30 Mai 2007

"Good Morning! Vietnam?"

Kein Scherz, so hat mich wirklich am Morgen meiner Abreise aus Kambodscha der Typ in der Hotellobby begruesst, der mich zum Auto gebracht hat, das mich zu einem Minibus gefahren hat, der mich zu einem Boot gebracht hat, das mich zum kambodschanisch-vietnamesischen Grenzposten am Mekong geschippert hat, von wo mich ein anderes Boot nach Chau Doc gebracht hat, zu einem Auto, das mich zu einem Bus gebracht hat, der mich nach Can Tho gefahren hat, wo mich letztendlich ein Motorrad zu meinem Hotel gebracht hat. Alles klar?

OK, nochmal in Ruhe und der Reihe nach:

Da ich ja in Kambodscha noch nicht genug abenteuerliche Sachen erlebt hatte, hab ich mich entschieden, nicht die 08/15-Touri-Route von Phnom Penh nach Saigon zu nehmen, die eine unspektakulaere sechs- bis siebenstuendige Busfahrt bedeutet haette. Nein, ich wollte auf dem Mekong nach Vietnam schippern, weil ich gelesen hatte, dass die Strecke landschaftlich sehr schoen sein soll. Und da ich mir in Vietnam eh auf jeden Fall das Mekong-Delta anschauen wollte, war es umso praktischer, dort gleich anzukommen. Um das Abenteuer dann doch etwas im Zaum zu halten hab ich mich dann aber gegen die 100%-Individuell-Variante entschieden, und stattdessen in Phnom Penh eine Tour gebucht, einer Empfehlung aus dem Lonely Planet Thorntree-Forum: Sunshine Tours am Sisowath Quay. Ist zwar nur eine kleine Bude (sonst werden in Kambodscha aus den Dingern die eher ungewoehnlichen Eis-Sandwiches verkauft...), hat aber so ziemlich alles im Angebot, was man in Suedostasien so unternehmen kann - beeindruckend!

Naja, da ich also eben diese Tour gebucht hatte, kam ich in den Luxus, am Morgen (um 7.30h *urgh*) direkt im Hotel abgeholt zu werden, um zum Abfahrtsort des Busses gebracht zu werden, welcher witzigerweise fast gegenueber von dem Guesthouse war, in dem ich beim letzten Mal in Phnom Penh gewohnt hab. Dieser Bus hat uns dann in knapp drei Stunden in ein recht unansehnliches Kaff gebracht, dessen Namen ich nochmal nachschlagen muss. Dass wir statt der veranschlagten zwei Stunden fuer die Strecke so lang gebraucht haben lag vornehmlich daran, dass die NH1 (national highway) ab der "Stadtgrenze" Phnom Penhs (die's so natuerlich nicht gibt - ich meine etwa den Punkt, wo die Bebauung etwas lockerer wird...) bis zu unserem Zielort eine einzige Riesen-Baustelle ist. Da das wie gesagt eine der kambodschanischen Prestige-Routen ist - ich schaetze mal, dass 95% aller Touristen, die aus Vietnam kommen hier entlang fahren - ist es absolut nachvollziehbar, dass der Zustand dieser Strasse oberste Prioritaet hat. "Wuerden sie sich doch mal in dieser Art und Weise der Strasse Poi Pet-Siem Reap annehmen" habe ich mir nur still und leise die meiste Zeit gedacht...

Nun gut, waehrend wir im Bus nur zu viert waren (plus ein Fahrer, ein "Tourguide" oder conducteur, der unsere Tickets kontrolliert hat und dann nur rumsass, und ein Typ, der von Anfang an nur da sass und Zeitung gelesen hat), warteten in unserem Boot schon zwei andere BackpackerInnen, die mit einer anderen Gesellschaft hierhergekommen waren. Dann ging's in seeeeehr gemuetlicher Fahrt gute zwei Stunden den Mekong runter Richtung Sueden, Richtung Vietnam. Von der reizvollen Landschaft war bis dahin nicht viel zu sehen, die Ufer waren teilweise mit Huetten bebaut, teilweise reichten die Reisfelder bis ans Ufer. Was allerdings beeindruckend war, war der Mekong selbst! Ich hatte ihn mir ja schon gross (i.e. breit) vorgestellt, hatte dabei aber so den Rhein plus ein paar Meter links und rechts im Kopf. An der Stelle, wo wir an Bord gegangen sind, war der Fluss aber in etwa so breit, wie der Starnberger See! Und der Mekong veraestelt sich ja gerne mal, und an manchen dieser Stellen war das jeweils weiter entfernte Ufer zwar natuerlich noch zu sehen, aber so richtig erkannt hat man dort nix mehr! Schon gross?!? Aber leider eben recht fad... Egal, so konnte ich wenigstens ein bisschen doesen ohne was zu verpassen, hatte schliesslich ne kurze Nacht hinter und einen langen Tag vor mir - aber das wusste ich da noch gar nicht.

Irgendwann ist unser Boot dann ans Ufer gefahren und hat an einem kleinen Holzsteg angelegt. Der eine Teil der Zwei-Mann-Besatzung unseres Boots (der, der ein paar Brocken Englisch sprach) meinte dann, wir muessten hier jetzt aussteigen und unsere Ausreisestempel fuer Kambodscha abholen. Haben wir dann auch gemacht. Witzig, da steht einfach so in der Pampa ein kleines Haeuschen rum, in dem zwei kambodschanische Grenzbeamten sitzen. Aber gut, wir waren soeben offiziell ausgereist.

Dann zurueck auf's Boot und ein paar hundert Meter (vielleicht auch Kilometer, ich tu mir da auf dem Wasser immer etwas schwer) weiter das gleiche Spiel. Nur dass die Umgebung diesmal schon etwas mehr nach Grenzposten aussah: Haeuser, Menschen und je eine kambodschanische und eine vietnamesische Flagge, die im Wind wehten. Da das Boot (und die Crew) nicht ueber die Grenze duerfen, mussten wir unser Zeug mit ans Ufer nehmen, wo wir von einer recht agilen, und wie sich spaeter rausstellte sehr netten und lustigen vietnamesischen Mitarbeiterin des Reiseveranstalters empfangen wurden. Daneben stand eine Mannschaft Touris Spalier, die die gleiche Route wie wir in die Gegenrichtung machten.

Dann ging's mit Sack und Pack zur vietnamesischen Quarantaene-Station, wo wir 200 Dong (so gut wie nix...) fuer einen kleinen Wisch bezahlten, der bestaetigt, dass eine Waermebildkamera befunden hat, dass wir kein Seuchenrisiko fuer die Sozialistische Republik Vietnam darstellen. Alles klar?! Meinetwegen kann ich mittels einer Waermebildkamera feststellen, ob jemand Fieber hat (Symptom fuer H5N1-Infektion), aber doch nicht, wenn ich Personen vor mir habe, deren Waermehaushalt gerade am Limit operiert, weil er mit den ungewohnten klimatischen Bedingungen umzugehen versucht, oder?! Egal, wir waren also gesund.

Daraufhin hat besagte Lady dann unsere Ausweise mitsamt der darin befindelichen Visa und der zuvor ausgefuellten Einreise-/Ausreisekarten eingesammelt und ist damit in Richtung Immigration-Buero abgedampft, waehrend wir endlich Gelegenheit hatten, was zu essen. Danach gab's die Ausweise zurueck, jetzt um eine reingetackerte gelbe Ausreisekarte reichhaltiger, die man tunlichst nicht verlieren sollte - das gibt sonst unter Umstaenden massive Probleme bei der Ausreise! Aber fuer uns ging's nach dem Roentgen unseres Gepaecks (wie am Flughafen!) erstmal auf das andere Boot und ab, weiter in Richtung Sueden.

Und jetzt war die Landschaft durchaus sehr reizvoll und ansehnlich! Speziell nachdem wir vom Mekong in einen kleineren Kanal abgebogen sind: "Eine Abkuerzung!" Keine Ahnung, ob es wirklich eine war, selbst wenn nicht war das, was wir dort gesehen haben jeden Umweg wert! Genau so hatte ich mir das Mekong-Delta vorgestellt. Schwimmende Haeuser, Boote die als Arbeitsplatz und Wohnraum fungieren, Menschen die direkt am Wasser leben und deren Leben sich fast ausschliesslich um den Fluss dreht, Reisbauern die mit ihren Wasserbueffeln die Reisfelder am Ufer umpfluegen, Fischer die ihre Netze auswerfen, kleine Kinder die im Fluss baden, alte und junge Frauen, die in ao dai und mit den typischen vietnamesischen Hueten ihre Boote rudern... Traumhaft und absolut empfehlenswert!

Aber irgendwann geht auch die schoenste Bootspartie zu Ende, und so kamen wir nach etwa dreistuendiger Fahrt in Chau Doc an. Eigentlich, so war mein Plan, wollte ich dort die Nacht verbringen um dann am naechsten Tag nach Can Tho weiterzufahren, von wo ich das Mekong-Delta und die schwimmenden Maerkte erkunden wollte. Nachteil an diesem Plan war aber, dass mir durch die unguenstige Verbindung ein halber bis ein ganzer Tag verloren gehen wuerde, da ich weder in Chau Doc noch in Can Tho nachmittags viel wuerde machen koennen. Und so kam mir die glorreiche Idee, unterwegs unsere Fuehrerin zu fragen, ob es denn nicht nach unserer Ankunft in Chau Doc noch eine Busverbindung nach Can Tho gebe? Gibt es! Gluecksgefuehl!

Da noch zwei andere Mitreisende am selben Tag weiterreisen wollten (allerdings beide nach Saigon direkt), wurden wir drei dann, nach einem fuenfminuetigen Eillauf durch Chau Doc hin zum Buero des Reiseveranstalters in aller Eile in ein Auto gepackt, das uns rasend schnell zum Busterminal gebracht hat. Offensichtlich hatten wir nicht viel Zeit, bis unsere Busse gingen/fuhren!? Dort angekommen wurden wir dann dem Personal des offenbar befreundeten Busunternehmens uebergeben und sassen dann interessanterweise fuer geraume Zeit rum. Vietnamesische Organisation... Egal. Mein Bus hat mich dann recht problemlos in dreieinhalb Stunden nach Can Tho gebracht, einziges "Highlight" waren die reisekranken Mitfahrerinnen, die etwa ab der Haelfte der Strecke froehlichst in ihre Tueten gegoebelt haben... Mahlzeit! Ich weiss nicht, was die Leute hier haben, denn die Fahrt war echt nicht so schlimm. OK, der Fahrer ist ganz schoen geheizt, und weil man andere, langsamere Verkehrsteilnehmer natuerlich sowohl links als auch rechts ueberholen kann, war das bisweilen schon ein bisschen ein Slalom-Parcours - aber soo schlimm nun wirklich nicht. Ich bin da ja an sich auch ein wenig empfindlich, kann das also beurteilen. Noch skurriler war in dieser Hinsicht uebrigens die vierstuendige Busfahrt von Sihanoukville nach Phnom Penh am Tag zuvor, wo es schon nach zehn Minuten auf der Sitzbank neben mir losging - wobei man vielleicht fairerweise ergaenzen sollte, das es sich dabei um ein kleines Kind gehandelt hat, das dafuer aber die gesamte Distanz ueber nicht mehr aufgehoert hat. Hinten im Bus war aber offenbar auch einiges geboten...

Naja, erstmal in Can Tho angekommen hab ich mir ein Motorradtaxi geschnappt (oder der Fahrer sich mich?) und bin zu einem Hotel gefahren, das ich mir vorher im Lonely Planet rausgesucht hatte. Der Hotelier hat nicht schlecht gestaunt, als er gehoert hat, dass ich am Morgen in Phnom Penh gestartet war - als ich mir das Ganze mal auf einer Karte angeschaut hab, wusste ich auch warum... In dieser Nacht habe ich jedenfalls hervorragend geschlafen, obwohl es am naechsten Morgen noch frueher losging!

24 Mai 2007

Sihanoukville / Kompong Som / Snooky

Drei Namen, ein Ort. "Sihanoukville" (nach dem recht umstrittenen Koenig Sihanouk) nennen ihn die koenigstreuen Khmers, "Kompong Som" die Kommunisten und "Snooky" die Touristen. Zum Ort selbst und zu meiner Zeit dort gibt's eigentlich nicht allzu viel zu erzaehlen. Der Ort wurde 1959 neu "erschaffen", weil Kambodscha bis dahin keinen Tiefwasserhafen hatte und besagter Koenig Sihanouk damals meinte, dringend einen zu brauchen. Wo das Meer ist sind auch Straende nicht weit, und rund um Sihanoukville gibt's ein paar sehr nette davon. Und auch wenn der Ort langsam aber sicher vom internationalen Tourismus entdeckt wird, hat man die kilometerlangen Sandstraende heute noch mehr oder weniger fuer sich, speziell jetzt in der Nebensaison (Regenzeit!). Obwohl ich kein grosser Strand-Fan bin, hab ich's mir hier vier Tage lang richtig gut gehen lassen, mich von den Strapazen der letzten Wochen erholt, und meine naechsten Schritte geplant.

Die werden mich ueber Phnom Penh nach Vietnam fuehren, das dafuer benoetigte Visum hab ich mir beim vietnamesischen Konsulat in Sihanoukville besorgt. Ich hatte im Internet mehrfach den Tipp gelesen, dass das weltweit so ziemlich die schnellste Moeglichkeit sei, an das Visum zu kommen. Normalerweise dauert das naemlich zwei bis drei Arbeitstage, hier aber war der ganze Zauber nach 10 Minuten vorueber und ich habe nun ein kunterbuntes Visum in meinem Reisepass, dass mir den Aufenthalt in diesem dritten Land meiner Reise (wenn man mal von dem Tachileikh-Disaster in Myanmar absieht) fuer 30 Tage ab dem 25. Mai gestattet. Was nach dieser Zeit passiert steht noch nicht so ganz fest...

Eine kleine Geschichte noch: Ich hatte mir ja mit Sarah und Daisy ein Taxi von Kampot nach Sihanoukville geteilt. Wir hatten am Tag vorher schonmal festgestellt, dass weder ich noch die Maedels bisher konkrete Plaene hatten, wo man absteigen sollte. Drum haben wir uns vom Taxler einfach bis zum "Touri-Ghetto" am Serenity Beach fahren lassen und dort unser Glueck im Sea Sun Guesthouse probiert, das laut Lonely Planet ganz nett und sehr sehr billig sein sollte. War es dann auch: Kleine Bungalows fuer 3 Dollar, normale Zimmer in etwas groesseren Bungalows 4 Dollar, wer eine Klimaanlage braucht, zahlt 6 Dollar. Ich (uebrigens auch die Maedels) hab mich fuer eines der 4 Dollar-Zimmer entschieden und war auch hoechst zufrieden damit. Die Lage des Guesthouses war auch optimal: 50 Meter zum Strand, direkt vor dem Gartentor ein Internetcafe - was will man mehr? So weit so gut. Bis dann am Morgen des dritten Tages so gegen halb acht ploetzlich an meine Tuer geklopft wurde und Sarah und Daisy mit ihrem kompletten Gepaeck vor mir standen. Ein wenig aufgeloest haben sie mir dann erzaehlt, dass in der Nacht der Hotel-Typ, der sonst rund um die Uhr im Rezeptions-Bungalow sass, in ihr Zimmer gekommen sei, sich auf Sarahs Bett gesetzt hat, und ihren Fuss gestreichelt hat. Die ist davon natuerlich wach geworden, hat geschrien und damit Daisy geweckt und den Typen vertrieben. Ziemlich krass! Nach der Story hatten sie verstaendlicherweise keine Lust mehr, noch laenger in diesem Guesthouse zu bleiben und haben ihre Sachen zum Umzug gepackt - nicht ohne mir (und dem Paerchen nebenan) netterweise vorher noch davon zu erzaehlen. Ich hab dann (da ich schon mal wach war...) auch meine Sachen gepackt, und bin umgezogen, obwohl ich da schon wusste, dass ich nur noch eine Nacht in Snooky bleiben wuerde. Beim Auschecken hab ich den Typen dann auch gesehen (den ich uebrigens definitiv fuer schwul gehalten haette!), und er hat mich recht verstaendnislos angeschaut, warum ich denn gehe, und vor allem so frueh? "Na weil ich keine Lust hab, dass du oder irgendwer anders von euch Clowns naechste Nacht beim mir im Zimmer steht?!" hab ich ihm (betont unfreundlich) entgegnet. Was dann folgte, war die am schlechtesten vorgetragene, erfundene Ausrede, die ich je gehoert habe: Es sei ja alles gar nicht so, wie ich das denke (Ach ja?), und es sei auch nicht er gewesen, sondern der Nachtwaechter in der Schicht nach ihm (Du bist der einzige Nachtwaechter hier!), und der sei betrunken gewesen und ein etwas komischer Typ... Wenn das so waere, und der davon weiss, dann ist es schon ein bisschen komisch, dass er dort noch als Nachtwaechter arbeitet, oder? Ich hab die Maedels dann spaeter nochmal getroffen ud ihnen das erzaehlt, und sie meinten, es sei definitiv er gewesen, und er habe sich ihnen gegenueber am Morgen wohl genauso schlecht aber mit anderen Ausfluechten rausreden wollen. Ich weiss leider nicht, ob die beiden noch zur Polizei sind - alle, die die Geschichte gehoert haben, haben es ihnen geraten...

