18 Mai 2007

Takeo, oder wie die koenigliche kambodschanische Eisenbahn mir eine Nacht auf dem Badezimmerboden bescherte

Heute bin ich mal richtig geraedert und genervt. Wobei, inzwischen geht's eigentlich schon wieder halbwegs... Als Eisenbahn-Fan hatte ich mir ja fest vorgenommen, auch in Kambodscha mal ein paar Kilometer mit dem Zug zurueckzulegen. Die Auswahl, wo das passieren sollte, war nicht sonderlich schwer: Es gibt nur zwei befahrbare Strecken. Die eine fuehrt von Battambang im Westen (Richtung thailaendische Grenze) nach Phnom Penh und liegt damit fern abseits von dort, wo ich hinkomme. Die andere fuehrt von Phnom Penh nach Sihanoukville im Sueden. Da ich dort eh hinwill, fiel die Wahl also recht schnell.

Dass ich unterwegs nicht mit viel Luxus wuerde rechnen koennen, war mir klar, ich war vorbereitet auf Holzbaenke, offene Viehwaggons oder alternativ die Reise auf dem Dach. Nun hatte ich aber in diversen Internetforen und auch in meinem Lonely Planet gelesen, dass die Fahrt von Phnom Penh bis ganz runter an die Kueste mindestens 18 Stunden dauert und ueberwiegend nicht besonders spekatakulaer sei. Das war mir dann doch etwas zu lang fuer "nur mal eben so mit dem Zug fahren wollen". Mir steckt immernoch ein bisschen die Fahrt von Poi Pet nach Siem Reap in den Knochen... Nun hatte ich aber des Weiteren gelesen, dass der Abschnitt von Takeo bis Kampot landschaftlich sehr eindrucksvoll und schoen sein soll, und diese Fahrt auch nur gute drei Studen dauert. Das klang doch wie fuer mich gemacht!

Ein weiteres Problem war aber, dass ich sowohl aus dem Internet als auch von diversen Personen in Phnom Penh, die ich gefragt habe, recht unterschiedliche und widerspruechliche Informationen bekommen habe, ob die Zugverbindung Phnom Penh-Sihanoukville ueberhaupt noch bedient wird. Angeblich wurde sie im Laufe des Jahres 2005 eingestellt, am Bahnhof der Hauptstadt stand allerdings ein Zug rum, der laut den am Bahnhof rumsitzenden Leute nach Sihanoukville fahren solle... Das war am Mittwoch, da der Zug jeweils abwechselnd einen Tag hin und den anderen Tag wieder zurueck faehrt, haette das super in meine Zeitplanung gepasst. Ich hab mich dann entschieden, mein Glueck einfach mal zu probieren, nach Takeo zu fahren, und zu schauen was passiert.

Naja, passiert ist zweierlei. Erstens habe ich vor Ort die Information bekommen, dass definitiv kein Zug faehrt. Schade, also bin ich mehr oder weniger umsonst in das abgelegene Kaff Takeo gefahren. Zweitens bin ich auf Empfehlung des Lonely Planet im Boeung Takeo Guesthouse abgestiegen, das definitiv und mit viel Abstand zum Zweitplatzierten den Titel "Schaebigste Absteige der Reise" verdient. Ich hab mir mein Zimmer mit geschaetzten 5.000 Kaefern und fliegenden Was-weiss-ich-was' geteilt. Nach dem Abendessen (irgendein Gemueseeintopf mit ein bisschen Fleisch und natuerlich Reis, was mich halt optisch am ehesten angelacht hat aus der Auswahl der natuerlich - wie der gesamte Ort - kein Wort Englisch sprechenden foodstall-Madame) haben wir (die Viecher und ich) uns dann gemeinsam noch einen Film auf HBO angeschaut (wenigstens hatte die Bude einen Fernseher), sofern es nicht gerade geregnet hat - dann fiel naemlich das Bild aus... Irgendwann hat mich dann aber die Muedigkeit uebermannt, und es galt einen Plan fuer die Nacht zu schmieden: Wie koennte ich ein paar Muetzen Schlaf abbekommen, ohne waehrenddessen 1 Kilo Insekten zu essen? Nach eingehender Beobachtung und Einschaetzung der Lage (Moskitonetz zu klein fuer das Riesenbett, Zimmertausch wuerde nix bringen, unter den anderen Tueren krabbelt's auch auf's Lebhafteste) schien mir die Loesung zu sein, im kaum Insekten-kontaminierten Badezimmer zu schlafen. Also hab ich meine Decke gepackt, im Bad auf den Fliesen ausgebreitet, mein Kopfkissen positioniert und mich hingelegt. Tierisch unbequem, dafuer ohne tierischen Mitternachtssnack...

Das Gute an der Schlafstatt war, dass ich so kein Problem hatte, frueh aufzustehen und das Weite zu suchen! Aber: Wie kommt man denn jetzt eigentlich von Takeo wieder weg, wo's doch keinen Zug gibt? Busse gehen stuendlich nach Phnom Penh, aber das ist die falsche Richtung, wenn ich weiter Richtung Sueden will. Also war Eigeninitiative gefragt. Nein, ich bin nicht gelaufen! Ich hab meine "Guesthouse"-Wirtin gefragt. Die meinte, ich solle ein moto nach Angk Tasaom nehmen, und von dort mit einem shared taxi nach Kampot weiterfahre. Und das hat auch tatsaechlich funktioniert! Nach Schlagloch-reichen 13 Kilometern auf dem Motorrad hab ich recht schnell ein Taxi gefunden, den Preis verhandelt ("Nein, 10 Dollar sind zu viel, ich geb dir zwei!" - "Fuer zwei Dollar musst du aber 30 Minuten warten..." - "Klar, mach ich!"), und nach nur 15 Minuten ging's zu siebt im Toyota Camry ueber recht fitten Strassenbelag nach Kampot.

Hier ist wieder etwas mehr Zivilisation vorhanden als in Takeo, mein Guesthouse scheint recht sauber zu sein, und es gibt eine Bank und Internet. Dass das mit dem Zugfahren jetzt letzten Endes doch nicht geklappt hat, wurmt mich aber schon ein bisschen...

Keine Kommentare: