dort einen kleinen See, auf dem der Koenig Boot fahren konnte, eine noch kleinere Insel, auf der er Tiere jagen konnte (die dort extra zu diesem Zweck ausgesetzt worden waren), einen kleinen Pavillion am Seeufer, auf dem er mit seinen Frauen und Konkubinen Gedichte rezitieren konnte, ein kleines Theater und und und... Die eigentlichen Graeber (dort sind auch seine letzte Frau und ein adoptierter Sohn bestattet) sind dafuer recht klein und unscheinbar am Rand des Gelaendes angesiedelt. Und das Beste: Tu Duc selbst ist dort gar nicht begraben! Sein Grab ist leer, weil er sich dort aus Angst vor Grabraeubern und -schaendern nicht hat begraben lassen wollen. Wo sein Leichnam stattdessen bestattet wurde, ist bis heute unklar, weil alle Personen, die an seiner Beerdigung teilgenommen hatten, unmittelbar danach sicherheitshalber umgebracht wurden.

Im Vergleich zur Grabstaette Tu Ducs war dann an der Gruft von Dong Khanh erheblich weniger los - naemlich gar nix: Geschlossen... Na super! Die dritte, die ich mir anschauen wollte, hab ich dann leider nicht gefunden (gepriesen seien an dieser Stelle wiedermal die Lonely-Planet-"Karten"!), dafuer bin ich so ein bisschen durch die wirklich nette Landschaft geradelt, hab zahlreiche Reisfelder und kleine Doerfer passiert, bis ich schliesslich (mehr oder weniger zufaellig) wieder auf der Strasse gelandet bin, die zurueck nach Hue fuehrte. Ja, man koennte sagen, ich hatte mich verfahren. Aber zum Glueck war ich rechtzeitig wieder zurueck, um meinen Zug nach Dong Ha zu erwischen.

Dong Ha ist ein kleiner Ort nahe der beruehmten DMZ (demilitarized zone, entmilitarisierte Zone) entlang des 17. Breitengrades, die von 1954 bis 1975 Nord- und Suedvietnam voneinander trennte. Und die DMZ war auch der Grund warum ich dort hingefahren bin. Es gibt auch die Moeglichkeit, Tagestouren von Hue aus zu machen, aber irgendwie gefiel mir der Gedanke nicht, einen Grossteil dieser Tour im Bus von Hue nach Dong Ha und zurueck zu verbringen, zumal die Rueckfahrt auch insofern etwas hirnrissig waere, da ich ohnehin weiter in Richtung Norden reisen wollte. Nicht zuletzt aufgrund eines Tipps im Lonely Planet, dass es in Dong Ha ein paar suedvietnamesische Veteranen gibt, die Touren in die DMZ anbieten, und auch ein kleines Guesthouse (das "DMZ-Cafe") fuehren, hab ich mich fuer diese Variante entschieden.

Ich war der einzige Gast, was mir schon am Abend meiner Ankunft, also dem Vorabend der Tour, eine sehr persoenliche Betreuung hat zukommen lassen. War aber sehr nett, vor allem weil ich so schon meinen Guide fuer den naechsten Tag kennenlernen konnte. Die Tour war dann auch wirklich ein Highlight, das ich nur weiterempfehlen kann. Generell ist ein Tourguide unabdingbar, weil viele der "Sehenswuerdigkeiten" so ohne weiteres gar nicht als solche erkennbar sind - meist nur Wiesen oder Lichtungen, vereinzelt mal eine Bunkeranlage, ein paar Bombenkrater oder aenhliches. Umso interessanter war es dann natuerlich, auch die Geschichten zu den Orten zu hoeren, und zwar aus dem Mund von jemandem, der dabei war. Mein Guide war als Uebersetzer fuer die Amerikaner taetig, und sowohl auf der Con Thien Firebase als auch auf der Doc Mieu Base stationiert, die wir beide besucht haben. Ausserdem waren wir noch auf einem Friedhof fuer nordvietnamesische Soldaten (Truong Son), und an der Stelle, an der frueher mal eine Bruecke stand, die eine Zubringerstrasse zum Ho-Chi-Minh-Trail ueber den Fluss Ben Hai gefuehrt hat, und von den Amerikanern zerstoert wurde. Da der Fluss damals wohl recht dicht bewachsen war, und nicht 100%-ig klar war, wo genau die Bruecke war, haben die Amerikaner kurzerhand den gesamten Flusslauf bombardiert, mit dem Ergebnis, dass das Flussbett jetzt mehr oder weniger aus Bombenkratern besteht und dreimal so breit ist, wie urspruenglich. So richtig wohl gefuelt hab ich mich speziell auf dem Gebiet der beiden ehemaligen amerikanisch-suedvietnamesischen Militaerbasen nicht, da diese nach Uebernahme durch die nordvietnamesischen Armee stark vermint worden waren. Trotz intensiver Anstrengungen kann bis heute niemand garantieren, dass die beiden Areale minenfrei sind. Problematisch ist dies vor allem, weil sich dort heute erstens Gummibaum-Plantagen befinden, und zweitens viele Vietnamesen sich durch den Verkauf von Metallschrott ein kleines Zubrot verdienen - Metall aus den dort zahlreich rumliegenden Bomben und Granaten. So kommt es immer wieder zu toedlichen Unfaellen. An einer Stelle steckten ein paar Raeucherstaebchen in der Erde - dort war erst vor wenigen Wochen ein Plantagenarbeiter von einer Mine getoetet worden. Kein gutes Gefuehl, dort rumzulaufen...!