Achso, und es ist echt schade, dass an Quallen so gut wie nix dran ist - jedenfalls nix Essbares. Nachdem ich naemlich mehrfach (an einem Tag dreimal innerhalb von fuenf Minuten) von diesen Sch...-Viechern genesselt wurde (das heisst wirklich so!), haette ich nur zu gerne das ein oder andere Exemplar aus Rache auf einen der abends zahlreich am Strand vertretenen Grills geworfen...

Das Wiedersehen mit den Australiern hat uebrigens tatsaechlich stattgefunden, was mich in den Genuss eines Abends am Strand mit Kylie, Kirsten und Julia gebracht hat - Daisy sah naemlich wirklich Kylie Minogue verdammt aehnlich, ebenso Sarah Kirsten Dunst und Sally Julia Roberts... Ich hab ja nun den Ruf, Aenhlichkeiten bei Menschen zu sehen, die sonst keiner sieht, aber bei den Dreien bin ich mir wirklich sicher! Beweisfotos bekomm' ich erst noch.

Bokor Palace

Man mag es glauben oder auch nicht, aber ich war tatsaechlich in einem Nobel-Hotel namens "Bokor Palace"! Da ich aber natuerlich nicht wirklich von der Idee des Low-Budget-Trips abgewichen bin, muss ich ehrlicherweise dazu sagen, dass dieses seit 1970 geschlossen ist und seither dem Verfall ueberlassen wird. Aber langsam, eins nach dem anderen...

Nach einigen recht anstrengenden und intensiven Tagen in Phnom Penh und der Enttaeuschung mit der Bahnfahrt war es erstmal recht entspannend, die Annehmlichkeiten und die Ruhe in Kampot zu geniessen, was ich nach meiner Ankunft aus Takeo auch erstmal einen ganzen Tag lang gemacht habe. Am naechsten Tag ging's dann aber auf zur (einzigen) Attraktion Kampots: Bokor Hill Station. Das ist im Wesentlichen eine kleine Station, die die Franzosen mal auf einem Berg gebaut haben, weil man von dort so einen guten Ueberblick ueber die Umgebung hat. Nachdem die Militaers dann abgezogen waren, hat sich ein findiger Franzose gedacht, dass dieser gute Ueberblick sich auch ganz gut als Ausblick vermarkten laesst, und hat Anfang der 20er Jahre ein Luxus-Hotel mit Casino dort oben hingestellt. Neben dem Hotel wurde da oben auch noch alles hingebaut, was man so an Infrastruktur braucht: Unter anderem ein Wasserturm, ein Hubschrauberlandeplatz und eine Kirche. Als Anfang der 70er Jahre der Buergerkrieg in Kambodscha ausbrach, wurde das Hotel und die restlichen Bauten aufgegeben und sich selbst ueberlassen, die aber aufgrund der angeprochenen superben strategischen Lage in den unterschiedlichen kaempfenden Parteien recht schnell neue Interessenten fanden. Das ging dann so bis zum Jahr 1979, als in einem mehrere Monate andauernden Gefecht letztenendes die vietnamesische Befreiungsarmee die Soldaten der Khmer Rouge, die sich im Hotel verschanzt hatten, besiegt hatten.

Den Gebaeuden haben die jahrzehntelange Vernachlaessigung und die erbitterten Kaempfe um die Stellungen natuerlich nicht gerade gut getan - beides hat deutliche Spuren hinterlassen. Das Geniale aber ist, dass die Bokor Hill Station meist von Wolken umspielt wird, was zwar auf der einen Seite die (angeblich!) geniale Aussicht verdirbt, dafuer aber eine Wahnsinnsathmosphaere schafft, wenn die Nebelschwaden duch die mit Moos bewachsenen Ruinen wabern...
Nicht verschwiegen werden sollte an dieser Stelle auch, dass unser Fuehrer (wir waren in einer Gruppe mit zehn Leuten unterwegs) uns zuvor noch stundenlang durch den wirklich dichten Dschungel bis zu einem Wasserfall gefuehrt hat. Das waere ja eigentlich ganz lustig gewesen, wenn nicht: 1. die Gegend nach wie vor vermint waere, 2. auch eine Strasse bis fast zum Wasserfall fuehren wuerde und 3. es nicht waehrend des Treks mehrfach ohne Ende geregnet haette. So war das auf jeden Fall ein echtes Tropen-Dschungel-Monsun-Wander-Erlebnis. Alles klitschnass, aber meine Kamera hat den Ausflug zum Glueck trocken und unbeschadet ueberlebt. Nur zum Fotografieren rausnehmen konnte ich sie deswegen natuerlich leider nicht, drum findet sich der Grossteil des Bildmaterials leider nur in meinem Kopf - sorry!

Zu der eingangs erwaehnten Infrastruktur, die beim Bau des "Bokor Palace" mitgebaut wurde, zaehlte natuerlich auch eine Strasse, die damals den Zugang zu diesem doch recht abgelegenen Ort erheblich vereinfacht hat. Dummerweise ist von dieser Strasse kaum noch etwas uebrig, so dass der heutige Besucher sich auf eine knapp vierstuendige Schotter-Felsbrocken-Schlagloch-Piste mit Erdrutschen und massiv steilen Anstiegen freuen darf. Wir acht, die wir hinten auf der Ladeflaeche des Pickups sassen, hatten unseren Spass, was aber nur bedingt an der "Strasse" lag... Da die fuenf Australier noch am selben Abend, die beiden Englaenderinnen und ich am naechsten Tag nach Sihanoukville wollten, wurde auch gleich ein Wiedersehen am naechsten Abend in einer Strandbar vereinbart.

Meine Schuhe sind uebrigens erstaunlicherweise tatsaechlich bis zum naechsten Morgen komplett getrocknet, obwohl sie dank Watens durch bisweilen kniehohe Tuempel und Pfuetzen komplett durchnaesst waren...

18 Mai 2007

Takeo, oder wie die koenigliche kambodschanische Eisenbahn mir eine Nacht auf dem Badezimmerboden bescherte

Heute bin ich mal richtig geraedert und genervt. Wobei, inzwischen geht's eigentlich schon wieder halbwegs... Als Eisenbahn-Fan hatte ich mir ja fest vorgenommen, auch in Kambodscha mal ein paar Kilometer mit dem Zug zurueckzulegen. Die Auswahl, wo das passieren sollte, war nicht sonderlich schwer: Es gibt nur zwei befahrbare Strecken. Die eine fuehrt von Battambang im Westen (Richtung thailaendische Grenze) nach Phnom Penh und liegt damit fern abseits von dort, wo ich hinkomme. Die andere fuehrt von Phnom Penh nach Sihanoukville im Sueden. Da ich dort eh hinwill, fiel die Wahl also recht schnell.

