T(ha)ime to say good bye...
... oder: Jom-rib suah Kambodscha!
Nach 45 Tagen war es allmaehlich an der Zeit, Thailand zu verlassen und ein neues Land kennenzulernen. Also hiess die Devise: Auf in den Osten, ab nach Kambodscha. Da ich keinen gesteigerten Wert auf einen ultra-moerder-langen Reisetag hatte, auf den die 1-Tages-Version Bangkok-Siem Reap hinausgelaufen waere, hab ich mich entschieden, gemuetlich einen Bus am (Nach-)Mittag ab Bangkok nach Aranya Prathet zu nehmen, um dort eine Nacht zu verbringen, und dann am naechsten Morgen ganz in der Frueh ueber die Grenze zu gehen, wenn noch nicht so viel los ist.
Das hat so weit auch ganz gut geklappt, an der Grenze war bei meiner Ankunft noch so gut wie nix los - jedenfalls in Richtung Kambodscha, die Gegenrichtung war gut frequentiert. Ausreise aus Thailand war erwartungsgemaess unproblematisch und eine Sache von 30 Sekunden. Dann Rueber nach Kambodscha und Visum organisieren. Das Formular auszufuellen ist keine grosse Kunst, etwas mehr Geduld erfordert es dann schon, das Visum fuer 20 US-Dollar zu bekommen, anstatt fuer 1.000 Thai-Baht (was erheblich mehr ist!). Mein Beamter hat sich strikt geweigert, und mich darauf verwiesen, dass es nur noch in den Botschaften moeglich sei, mit Dollar zu bezahlen, an der Grenze wuerden nur noch Baht akzeptiert. Ist natuerlich Unsinn! Darauf hab ich ihn dann auch mehrfach freundlich hingewiesen, auch unter Verweis auf das grosse Schild, dass ueber seinem Schalter hing, und das ganz deutlich von 20 Dollar, nicht aber von 1.000 Baht fuer das Touristenvisum spricht. Er hat mich dann erstmal eine Viertelstunde lang ignoriert. Gut, hab ich mir gedacht, schauen wir doch mal, wer laenger warten kann: Du auf weitere Kundschaft (war naemlich alleine da, drum konnte er mich nicht wegschicken) oder ich auf mein mir rechtmaessig fuer 20 Dollar zustehendes Visum. Um's kurz zu machen: Ich hab gewonnen. Und dabei sogar noch seinem Helfershelfer, wo der Ausgang ist, als der mir erklaeren wollte, dass es 100 Baht Bearbeitungsgebuehr kostet, wenn man in Dollar bezahlt. Klar!
Nunja, als ich schliesslich mein Visum hatte, bin ich weiter zum Einreise-Haeuschen, hab dort die gleichen Angaben nochmal in ein anderes Formular gemacht, wurde kurz fotografiert (nihct dass ich mit dem Visumsantrag schon ein Passfoto abgegeben haette...) und hab kurz darauf ohne jegliche Geldforderungen (!!) meinen Einreisestempel bekommen. Jetzt darf ich mich also vier Wochen in Kambodscha aufhalten.
Dann aber ging das eigentliche Abenteuer des Tages los: Der Weg von Poi Pet nach Siem Reap. Das sind eigentlich nur ca. 140 km, aber dank der Machenschaften der kambodschanischen "Taxi-Mafia", die den Preis fuer diese Fahrt auf voellig ueberzogene und unverschaemte 60-80 US-Dollar hochgetrieben hat, und dem Zustand der Strassen ist das echt ein groesseres Vorhaben. Von letzterem konnte ich mich gleich vor Ort in Poi Pet ueberzeugen, denn hier stand der Matsch zentimeterhoch. Generell hat mich Poi Pet ganz schoen schockiert. Ich hab ja wirklich mit allem gerechnet, und mir nach dem Lesen diverser Artikel und Reiseberichte auch schon die wildesten Bilder im Kopf ausgemalt, aber was ich dort gesehen habe, ist echt mit Abstand das abgrundtief erbaermlichste und armseligste, was ich je gesehen hab, und liegt weit jenseits meiner Vorstellungskraft. Solche Bilder kenne ich sonst nur von Reportagen aus Kriegs- oder Krisengebieten, aber dort sieht es verdammt nochmal immer so aus! Absolut unvorstellbar. Und ich habe auch noch nie so viel Armut so offensichtlich und in so unvorstellbar gorssem und schlimmem Ausmass gesehen. Das sind Bilder, die bleiben...