07 Juni 2007

Satz mit "x"

Nach meinem Einstieg in die Thematik "Vietnam-/American War" hatte ich einen Besuch an einem weiteren weltberuehmten Schauplatz geplant: Dem Massaker von My Lai. Das liegt nahe der Stadt Quang Ngai, die wiederum ein Halt des Reunification Express ist, des Zuges von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Hanoi, mit dem ich die knapp 1.700 Kilometer zwischen diesen beiden Staedten zurueckzulegen gedenke.

So hab ich mir das auch alles ganz schoen zurecht geplant, Schlafwagen-Ticket (soft-sleeper) von Nha Trang (s.u.) gekauft und so weiter. Nur leider ist das mit den vietnamesischen Fahrplaenen so eine Sache - es fahren naemlich nicht immer alle Zuege, die da drin stehen. Und so gab es just den Zug nicht, mit dem ich am Nachmittag von Quang Ngai weiter nach Danang fahren wollte. Der einzige, der an diesem Tag noch fuhr, waere schon in knapp zwei Stunden gekommen - definitiv zu kurz, um mir ein xe om (Motorrad-Taxi) zu suchen, der mich da raus faehrt, zweimal die Fahrtzeit und noch ein bisschen Zeit vor Ort. Zumal in Quang Ngai "english not spoken" ist, wie ich schon beim Versuch feststellen musste, mir eine Fruehstuecks-Cola zu kaufen. Also hab ich ein bisschen hin und her ueberlegt: Die zwei Alternative waren My Lai ausfallen zu lassen und gleich (mit besagtem Zug) weiterzufahren, oder ueber Nacht in Quang Ngai zu bleiben und am naechsten Morgen weiterzufahren.

Beide Optionen haben mir nicht wirklich zugesagt, aber ich hab mich dann letztenendes gegen My Lai entschieden, weil es dort erstens vermutlich sowieso nicht viel zu sehen gaebe (ausser einer Wiese und einem Memorial), mir zweitens Quang Ngai irgendwie nicht gefallen hat, und ich drittens keine Ahnung hatte, wie ich den restlichen Tag haette totschlagen sollen - da gibt's ja nix!?!? Also neues Ticket gekauft, Zug nach Danang genommen und von dort per Motorrad nach Hoi An bringen lassen. Aber davon mehr beim naechsten Mal!

Ganz kurz noch ein paar Worte zu Nha Trang: Fuer Liebhaber von Stadtstraenden definitiv eine Reise wert! Fuer mich eher interessant wegen lecker Seafood, super Motiven zum Fotografieren und einer schoenen Radltour entlang der Kueste des Suedchinesischen Meers. Und mein Hotel dort hatte kostenlosen Internetzugang, was endlich meinen Flickr-Fotostream wieder in die Naehe von "up-to-date" gebracht hat...

04 Juni 2007

So viel Wasser...

Ja, Wasser hat in meiner ersten Woche in Vietnam eine grosse Rolle gespielt. Wasser von unten im Mekong-Delta, Wasser von oben - wie schon bekannt - dank Regenzeit.