Dass ich unterwegs nicht mit viel Luxus wuerde rechnen koennen, war mir klar, ich war vorbereitet auf Holzbaenke, offene Viehwaggons oder alternativ die Reise auf dem Dach. Nun hatte ich aber in diversen Internetforen und auch in meinem Lonely Planet gelesen, dass die Fahrt von Phnom Penh bis ganz runter an die Kueste mindestens 18 Stunden dauert und ueberwiegend nicht besonders spekatakulaer sei. Das war mir dann doch etwas zu lang fuer "nur mal eben so mit dem Zug fahren wollen". Mir steckt immernoch ein bisschen die Fahrt von Poi Pet nach Siem Reap in den Knochen... Nun hatte ich aber des Weiteren gelesen, dass der Abschnitt von Takeo bis Kampot landschaftlich sehr eindrucksvoll und schoen sein soll, und diese Fahrt auch nur gute drei Studen dauert. Das klang doch wie fuer mich gemacht!

Ein weiteres Problem war aber, dass ich sowohl aus dem Internet als auch von diversen Personen in Phnom Penh, die ich gefragt habe, recht unterschiedliche und widerspruechliche Informationen bekommen habe, ob die Zugverbindung Phnom Penh-Sihanoukville ueberhaupt noch bedient wird. Angeblich wurde sie im Laufe des Jahres 2005 eingestellt, am Bahnhof der Hauptstadt stand allerdings ein Zug rum, der laut den am Bahnhof rumsitzenden Leute nach Sihanoukville fahren solle... Das war am Mittwoch, da der Zug jeweils abwechselnd einen Tag hin und den anderen Tag wieder zurueck faehrt, haette das super in meine Zeitplanung gepasst. Ich hab mich dann entschieden, mein Glueck einfach mal zu probieren, nach Takeo zu fahren, und zu schauen was passiert.

Naja, passiert ist zweierlei. Erstens habe ich vor Ort die Information bekommen, dass definitiv kein Zug faehrt. Schade, also bin ich mehr oder weniger umsonst in das abgelegene Kaff Takeo gefahren. Zweitens bin ich auf Empfehlung des Lonely Planet im Boeung Takeo Guesthouse abgestiegen, das definitiv und mit viel Abstand zum Zweitplatzierten den Titel "Schaebigste Absteige der Reise" verdient. Ich hab mir mein Zimmer mit geschaetzten 5.000 Kaefern und fliegenden Was-weiss-ich-was' geteilt. Nach dem Abendessen (irgendein Gemueseeintopf mit ein bisschen Fleisch und natuerlich Reis, was mich halt optisch am ehesten angelacht hat aus der Auswahl der natuerlich - wie der gesamte Ort - kein Wort Englisch sprechenden foodstall-Madame) haben wir (die Viecher und ich) uns dann gemeinsam noch einen Film auf HBO angeschaut (wenigstens hatte die Bude einen Fernseher), sofern es nicht gerade geregnet hat - dann fiel naemlich das Bild aus... Irgendwann hat mich dann aber die Muedigkeit uebermannt, und es galt einen Plan fuer die Nacht zu schmieden: Wie koennte ich ein paar Muetzen Schlaf abbekommen, ohne waehrenddessen 1 Kilo Insekten zu essen? Nach eingehender Beobachtung und Einschaetzung der Lage (Moskitonetz zu klein fuer das Riesenbett, Zimmertausch wuerde nix bringen, unter den anderen Tueren krabbelt's auch auf's Lebhafteste) schien mir die Loesung zu sein, im kaum Insekten-kontaminierten Badezimmer zu schlafen. Also hab ich meine Decke gepackt, im Bad auf den Fliesen ausgebreitet, mein Kopfkissen positioniert und mich hingelegt. Tierisch unbequem, dafuer ohne tierischen Mitternachtssnack...

Das Gute an der Schlafstatt war, dass ich so kein Problem hatte, frueh aufzustehen und das Weite zu suchen! Aber: Wie kommt man denn jetzt eigentlich von Takeo wieder weg, wo's doch keinen Zug gibt? Busse gehen stuendlich nach Phnom Penh, aber das ist die falsche Richtung, wenn ich weiter Richtung Sueden will. Also war Eigeninitiative gefragt. Nein, ich bin nicht gelaufen! Ich hab meine "Guesthouse"-Wirtin gefragt. Die meinte, ich solle ein moto nach Angk Tasaom nehmen, und von dort mit einem shared taxi nach Kampot weiterfahre. Und das hat auch tatsaechlich funktioniert! Nach Schlagloch-reichen 13 Kilometern auf dem Motorrad hab ich recht schnell ein Taxi gefunden, den Preis verhandelt ("Nein, 10 Dollar sind zu viel, ich geb dir zwei!" - "Fuer zwei Dollar musst du aber 30 Minuten warten..." - "Klar, mach ich!"), und nach nur 15 Minuten ging's zu siebt im Toyota Camry ueber recht fitten Strassenbelag nach Kampot.

Hier ist wieder etwas mehr Zivilisation vorhanden als in Takeo, mein Guesthouse scheint recht sauber zu sein, und es gibt eine Bank und Internet. Dass das mit dem Zugfahren jetzt letzten Endes doch nicht geklappt hat, wurmt mich aber schon ein bisschen...

16 Mai 2007

Mission Monchichi

Nachdem ich das ja eigentlich noch erledigen wollte, bevor ich abgereist bin, wurde es jetzt nach zwei Monaten wirklich allerhoechste Eisenbahn: Ein Friseur-Besuch! Ich sah langsam immer mehr aus wie ein Monchichi und hab schon fast nix mehr gesehen, da bestand also dringend Handlungsbedarf. Ausserdem hab ich inzwischen schon einen daemlichen weissen Streifen am Haaransatz auf der Stirn, der natuerlich nicht sonnengegerbt ist, wie meine restliche Haut...

Also, Friseursalon gesucht, da gibt's hier in Phnom Penh gluecklicherweise einige, und mutig reingesetzt, sehr zum Spass der Friseusen sowie der versammelten Nachbarschaft, die davor und drinnen rumsitzt. Nun blieb da nur noch das Problem zu loesen, wie ich dem Maedel verklickern sollte, was ich will bzw. wie ich mir vorstelle, dass das Ganze nach Fertigstellung in etwa aussehen solle... So gut ist mein Khmer noch nicht. Zufaelligerweise sprach eine der anwesenden aelteren Damen ein wenig Englisch, genug um mich zu fragen, ob "long"oder "short". Drauf ich "not too short, medium". Das hat sie dann auf Khmer uebersetzt und los ging's. Ich bin ja bekanntermassen kein besonders eitler Mensch, aber so ein bisschen besorgt war ich schon, was denn das am Ende hier geben wuerde. Zur Beruhigung hab ich mir aber immer wieder in Erinnerung gerufen, dass es im Katastrophenfall ja noch zwei Notloesungen bleiben: die Variante "buddhistischer Moench", also alles auf 2mm getrimmt, oder die importierte Stofffrisur, a.k.a. Baseball-Cap... War aber alles umsonst, ich find es ist ganz gut geworden:

Vorher:

Nachher:

14 Mai 2007

Phnom Penh

Ich denke mal es ist nicht anmassend, wenn ich behaupte im Laufe meiner Reise schon so einiges gesehen und (mit-)erlebt zu haben. Aber sowas wie Phnom Penh war bisher nicht dabei, und ich muss gestehen, dass mich die kambodschanische Kapitale bisweilen ein wenig ueberfordert.

Es geht schonmal damit los, dass hier so unfassbar viele Menschen rumlaufen, rumsitzen, einfach da sind. OK, mit 1,2 Millionen zaehlt Phnom Penh in etwa so viele Einwohner wie Muenchen, aber hier ist irgendwie alles dichter gedraengt, naeher beieinander, aufeinander und durcheinander. Hinzu kommen die zwei Faktoren Optik und Geruch. Sowohl den Augen als auch der Nase bieten sich hier bisweilen ungekannte Reize - positive wie negative.

Zu den positiven zaehlen meines Erachtens die unfassbare Gelassenheit, mit denen die Menschen hier ihren Alltagsgeschaeften nachgehen. Egal wie chaotisch es um sie herum grad zu geht, sie bleiben ruhig und machen einfach ihr Ding - OK, in gewisser Weise tragen sie damit ueberwiegend zum Fortbestand des Chaos bei... Der Verkehr ist da ein gutes Beispiel: Da ist erlaubt, was gefaellt. Verkehrsregeln? Bestenfalls grobe Richtlinien... Ein weiterer Augenschmaus sind die zahlreichen Kolonialbauten, die die Franzosen der Stadt beschert haben. Dazu zaehlen beispielsweise der Bahnhof und die Nationalbibliothek. Schade ist aber, dass viele der zu ihrer Zeit vermutlich wirklich beeindruckend schoenen Gebaeude dem Verfall ueberlassen werden. Aber irgendwo kann man's auch verstehen: Wen interessiert schon, wie die Haeuser aussehen, wenn man fast nix zum Beissen hat?