Ab Poi Pet wollte ich eigentlich mit einem Pickup nach Sisophon und dann mit einem anderen weiter nach Siem Reap. Nachdem ich recht schnell einen Motodop-Fahrer gefunden hatte, der mich weg vom unmittelbaren Grenzuebergang bringt, hat der mich (entgegen meinen Angaben) erstmal zum "Mafia"-Taxistand gebracht. Da hab ich ihn dann zum wiederholten Mal drauf hingewiesen, dass ich einen Pickup will. Daraufhin hat er mich dann zum Glueck gleich zur richtigen Stelle gebracht, wo auch schon ein picke-packe-voller Pickup rumstand. Da wurde ewig rumdiskutiert, bis mir letzlich verkuendet wurde, dass er voll sei. Nach fast einer Stunde rumstehen, mit verschiedenen Leuten "reden", Mafiosi abwimmeln und im Matsch versinken hab ich mich dann ueberreden lassen, den Vordersitz in einem Non-Mafia-Taxi fuer 300 Baht bis Sisophon zu kaufen. Natuerlich sollte ich vor Reisebeginn zahlen, was ich aber natuerlich nicht gemacht hab. Ich hatte den sitz dann tatsaechlich fuer mich, mein grosser Rucksack war im Kofferraum (riecht jetzt ein bisschen nach Jackfruit). mein kleiner bei mir, und hinten auf der Ruecksitzbank waren weitere fuenf Leut untergebracht.
Ich hatte es also eigentlich recht bequem, allerdings war die Strasse die Hoelle und das Auto absolut nicht dafuer geeignet. Da es schoen die ganze vorige Nacht durchgeregnet hatte, war alles komplett aufgeweicht und die "Strasse" (a.k.a. Schotterpiste, Feldweg, Schlagloch-Sammlung ...) unter knapp 10cm Matsch versteckt... Dazu besagte Schlagloecher, der ein oder andere Steinbrocken, Gegenverkehr aus allen Richtungen - lustig! Aber wenigstens war der Kuebel klimatisiert, die Sonne hat naemlich inzwischen draussen Vollgas gegeben - waehrend wir mit geschaetzten 10-50 km/h vorwaerts gekommen sind - der Tacho ging nur sporadisch.
Naja, nach eineinhalb Stunden waren wir in Sisophon (geschuettelt, nicht geruehrt!), wo das Auto von 20 oder 30 wild durcheinander bruellenden und einander wegschubsenden Maennern umringt wurde, die uns alle (nicht nur mich, aber mich natuerlich am liebsten!) zur Weiterreise mit ihnen ueberreden wollten. Ich hab mich davon aber nicht irritieren lassen, sondern hab meinen Rucksack genommen, den Fahrer bezahlt (7 Dollar, das kommt in etwa hin auf 300 Baht, die ich natuerlich nicht mehr hatte - aber das brauchte der Typ ja nicht vorher zu wissen...), und bin in richtung "Pickups nach Siem Reap"gelaufen. Dort hab ich mir dann den vollsten ausgesucht (wollte ja nicht ewig warten, bis der voll wird...), ein bisschen gehandelt und schliesslich den vordersitz fuer weitere 300 Baht erstanden. Tja, aber mit "Truck ist voll, also koennen wir eigentlich fahren" war's dann trotzdem erstmal nix. Nachdem die Kiste zweimal umgeparkt wurde, standen wir geschlagene zwei Stunden einfach nur rum. Worauf wir (bzw. der Fahrer) gewartet haben, ist mir ein Raetsel: Die Ladeflaeche war schon gesteckt voll, als ich da auftauchte, und auf der Rueckbank sassen nach knapp 30 Minuten auch fuenf Personen (plus ein Baby und diverses Gepaeck natuerlich...)
