Bokor Palace
Man mag es glauben oder auch nicht, aber ich war tatsaechlich in einem Nobel-Hotel namens "Bokor Palace"! Da ich aber natuerlich nicht wirklich von der Idee des Low-Budget-Trips abgewichen bin, muss ich ehrlicherweise dazu sagen, dass dieses seit 1970 geschlossen ist und seither dem Verfall ueberlassen wird. Aber langsam, eins nach dem anderen...
Nach einigen recht anstrengenden und intensiven Tagen in Phnom Penh und der Enttaeuschung mit der Bahnfahrt war es erstmal recht entspannend, die Annehmlichkeiten und die Ruhe in Kampot zu geniessen, was ich nach meiner Ankunft aus Takeo auch erstmal einen ganzen Tag lang gemacht habe. Am naechsten Tag ging's dann aber auf zur (einzigen) Attraktion Kampots: Bokor Hill Station. Das ist im Wesentlichen eine kleine Station, die die Franzosen mal auf einem Berg gebaut haben, weil man von dort so einen guten Ueberblick ueber die Umgebung hat. Nachdem die Militaers dann abgezogen waren, hat sich ein findiger Franzose gedacht, dass dieser gute Ueberblick sich auch ganz gut als Ausblick vermarkten laesst, und hat Anfang der 20er Jahre ein Luxus-Hotel mit Casino dort oben hingestellt. Neben dem Hotel wurde da oben auch noch alles hingebaut, was man so an Infrastruktur braucht: Unter anderem ein Wasserturm, ein Hubschrauberlandeplatz und eine Kirche. Als Anfang der 70er Jahre der Buergerkrieg in Kambodscha ausbrach, wurde das Hotel und die restlichen Bauten aufgegeben und sich selbst ueberlassen, die aber aufgrund der angeprochenen superben strategischen Lage in den unterschiedlichen kaempfenden Parteien recht schnell neue Interessenten fanden. Das ging dann so bis zum Jahr 1979, als in einem mehrere Monate andauernden Gefecht letztenendes die vietnamesische Befreiungsarmee die Soldaten der Khmer Rouge, die sich im Hotel verschanzt hatten, besiegt hatten.
Den Gebaeuden haben die jahrzehntelange Vernachlaessigung und die erbitterten Kaempfe um die Stellungen natuerlich nicht gerade gut getan - beides hat deutliche Spuren hinterlassen. Das Geniale aber ist, dass die Bokor Hill Station meist von Wolken umspielt wird, was zwar auf der einen Seite die (angeblich!) geniale Aussicht verdirbt, dafuer aber eine Wahnsinnsathmosphaere schafft, wenn die Nebelschwaden duch die mit Moos bewachsenen Ruinen wabern...Nicht verschwiegen werden sollte an dieser Stelle auch, dass unser Fuehrer (wir waren in einer Gruppe mit zehn Leuten unterwegs) uns zuvor noch stundenlang durch den wirklich dichten Dschungel bis zu einem Wasserfall gefuehrt hat. Das waere ja eigentlich ganz lustig gewesen, wenn nicht: 1. die Gegend nach wie vor vermint waere, 2. auch eine Strasse bis fast zum Wasserfall fuehren wuerde und 3. es nicht waehrend des Treks mehrfach ohne Ende geregnet haette. So war das auf jeden Fall ein echtes Tropen-Dschungel-Monsun-Wander-Erlebnis. Alles klitschnass, aber meine Kamera hat den Ausflug zum Glueck trocken und unbeschadet ueberlebt. Nur zum Fotografieren rausnehmen konnte ich sie deswegen natuerlich leider nicht, drum findet sich der Grossteil des Bildmaterials leider nur in meinem Kopf - sorry!
Zu der eingangs erwaehnten Infrastruktur, die beim Bau des "Bokor Palace" mitgebaut wurde, zaehlte natuerlich auch eine Strasse, die damals den Zugang zu diesem doch recht abgelegenen Ort erheblich vereinfacht hat. Dummerweise ist von dieser Strasse kaum noch etwas uebrig, so dass der heutige Besucher sich auf eine knapp vierstuendige Schotter-Felsbrocken-Schlagloch-Piste mit Erdrutschen und massiv steilen Anstiegen freuen darf. Wir acht, die wir hinten auf der Ladeflaeche des Pickups sassen, hatten unseren Spass, was aber nur bedingt an der "Strasse" lag... Da die fuenf Australier noch am selben Abend, die beiden Englaenderinnen und ich am naechsten Tag nach Sihanoukville wollten, wurde auch gleich ein Wiedersehen am naechsten Abend in einer Strandbar vereinbart.
Meine Schuhe sind uebrigens erstaunlicherweise tatsaechlich bis zum naechsten Morgen komplett getrocknet, obwohl sie dank Watens durch bisweilen kniehohe Tuempel und Pfuetzen komplett durchnaesst waren...
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