Zu den negativen Reizen zaehlt der Muell. Der wird hier bevorzugt entsorgt, wo er gerade anfaellt. Gut, das ist in Suedostasien ja an sich nix besonderes. Was ich so in der Form allerdings noch nicht gesehen habe ist, dass dieser Muell (und ich nehme mal an auch der gesamte restliche Hausmuell, der in Phnom Penh anfaellt) mitten in der Stadt an manchen Kreuzungen auf kleinen "Deponien" gesammelt wird, und dort offenbar seinem Schicksal ueberlassen wird. Dieses besteht vermutlich zu gleichen Teilen aus Verwesung, Ratten und dem Wind, der den Muell neuerlich im Stadtgebiet verteilt. Dazu ein Gestank, der selbst dem olfaktorisch Suedostasien-akklimatisierten Nase-Magen-Gespann massiv zu schaffen macht. Wer sich mal eine Nase "Phnom Penh-Luft" genehmigen will, der stelle im Hochsommer eine Bio- und eine Restmuell-Tonne einen Tag lang in die Sonne und atme am Abend tief ueber den geoeffneten Tonnen ein. Mahlzeit! Kotzen gilt nicht. Die Position des naechsten Muellhaufens ist uebrigens ein Umstand, der neben der Ermittlung der Windrichtung unbedingt bei der Auswahl des Lokals fuer Mittag- oder Abendessen beruecksichtigt werden sollte!

Tagsueber fuehl ich mich hier eigentlich ganz gut aufgehoben (sofern ich das jetzt nach einem Tag beurteilen kann), und abgesehen von den unumgaenglichen "Hello Sir! Want tuk-tuk?"-Rufen der Fahrer lauert hier an sich wenig Ungemach. Anders sieht das bei nacht aus, prinzipiell ab Einbruch der Dunkelheit. Obwohl mein Lonely Planet meint, dass Phnom Penh an sich eine recht sichere Stadt sei, empfinde ich das hier vor Ort ein bisschen anders. OK, der Lonely Planet nennt auch ein paar Viertel, in denen man sich speziell nachts nicht blicken lassen sollte, und gibt zu, dass es bis heute vereinzelt zu naechtlichen Ueberfaellen auf Touristen kommt. Alles Dinge, die dazu beitragen, dass ich mich nicht unbedingt nachts alleine rumtreibe. Als ich heute nachmittag im Cafe sass hab ich draussen zum ersten Mal in meinem Leben reale Schuesse gehoert - keine Ahnung was da los war. Aber trotz massiver Kampagnen zur Abruestung in der kambodschanischen Bevoelkerung (u.a. ein Programm der Europaeischen Union) sind noch Unmengen an Schusswaffen und sonstiger Munition in Privatbesitz. Und wenn dann zwei betrunkene Khmers aneinander geraten, dann hat auf einmal einer eine Waffe in der Hand und der andere ein Loch im Bauch. Passiert hier wohl taeglich. Und so sind eben auch naechtliche bewaffnete Ueberfaelle auf Touris keine Seltenheit, was den Aufenthalt hier nicht gerade bereichert...

Mit Waffen in Kambodscha hab ich mich uebrigens auch vorgestern an meinem letzten Tag in Siem Reap beschaeftigt. Da war ich naemlich im Landminen-Museum. Zugegeben, ich hatte mir das etwas anders vorgestellt, aber Minen in Glasvitrinen und klimatisierte Ausstellungsraeume haetten vermutlich nicht die Eindringlichkeit besessen wie der Bretterverschlag, in dem auf ein paar Holzplanken und auf dem Sandboden (entschaerfte, aber echte!) Minen rumliegen. Das Museum wird von Aki Ra gefuehrt, einem kambodschanischen Minensucher, der hier auch Kindern und Jugendlichen ein Zuhause gegeben hat, die entweder ihre Eltern durch Minen verloren haben, oder deren Verwandschaft sich das Durchbringen eines durch Minen verstuemmelten (und somit nicht ausreichend arbeitsfaehigen - krass, aber Realitaet!) Kindes nicht leisten kann. Diese fuehren den Besucher dann durch die Ausstellung und koennen viel Interessantes zu den einzelnen ausgestellten Minentypen erzaehlen. Dazu koennen (und wollen) sie aber natuerlich ihre ganz persoenliche Geschichte erzaehlen. Hak beispielsweise, der mich rumgefuehrt hat, hat vor sechs Jahren im Alter von 8 mit seinen beiden Geschwistern auf einem als minenfrei geltenden Reisfeld gespielt, als eine Mine sowohl den Bruder als auch die Schwester in den Tod und Haks rechtes Bein abgerissen hat.

Was hab ich aus diesem Besuch mitgenommen? Nach allem was ich gesehen habe, und gelernt habe wie ausgefeilt Minen darauf ausgelegt und dafuer konstruiert sind, Schaden anzurichten, vor allem das Gefuehl, dass es wirklich beschaemend ist, wie krank der Mensch im Kopf sein kann! Schaetzungen gehen davon aus, dass alleine in Kambodscha noch 6 bis 7 Millionen Landminen vergraben sind. Wenigstens weiss man ungefaehr wo, naemlich vor allem im Grenzgebiet zu Thailand, wo sich die Khmer Rouge zuletzt verschanzt hatten. Dennoch sterben pro Tag 3 Menschen in Kambodscha an der Folgen von Landminen oder werden verstuemmelt. Im Jahr 2007...

10 Mai 2007

Angkor inside

Was erwartet den Besucher in Angkor? Die Antwort darauf ist natuerlich in unendlich vielen Reisefuehrern, Kunstfuehrern, und Reiseberichten zu finden. Aber entspricht das dort wiedergegebene Bild wirklich der Realitaet? Sind die beeindruckenden Tempelanlagen, die einzigartigen Sehenswuerdigkeiten und die unvergleichbare Stimmung wirklich alles, was den Besucher erwartet?

Von meiner Seite aus ein ganz klares Nein!

Die Tempel von Angkor (und natuerlich die anderen, in der naeheren und weiteren Umgebung verteilten Anlagen) sind mit die Hauptgruende, wenn nicht ueberhaupt der einzige Grund, warum Kambodscha nach dem Ende des Terrors durch die Khmer Rouge in den neunziger Jahren wieder auf der Landkarte des internationalen Tourismus aufgetaucht ist, als es also wieder halbwegs sicher war, das Land zu betreten. Seitdem hat sich hier vieles getan. Mit "hier" meine ich in diesem Zusamenhang allerdings nicht Kambodscha (das ist wieder ein anderes Thema, gepraegt von den Stichworten "auslaendische Hilfs-Gelder", "regionale Disparitaeten" und "Korruption" und deren bisweilen anstoessigen Zusammenhaengen), sondern zunaechst mal nur Siem Reap, das durch seine Lage etwa 15 Kilometer suedlich von Angkor Wat (und damit dem "Epizentrum" des Interesses der meisten Touristen) als Tor nach Angkor fungiert. Da aber anfangs verstaendlicherweise keinerlei Infrastruktur vorhanden war, um die Gaeste zu beherbergen und zu bewirten (es war generell keine Infrastruktur vorhanden!), wurde diese binnen kuerzester Zeit, groesstenteils ungeplant und unkoordiniert und mit auslaendischen Geldmitteln aus dem Boden gestampft. Parallel zur Riege der grossen und teuren Hotels (allerdings keine westlichen Ketten a la Hilton, Sheraton oder Club Med!) ist aber auch eine Vielzahl kleiner Hotels und Guesthouses unter kambodschanischer Regie und Leitung entstanden.