Nach besagten zwei Stunden ging's dann aber endlich los und die Strasse war auch erstmal ein bisschen besser als die von Poi Pet nach Sisophon. Erstmal... Nur gut, dass wir diesmal einen Pickup hatten, denn der Toyota waere bei der Piste garantiert draufgegangen! Ich hab mir immer nur ueberlegt, was grad hinten auf der Ladeflaeche abgeht, wenn's uns vorne in unseren Sitzen schon so ordentlich durch die Gegend haut! Aaaber, einen hab ich noch: Natuerlich hat's dann irgendwann wieder angefangen zu regnen. Und zwar so richtig Subtropen-Regenzeit-Regen! Land unter! Sowohl was die Strasse angeht, als auch die Leut auf der Ladeflaeche. Obwohl unser Fahrer ihnen eine grosse Plastikplane gegeben hat, was (soweit ich das bei den uns entgegenkommenden Fahrzeugen sehen konnte) wohl sogar ganz praktikabel funktioniert. Bei uns im Auto war's fast trocken, aber die tuerdichtungen waren wohl auch nimmer die Neuesten. Egal, beim Fahrer hat's mehr reingeregnet als bei mir, und das hielt sich echt in Grenzen. Mit all diesen Widrigkeiten hat die reine Fahrtzeit von Sisophon nach Siem Reap dann dreieinhalb Stunden betragen.
Fazit: Meine Beine tun weh, mein Kopf erst recht, ich muss dringend mal duschen und ich bin absolut todmuede. Und ich bin um einige Erfahrungen und Eindruecke reicher, von denen ich nicht behaupten kann, dass ich sie unbedingt mitbekommen wollte - aber jetzt im Nachhinein bin ich dankbar fuer diesen Sprung ins kalte Wasser "Kambodscha". Ich weiss nicht, ob ich diese Tour nochmal machen wuerde, wenn ich wieder mal von Thailand nach Kambodscha wollte. OK, natuerlich kann man das auch einfacher haben, und 60-80 Dollar fuer ein Mafia-Taxi zahlen, das einen klimatisiert und alleine im Auto von Poi Pet bis nach Siem Reap bringt. Aber erstens ist auch das kein Kinderfasching (Preis verhandeln, bist du wirklich alleine im Auto und bleibst es auch ueber die gesamte Strecke?, kommst du zum Guesthouse deiner Wahl oder entscheidet der Fahrer, wo du schlaefst?) und zweitens erspart es einem weder die Grenzformalitaeten (Visum, Einreise) noch die hoellischen Strassenverhaeltnisse. Und fuer's gleiche Geld kann man auch schon von Bangkok (Don Muang Intl') nach Siem Reap (Angkor Intl') fliegen...
1 Kommentar:
Klingt wirklich abenteuerlich... Ein Rückflug würde - das weuißt du wohl bereits seit Ewigkeiten - etwa US$132 kosten. Tragisch finde ich irgendwie, dass sich die beiden größten Flughäfen (nach Passagieren) in KH nicht viel nehmen: Angkor Wat und Phnom Penh.
Ich hoffe, du findest in Angkor Wat nicht nur olle Touris die beladen sind mit allerherren digitalem Spielzeug.
Weniger verhandeln - so stelle ich's mir zumindest vor - wirst du vielleicht auf dem Eisenbahnstück in die Hauptstadt. Die Bahnfahrt soll übrigens ziemlich interessant sein.. hab da mal was im Fernsehen gesehen, finde es aber online nicht, bzw. mein Kopf kann sich an den Sender nicht mehr so recht erinnern...
Ich denke es ist an der Zeit dir Glück auf zu wünschen. :-)
LG J.
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