Das Mekong-Delta ist wirklich eine einmalige Landschaft! Hier dreht sich alles um's Wasser. Gewohnt wird entweder direkt am Wasser, oder sogar auf dem Wasser, sei es in Hausbooten oder einfach ganz normalen Booten. Eine Sonderform stellen wohl die schwimmenden Fischfarmen dar, die im Prinzip aussehen, wie Haeuser, die auf dem Fluss schwimmen, nur dass unterhalb des "Hauses" grosse Metall-Kaefige angebracht sind, in denen die Fische gezuechtet und gehalten werden. So laesst sich das alles ganz praktisch "von zuhause aus" durch Aussparungen im Boden managen - genial! Des Weiteren sind natuerlich auch schwimmende Maerkte eine Besonderheit des Mekong-Deltas. Ich hatte ja in Thailand schon mal einen besucht, der aber sehr auf Touristen zugeschnitten war. Ganz anders die Maerkte in Cai Rang und Phong Dien, suedlich von Can Tho. Hier werden wirklich nur selbst angebaute Lebensmittel aus der unmittelbaren Region angeboten. Und gekauft. Ich habe mir den Luxus einer kleinen Privat-Tour gegoennt, das heisst ich hatte ein kleines Boot fuer mich. Alternativ haette ich mich auch mit 15-20 anderen Touris auf ein Boot quetschen koennen, aber die 5 Dollar, die mich das Ganze so extra gekostet hat, waren glaub' ich ganz gut investiert. So sind wir dann nicht nur richtig durch die besagten schwimmenden Maerkten gerudert (nicht wie die grossen Touri-Boote nur ausserum), sondern sind auch in das unuebersichtliche Netzwerk der kleinen Seitenarme und Kanaele eingetaucht. Dafuer mussten wir allerdings erst mal eine Weile abwarten, bis die Flut genug Wasser gebracht hatte. Trotz Wartens sind wir des Oefteren auf Grund gelaufen beziehungsweise stecken geblieben. Macht aber nix, so hatte ich wenigstens genug Zeit, mir die Umgebung anzuschauen...

Am Nachmittag nach der Bootstour ging's dann mit dem Bus nach Ho-Chi-Minh-Stadt, oftmals auch noch unter dem Namen Saigon bekannt, der heute aber nur noch Namensgeber eines Stadtteils HCMCs ist, des zentralen und fuer Touristen mit am interessantesten "1st District", "1er Quartier" (frz.) oder "1 quon" (vietn.). Da hab ich mich dann auch nierdergelassen, nicht ohne vorher noch eine lustige Diskussion zu fuehren, weil mich die Deppen an der Busstation nicht wie beim Ticketkauf besprochen (und bezahlt!) in besagtes Viertel fahren wollten. Zum Glueck hat sich irgendwann eine der geschaetzt vier Personen HCMCs eingeschaltet, die Englisch sprechen koennen, und dann zwischen mir und dem Taxler (angestellt beim Busunternehmen) gedolmetscht. Ergebnis war, dass ich zwar ins Viertel gefahren wurde, nicht aber dorthin, wo ich eigentlich hin wollte. Was mich natuerlich "ein wenig" genervt hat. Vor allem, weil ich nicht so 100%-ig einen Plan hatte, wo ich grad war, ausserdem jetzt noch ein Motorrad-Taxi zum Hotel meiner Wahl bezahlen durfte und es zu allem Ueberfluss auch noch anfing zu regnen...

Der Regen war dann auch in den folgenden Tagen, an denen ich auf eigene Faust die Stadt Ho Chi Minhs erkundet habe, ein staendiger und absolut verlaesslicher Begleiter. Trotzdem hab ich glaub' ich so ziemlich alles gesehen, was die Stadt an Sehenswuerdigkeiten zu bieten hat. Beeindruckt hat mich der Reunification Palace, Schauplatz einiger der bedeutsamsten Ereignisse der neueren vietnamesischen Geschichte. Zuletzt am 30. April 1975, als Panzer der nordvietnamesischen "Befreiungsarmee" durch das Tor brachen, was die Aufgabe Suedvietnams und damit das Ende des Buergerkriegs ("Vietnamkrieg") bedeutete, und im November des selben Jahres, als hier die Wiedervereinigung Nord- und Suedvietnams beschlossen wurde - daher auch der Name des Gebaeudes, der im Laufe seiner Geschichte mehrfach geaendert worden war. Beeindruckend, wenn auch auf andere Art und Weise ist auch das "War Remnants Museum", das frueher den Namen "Museum of Chinese and American War Crimes" trug, dann aber aus Ruecksicht auf die auslaendischen Touristen umbenannt wurde. Die Ausstellung spricht trotzdem nach wie vor eine recht eindeutige (i.e. einseitige) Sprache. Wie umschreibt Wikipedia das so treffend: "the museum does not attempt to be politically balanced". Warum auch? Wenn ich da an die Vietnam-Abteilung im National Museum of American History in Washington D.C. zurueckdenke... Wenn man davon aber mal absieht, findet der Besucher hier trotzdem eine beeindruckende Sammlung an Fakten, Geschichten und Dokumenten ueber den Vietnamkrieg, der in Vietnam uebrigens "American War" heisst - nachvollziehbar. Am laengsten habe ich persoenlich mich in dem Teil der Ausstellung aufgehalten, der Aufnahmen von im Laufe der Kriegshandlungen getoeteten Kriegsberichterstattern und Foto-Journalisten zeigt, darunter auch einige sehr beruehmte Aufnahmen.