Jetzt koennte man sagen: Super, der Tourismus fungiert als Wachstumsmotor fuer die Region und generiert Beschaeftigung und Einkommen in der Region. Ein Stueck weit stimmt das auch. Aber eben nur ein Stueck weit. Der Teil der Bevoelkerung, der kein Stueck vom grossen, profitablen Kuchen namens "internationaler Tourismus" abbekommen hat, beispielsweise, weil er kaum genug Geld hat, um die eigene Familie zu ernaehren, geschweigedenn ein Hotel zu bauen und zu fuehren, hat nach wie vor das Nachsehen. Bestimmt ist es einem Teil gelungen, wenigstens Jobs in den touristischen Einrichtungen zu bekommen (bspw. als Personal in Hotels oder der Gastronomie, am Bau oder als Fuehrer oder Restaurator in Angkor), allerdings ist diese Moeglichkeit verstaendlicherweise auch wieder beschraenkt auf den Teil der Bevoelkerung, der sowohl ueber die noetige Bildung verfuegt (speziell bei den letztgenannten Beschaeftigungsfeldern), als auch die passenden auesseren Bedingungen vorfindet - denn eine Familie laesst sich mit dem Geld aus den meisten dieser Jobs sicherlich nicht versorgen. Der Grossteil der Bevoelkerung verfuegt zudem noch ueber landwirtschaftliche Nutzflaechen oder Nutzvieh, die betreut werden muessen, was einen Vollzeitjob unmoeglich macht.

Wie aber koennen diese Menschen trotzdem von den Touristen profitieren? Wenn ich mir die Verteilung der "Beschaeftigten" hier so anschaue (rein subjektiv "anschaue" im wahrsten Sinne des Wortes, konkrete Zahlen liegen mir natuerlich nicht vor!), dann liegen zwei Antworten ganz klar auf der Hand: Fahren oder betteln.

Es ist so gut wie unmoeglich, durch Siem Reap (oder auch auf dem Gelaende von Angkor) zu laufen, ohne alle paar Meter ein motodop oder ein tuk-tuk angeboten zu bekommen. Motodops sind einfach nur Motorroller, auf denen man mitfahren kann (Touristen jeweils nur einzeln, waehrend die Khmers schon mal 4-5 Leute auf einen Roller packen), tuk-tuks sind hier Motorroller mit einem kleinen selbstgebauten Anhaenger, auf dessen ueberdachten Sitzbaenken 2-4 Personen sitzen koennen. Waehrend erstere recht guenstig sind (bspw. etwa 7-10 US-Dollar fuer einen ganzen Tag), haben letztere den enormen Vorteil, dass sie wenigstens fuer die Dauer der Fahrt Schutz vor den unerbittlichen Elementen (Regen, Sonne) bieten, dafuer aber so um die 10-15 Dollar am Tag kosten. Das kann sich aber natuerlich rechnen, wenn man beispielsweise du zweit oder zu dritt reist - vier Personen muessen sich (soweit ich das sehen konnte) schon ganz schoen zusammenquetschen, was auf laengeren Strecken (teilweise bis zu 50km!) bestimmt nicht sehr angenehm ist. Ich sprech da ja ein bisschen aus Erfahrung von meiner Anreise... Rein der Vollstaendigkeit halber sei hier noch ganz kurz eine dritte Moeglichkeit des Transports zu und zwischen den Tempeln erwaehnt: Das gute alte Fahrrad. Ist bei vielen Guesthouses zu mieten und kostet dann zwischen 1 und 2 Dollar pro Tag. Nun aber wieder zurueck zum eigentlichen Thema! Die Fahrer sind zwar auf die Dauer ein bisschen nervig, aber keineswegs laestig und auch nicht wirklich aufdringlich.

Ganz anders verhaelt es sich da schon mit den Bettlern. Allerdings ist das ein ganz schwieriges Thema, und eine Sache, die mich hier sehr beschaeftigt. Ich schaetze mal 99% sind Kinder, 98% wollen dir etwas verkaufen, und fuer garantiert 100% von ihnen ist das die einzige Moeglichkeit, ein bisschen Geld zu machen, damit ihre Familie ueberhaupt von etwas leben kann. Wenn ich hier schreibe, dass sie etwas verkaufen wollen, dann handelt es sich in der Regel um Postkarten oder Buecher, entweder ueber Angkor oder Reisefuehrer. Heute vormittag war ich bei ein paar etwas abgelegeneren Tempeln (Roluos-Gruppe), dort wollten mir die Kinder staendig Orchideen-Blueten verkaufen.

Wo aber liegt nun das Problem? Nun, zunaechst ist es mal die schiere Menge, die den unbedarften Besucher (mich!) total ueberfordert. Aehnlich wie bei den oben angesprochenen Fahreren vergeht keine halbe Minute, in der kein Kind zu einem kommt. Das fuehrt auf die Dauer unweigerlich dazu, dass es beginnt, einem auf die Nerven zu gehen. Ausserdem bringt es einen natuerlich in die bloede Situation, dass man schwerlich einem Kind etwas abkaufen kann, waehrend man die anderen stehen laesst. Das ist schon bei der Auswahl des Restaurants (a.k.a. "food stall") schwierig - die liegen naemlich bei den grossen Sehenswuerdigkeiten meist in 10er-Gruppen (oder mehr) unmittelbar nebeneinander, und beherbergen eine Schar geschaeftstuechtiger Ladies, die mit lauten Willkommensgruessen um deine Aufmerksamkeit buhlend auf dich zu rennen, sobald du dich der jeweiligen Fressmeile mehr als 200 Meter annaeherst. Und da hab ich mir schon so manches virtuelles blaues Auge geholt, als ich mich letztenendes natuerlich immer fuer eine und gegen alle anderen entscheiden musste - wenn Blicke toeten koennten... Egal, wieder zurueck zum Thema! Das dritte Problem mit den bettelnden Kindern ist, und das ist eine der Sachen, die das Thema in meinen Augen so schwierig machen, dass auch sie versuchen, dich zu verarschen. Ich hab zum Beispiel mal ein Gespraech mitbekommen, als ein Kind einer Touristin ein Buch fuer einen Dollar verkaufen wollte. Ich weiss nicht, ob sie ernsthaft interessiert war, oder ob sie nur versucht hat, ihn letztlich auf diese Weise loszuwerden, aber sie hat sich erstmal interessiert gezeigt und sich das Buch angeschaut. Kaufen wollte sie es dann aber letztlich nicht, und hat es dem Kind mit dieser Information zurueckgegeben. Der bestand nun aber auf seinem Dollar, der werde schliesslich fuer's Anschauen faellig! Sowohl mir als auch der Touristin blieb ob dieser dreisten Idee erstmal der Mund offen stehen. Allerdings war mir nun endlich klar, wieso die Kinder Reisefuehrer (bspw. Lonely Planet) und Kunstfuehrer (bspw. von National Geographic) fuer einen Dollar verkaufen koennen - ich hatte eher mit Fakes gerechnet. Die hab ich inzwischen schon mehrfach gesehen, auch in Thailand. Von aussen sehen diese Imitate taeuschend echt aus, und auch inhaltlich sind sie identisch mit dem Original. Das liegt daran, dass es schlicht und einfach Kopien sind! Da stellt sich dann jemand mit einem Original an einen Kopierer, kopiert Seite fuer Seite, bindet das professionell, packt einen hochwertig und echt aussehenden Einband drum und fertig! Klingt extrem aufwaendig, scheint sich aber zu rechnen - klar bei den suedostasiatischen "Personalkosten"... Speziell im Fall der Lonely Planet-Reisefuehrer ist das aber etwas problematisch, da die Landkarten praktisch unleserlich sind. Egal, zurueck zum Thema! Nicht zuletzt ist es auch deshalb schwer, die bettelnden Kinder nach einer gewissen Zeit regelrecht als Stoerfaktor zu empfinden, weil sie extrem hartnaeckig und bisweilen richtig aufdringlich sind, einem minutenlang hinterherlaufen, am Arm packen, sich einem in den Weg stellen und so weiter.

Wie oben schon einmal angesprochen, ich finde dieses Thema extrem schwierig, und mache mir hier (zugegebenermassen auch notgedrungen!) viele Gedanken darueber. Denn wie geschildert sind die Kinder einerseits eine regelrechte Plage, auf der anderen Seite sind sie aber in der Tat bettelarm (ich finde den englischen Begriff "dirt-poor" aufgrund seiner Metaphorik absolut zutreffend) und von den Gaben der Touristen (mir!) abhaengig. So ist es jedes Mal eine innere Zerreissprobe, nichts zu geben beziehungsweise zu kaufen. Anfangs hat bei mir (verstaendlicherweise?) das Mitleid ueberwogen, aber erstens tritt irgendwann die besagte Uebersaettigung ein, und zweitens gelangt man irgendwann zu der Klarheit, dass man die Kinder schneller wieder los wird, wenn man sich nicht hinreissen laesst, ihnen freundlich "No, thank you." zu sagen. In meinen Augen ist es zwar das Mindeste das sie verdient haben, naemlich wahrgenommen zu werden, fuehrt aber leider dazu, dass man sie ueberhaupt nicht mehr los wird. Und so bin auch ich inzwischen dazu uebergegangen, sie weitestgehend zu ignorieren, rufe ihnen aber jedes Mal ein gedachtes "Hey, tut mir leid!" nach... Das klingt jetzt vielleicht hart und unmenschlich, und so fuehle ich mich dabei auch, aber es ist wirklich der einzige Weg, hier nicht wahnsinnig zu werden... Schlimm!

Puh, schwieriges Kapitel! Wahrscheinlich werden mich und mein Handeln die wenigsten Leute verstehen, die das lesen, aber die, die so etwas schon einmal selbst erlebt haben, geben mir moeglicherweise recht. Hier unter den Touristen in Siem Reap (mit denen ich ueber das Thema gesprochen hab) ist es jedenfalls der Konsens, was meinem Gewissen ein bisschen Ruhe zugesteht - auch wenn es die moeglicherweise nicht verdient hat.


Nach so viel "schweeerer Kost" (V. Klitschko) hier noch ein kleines Quiz fuer Angkor-Besucher. Es geht darum, zu verstehen, was einem die Person verkaufen will, die einem die folgenden, hier in den Zeichen des phonetischen Alphabets wiedergegebenen, Saetze beziehungsweise Laute entgegenrufen. Mal sehen, wer zuerst alle Ausrufe dekodieren kann, bekommt moeglicherweise einen kleinen Preis. Auf jeden Fall werde ich spaeter noch eine Aufloseung nachliefern, die Angkor-Besuchern in Zukunft ausgedruckt und in der Hosentasche mitgefuehrt das Leben leichter machen koennte. Ich bin oftmals nicht auf Anhieb drauf gekommen, was mir da im einzelnen angeboten wurde...

1. hɛlloˈsœː!
2. samsiniiːtˈsœː?
3. wonnbai cõlˈdriŋsœː?
4. wonnbai ˈpaiːnɛppøsœː?
5. wonnbai ˈkokonaːsœː?
6. wʌnnˈdʌːlʌ!
7. naiˈfuːdsœː?
8. ˈgaibukːmistʌː?
9. ˈlʊkatmaiˈpoːskʌː?
10. ˈpliː?

Manche sind etwas einfacher, manche etwas schwieriger. Viel Erfolg!

05 Mai 2007

Angkor

Was soll ich sagen?! Ich koennte hier jetzt seitenweise erzaehlen und schwaermen, aber wozu sollte ich? Nichts wuerde auch nur annaehernd beschreiben, wie faszinierend schoen Angkor wirklich ist. Drum lass ich's einfach und empfehle jedem, einmal im Leben die mehr oder weniger beschwerliche Reise nach Kambodscha auf sich zu nehmen und das Wunder "Angkor" mit eigenen Augen zu bestaunen.

Was war heut sonst noch? Oehm, nicht viel eigentlich. Das Wetter hat heut ganz passabel mitgespielt und uns erst am Abend eine Dusche spendiert - die ich als "das-Wetter-beobachtender" Mensch vorhergesehen habe und mich dafuer extra nochmal nach Angkor Wat hab bringen lassen. Bin in der Folge um einige Eindruecke und ein paar recht spezielle Bilder reicher. Den restlichen Tag ueber hat die Sonne wiedermal nicht mit ihrer Power hinter'm Berg gehalten und meinen Fluessigkeitskonsum so wieder ueber die 6l-Marke gebracht. Neben viel trinken hab ich heute aber auch viel gegessen. Lecker die Khmer-Kueche! Heut frueh gab's kyteaw, eine Reisnudel-Suppe mit viel Gemuese und wahlweise auch Fleisch, mittags Gemuese aus dem Wok mit gebratenem Huehnchen und (natuerlich!) Reis und als Nachmittagssnack hab ich mir dann nochmal eine Portion Reis mit Gemuese aus dem Wok gegoennt. Heut abend war ich amok essen. Das bedeutet nicht, dass man waehrend des Essens diverse Leute umbringt, sondern ist die Spezialitaet der kambodschanischen Kueche. Konkret handelt es sich dabei um eine Art Fisch-Curry mit Kokosmilch und diversen anderen, mir nicht namentlich bekannten Ingredienzien sowie diversen Gewuezen und Kraeutern. Wird normalerweise in einer Kokosnuss serviert, ich hab meine Portion allerdings in einem Schuesselchen aus Bananenblaettern bekommen - auch OK. Und lecker!! Und was echt der Wahnsinn ist, ist die Groesse der Portionen hier. Da musste ich grad eben echt ein bisschen kaempfen, und heut nachmittag hab ich ein bisschen Reis von dem knappen Kilo uebrig gelassen, das mir vorgesetzt wurde.

Fazit: Fuer kulinarische und kulturelle Genuesse wird hier in Kambodscha, beziehungsweise speziell in Angkor in ausreichendem Masse gesorgt, mir geht's dementsprechend hervorragend! Mal sehen wie das morgen aussieht, denn ich hab meinen motodop-Fahrer fuer 5.15 Uhr bestellt - will mir naemlich den Sonnenaufgang ueber Angkor Wat ansehen. Da ich allerdings nicht der klassische Fruehaufsteher bin, wird das eine interessante Geschichte. Und zudem geht natuerlich auch die Wetter-Lotterie morgen wieder in eine neue Ziehung...

04 Mai 2007

T(ha)ime to say good bye...

... oder: Jom-rib suah Kambodscha!

Nach 45 Tagen war es allmaehlich an der Zeit, Thailand zu verlassen und ein neues Land kennenzulernen. Also hiess die Devise: Auf in den Osten, ab nach Kambodscha. Da ich keinen gesteigerten Wert auf einen ultra-moerder-langen Reisetag hatte, auf den die 1-Tages-Version Bangkok-Siem Reap hinausgelaufen waere, hab ich mich entschieden, gemuetlich einen Bus am (Nach-)Mittag ab Bangkok nach Aranya Prathet zu nehmen, um dort eine Nacht zu verbringen, und dann am naechsten Morgen ganz in der Frueh ueber die Grenze zu gehen, wenn noch nicht so viel los ist.

Das hat so weit auch ganz gut geklappt, an der Grenze war bei meiner Ankunft noch so gut wie nix los - jedenfalls in Richtung Kambodscha, die Gegenrichtung war gut frequentiert. Ausreise aus Thailand war erwartungsgemaess unproblematisch und eine Sache von 30 Sekunden. Dann Rueber nach Kambodscha und Visum organisieren. Das Formular auszufuellen ist keine grosse Kunst, etwas mehr Geduld erfordert es dann schon, das Visum fuer 20 US-Dollar zu bekommen, anstatt fuer 1.000 Thai-Baht (was erheblich mehr ist!). Mein Beamter hat sich strikt geweigert, und mich darauf verwiesen, dass es nur noch in den Botschaften moeglich sei, mit Dollar zu bezahlen, an der Grenze wuerden nur noch Baht akzeptiert. Ist natuerlich Unsinn! Darauf hab ich ihn dann auch mehrfach freundlich hingewiesen, auch unter Verweis auf das grosse Schild, dass ueber seinem Schalter hing, und das ganz deutlich von 20 Dollar, nicht aber von 1.000 Baht fuer das Touristenvisum spricht. Er hat mich dann erstmal eine Viertelstunde lang ignoriert. Gut, hab ich mir gedacht, schauen wir doch mal, wer laenger warten kann: Du auf weitere Kundschaft (war naemlich alleine da, drum konnte er mich nicht wegschicken) oder ich auf mein mir rechtmaessig fuer 20 Dollar zustehendes Visum. Um's kurz zu machen: Ich hab gewonnen. Und dabei sogar noch seinem Helfershelfer, wo der Ausgang ist, als der mir erklaeren wollte, dass es 100 Baht Bearbeitungsgebuehr kostet, wenn man in Dollar bezahlt. Klar!