An einem Tag habe ich mir ein cyclo (Fahrrad-Taxi) gemietet, und mich nach und durch Cholon fahren lassen, der "Chinatown" Ho-Chi-Minh-Stadts. Hier leben tatsaechlich ueberwiegend Chinesen oder chinesisch-staemmige Vietnamesen. Das aeussert sich weniger in der Bebauung, die ist hier genauso monoton-haesslich wie im gesamten Rest HCMCs, sondern eher in der Fuelle an Pagoden mit ueberwiegend chinesischem Einfluss, und dem unverwechselbaren Geruch, der von den vielen Geschaeften und Strassenstaenden mit medizinischen Kraeutern und Gewuerzen herruehrt. Optisch wie olfaktorisch ein Erlebnis!

An meinem letzten HCMC-Tag hab ich einen Tagesausflug ins Umland gemacht, indem ich mich einer gefuehrten Tour zu den Tunnels von Cu Chi und dem zentralen Tempel der Cao-Daisten in Tay Ninhangeschlossen hab. Waehrend letzteres eher ein bisschen skurril war (die Religion "Cao Dai" vereint die Lehren von Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Christentum, Islam und verschiedenen vietnamesischen Glaubensrichtungen (weitere Infos bei Wikipedia), war der Besuch in Cu Chi (Tunnelsektion Ben Dinh) durchaus beeindruckend. Auch wenn das schon alles sehr offensichtlich fuer Touristen aufbereitet und "koreanische Busladung"-konform gemacht wurde. Aber ich fand es als Einstieg in die Thematik ganz OK. Die Geschichte der Tunnels ist die, dass die Soldaten der nordvietnamesischen Armee sich hier in unterirdischen Tunnelsystemen verborgen hatten, um dem Bombardement der Vereinigten Staaten zu entgehen. Dummerweise (fuer die Amerikaner) haben diese eines ihrer Lager unmittelbar auf einen Teil des Tunnelsystems errichtet, und sich dann monatelang gewundert, wer denn da dauernd nachts auf sie schiesst und woher?! Als sie es dann irgendwann rausgefunden hatten, konnten sie aber auch nicht allzuviel dagegen tun, da die Tunnels einfach zu eng waren. So wurden damals extra sogenannte "tunnel rats" ausgebildet, die ausreichend kompakt waren - ueberwiegend Suedvietnamesen. Da diese aber (uebrigens genauso wenig, wie die deutschen Schaeferhunde, die zuerst zu diesem Zweck herangezogen worden waren) gegen die Vietcongs keine Chance hatten, die sich natuerlich in ihrem Labyrinth auskannten, und auch wussten, wo welche (toedliche!) Fallen versteckt waren, wechselte man schnell auf eine andere Taktik: Ausbomben! Die Region um Cu Chi war schon zuvor als "free fire zone" deklariert worden, das heisst es durfte ohne weitere Order auf alles geschossen werden, was sich bewegte. Zusaetzlich wurde es nun aber Usus, dass die amerikanischen Bomberpiloten saemtliche Munition, die sie nicht in ihren Missionen abgeworfen hatten, ueber dem Gebiet "entsorgten"... Was das fuer die Region und die Menschen dort bedeutet hat, muss wohl nicht weiter ausgefuehrt werden.

Nochmal zurueck zum Wasser, beziehungsweise zum Regen: An meinem zweiten Tag in Ho-Chi-Minh-Stadt durfte ich ein Unwetter miterleben, dessen Ausmass selbst die Monsun-gewoehnten Vietnamesen und die HCMC-Kanalisation ueberrascht und ueberfordert hat. Es fing an mit dunklen Wolken und dem ueblichen Wind, der dem taeglichen Monsun-Schauer voangeht. Dieser hat sich dann aber recht schnell zu einem ausgewachsenen Sturm gemausert, dessen Boen teilweise armdicke Aeste von den Baeumen gerissen hat. Viel krasser war aber der Regen, der dann dazu eingesetzt hat: Ich habe teilweise wirklich nicht mehr die Gebaeude auf der gegenueberliegenden Strassenseite sehen koennen, weil es so geschuettet hat. Ich hatte mich gluecklicherweise schon zu Beginn des Unwetters, als noch gar nicht absehbar war, was sich da zusammenbraute, in ein gemuetliches Cafe zurueckgezogen und hatte so einen hervorragenden Blick auf das Geschehen draussen.