Nunja, als ich schliesslich mein Visum hatte, bin ich weiter zum Einreise-Haeuschen, hab dort die gleichen Angaben nochmal in ein anderes Formular gemacht, wurde kurz fotografiert (nihct dass ich mit dem Visumsantrag schon ein Passfoto abgegeben haette...) und hab kurz darauf ohne jegliche Geldforderungen (!!) meinen Einreisestempel bekommen. Jetzt darf ich mich also vier Wochen in Kambodscha aufhalten.

Dann aber ging das eigentliche Abenteuer des Tages los: Der Weg von Poi Pet nach Siem Reap. Das sind eigentlich nur ca. 140 km, aber dank der Machenschaften der kambodschanischen "Taxi-Mafia", die den Preis fuer diese Fahrt auf voellig ueberzogene und unverschaemte 60-80 US-Dollar hochgetrieben hat, und dem Zustand der Strassen ist das echt ein groesseres Vorhaben. Von letzterem konnte ich mich gleich vor Ort in Poi Pet ueberzeugen, denn hier stand der Matsch zentimeterhoch. Generell hat mich Poi Pet ganz schoen schockiert. Ich hab ja wirklich mit allem gerechnet, und mir nach dem Lesen diverser Artikel und Reiseberichte auch schon die wildesten Bilder im Kopf ausgemalt, aber was ich dort gesehen habe, ist echt mit Abstand das abgrundtief erbaermlichste und armseligste, was ich je gesehen hab, und liegt weit jenseits meiner Vorstellungskraft. Solche Bilder kenne ich sonst nur von Reportagen aus Kriegs- oder Krisengebieten, aber dort sieht es verdammt nochmal immer so aus! Absolut unvorstellbar. Und ich habe auch noch nie so viel Armut so offensichtlich und in so unvorstellbar gorssem und schlimmem Ausmass gesehen. Das sind Bilder, die bleiben...

Ab Poi Pet wollte ich eigentlich mit einem Pickup nach Sisophon und dann mit einem anderen weiter nach Siem Reap. Nachdem ich recht schnell einen Motodop-Fahrer gefunden hatte, der mich weg vom unmittelbaren Grenzuebergang bringt, hat der mich (entgegen meinen Angaben) erstmal zum "Mafia"-Taxistand gebracht. Da hab ich ihn dann zum wiederholten Mal drauf hingewiesen, dass ich einen Pickup will. Daraufhin hat er mich dann zum Glueck gleich zur richtigen Stelle gebracht, wo auch schon ein picke-packe-voller Pickup rumstand. Da wurde ewig rumdiskutiert, bis mir letzlich verkuendet wurde, dass er voll sei. Nach fast einer Stunde rumstehen, mit verschiedenen Leuten "reden", Mafiosi abwimmeln und im Matsch versinken hab ich mich dann ueberreden lassen, den Vordersitz in einem Non-Mafia-Taxi fuer 300 Baht bis Sisophon zu kaufen. Natuerlich sollte ich vor Reisebeginn zahlen, was ich aber natuerlich nicht gemacht hab. Ich hatte den sitz dann tatsaechlich fuer mich, mein grosser Rucksack war im Kofferraum (riecht jetzt ein bisschen nach Jackfruit). mein kleiner bei mir, und hinten auf der Ruecksitzbank waren weitere fuenf Leut untergebracht.

Ich hatte es also eigentlich recht bequem, allerdings war die Strasse die Hoelle und das Auto absolut nicht dafuer geeignet. Da es schoen die ganze vorige Nacht durchgeregnet hatte, war alles komplett aufgeweicht und die "Strasse" (a.k.a. Schotterpiste, Feldweg, Schlagloch-Sammlung ...) unter knapp 10cm Matsch versteckt... Dazu besagte Schlagloecher, der ein oder andere Steinbrocken, Gegenverkehr aus allen Richtungen - lustig! Aber wenigstens war der Kuebel klimatisiert, die Sonne hat naemlich inzwischen draussen Vollgas gegeben - waehrend wir mit geschaetzten 10-50 km/h vorwaerts gekommen sind - der Tacho ging nur sporadisch.

Naja, nach eineinhalb Stunden waren wir in Sisophon (geschuettelt, nicht geruehrt!), wo das Auto von 20 oder 30 wild durcheinander bruellenden und einander wegschubsenden Maennern umringt wurde, die uns alle (nicht nur mich, aber mich natuerlich am liebsten!) zur Weiterreise mit ihnen ueberreden wollten. Ich hab mich davon aber nicht irritieren lassen, sondern hab meinen Rucksack genommen, den Fahrer bezahlt (7 Dollar, das kommt in etwa hin auf 300 Baht, die ich natuerlich nicht mehr hatte - aber das brauchte der Typ ja nicht vorher zu wissen...), und bin in richtung "Pickups nach Siem Reap"gelaufen. Dort hab ich mir dann den vollsten ausgesucht (wollte ja nicht ewig warten, bis der voll wird...), ein bisschen gehandelt und schliesslich den vordersitz fuer weitere 300 Baht erstanden. Tja, aber mit "Truck ist voll, also koennen wir eigentlich fahren" war's dann trotzdem erstmal nix. Nachdem die Kiste zweimal umgeparkt wurde, standen wir geschlagene zwei Stunden einfach nur rum. Worauf wir (bzw. der Fahrer) gewartet haben, ist mir ein Raetsel: Die Ladeflaeche war schon gesteckt voll, als ich da auftauchte, und auf der Rueckbank sassen nach knapp 30 Minuten auch fuenf Personen (plus ein Baby und diverses Gepaeck natuerlich...)

Nach besagten zwei Stunden ging's dann aber endlich los und die Strasse war auch erstmal ein bisschen besser als die von Poi Pet nach Sisophon. Erstmal... Nur gut, dass wir diesmal einen Pickup hatten, denn der Toyota waere bei der Piste garantiert draufgegangen! Ich hab mir immer nur ueberlegt, was grad hinten auf der Ladeflaeche abgeht, wenn's uns vorne in unseren Sitzen schon so ordentlich durch die Gegend haut! Aaaber, einen hab ich noch: Natuerlich hat's dann irgendwann wieder angefangen zu regnen. Und zwar so richtig Subtropen-Regenzeit-Regen! Land unter! Sowohl was die Strasse angeht, als auch die Leut auf der Ladeflaeche. Obwohl unser Fahrer ihnen eine grosse Plastikplane gegeben hat, was (soweit ich das bei den uns entgegenkommenden Fahrzeugen sehen konnte) wohl sogar ganz praktikabel funktioniert. Bei uns im Auto war's fast trocken, aber die tuerdichtungen waren wohl auch nimmer die Neuesten. Egal, beim Fahrer hat's mehr reingeregnet als bei mir, und das hielt sich echt in Grenzen. Mit all diesen Widrigkeiten hat die reine Fahrtzeit von Sisophon nach Siem Reap dann dreieinhalb Stunden betragen.

Fazit: Meine Beine tun weh, mein Kopf erst recht, ich muss dringend mal duschen und ich bin absolut todmuede. Und ich bin um einige Erfahrungen und Eindruecke reicher, von denen ich nicht behaupten kann, dass ich sie unbedingt mitbekommen wollte - aber jetzt im Nachhinein bin ich dankbar fuer diesen Sprung ins kalte Wasser "Kambodscha". Ich weiss nicht, ob ich diese Tour nochmal machen wuerde, wenn ich wieder mal von Thailand nach Kambodscha wollte. OK, natuerlich kann man das auch einfacher haben, und 60-80 Dollar fuer ein Mafia-Taxi zahlen, das einen klimatisiert und alleine im Auto von Poi Pet bis nach Siem Reap bringt. Aber erstens ist auch das kein Kinderfasching (Preis verhandeln, bist du wirklich alleine im Auto und bleibst es auch ueber die gesamte Strecke?, kommst du zum Guesthouse deiner Wahl oder entscheidet der Fahrer, wo du schlaefst?) und zweitens erspart es einem weder die Grenzformalitaeten (Visum, Einreise) noch die hoellischen Strassenverhaeltnisse. Und fuer's gleiche Geld kann man auch schon von Bangkok (Don Muang Intl') nach Siem Reap (Angkor Intl') fliegen...