Mission: Visa-run!
Als Deutscher komme ich (so wie Staatsbuerger aus 42 anderen Laendern auch) in den Genuss, ohne Visum nach Thailand einreisen zu koennen, und dann auch 30 Tage lang im Land bleiben zu duerfen. Das nennt sich dann "visa upon arrival" und wird automatisch bei der Einreise in den Ausweis gestempelt. Ausgezeichnet! Mein "Visum" (es ist ja eigentlich keins, ich nenn's im Folgenden trotzdem so) hab ich am 19. Maerz ausgestellt bekommen, demzufolge war es bis zum 17. April gueltig. Offiziell ist das thailaendische "visa upon arrival" nicht verlaengerbar. Klar, sonst koennte sich ja jeder, der berechtigt ist, eins zu bekommen, ewig im Land aufzuhalten. Es gibt aber einen Weg, trotzdem laenger im Land bleiben zu koennen, ohne ein Touristenvisum zu kaufen - das wuerde fuer 60 Tage 30 US-Dollar kosten. Der Trick ist einfach, das Land fuer kurze Zeit zu verlassen, um dann gleich wieder einzureisen.
Da ich mich bis zum 15, April noch in Chiang Mai aufgehalten hatte, bestand nun dringender Handlungsbedarf. Ich hatte das zwar alles schon im Vorfeld geplant und durchdacht, aber dass es mal wieder so auf den letzten Druecker passieren wuerde war eigentlich nicht geplant. Aber war ja eigentlich klar, oder?! Naja, ich hatte mir schon vorher ueberlegt, dass der Grenzuebergang Mae Sai-Tachileikh unter Umstaenden ganz gut geeignet waere, weil ich ohnehin noch ganz rauf in den Norden wollte, um in Chiang Rai oder der Umgebung ein bisschen Natur zu erleben. Und die ganze Sache mit dem "kurz mal ausreisen" macht natuerlich auch nur Sinn, wenn man in dem Land, in das man "kurz ma einreist" selbst kein Visum erfordert. Und das ist speziell an besagtem Grenzuebergang der Fall.
Nun ist es allerdings beileibe nicht so, dass ich fuer Myanmar kein Visum brauechte! Nein, ich darf eigentlich noch nicht mal auf dem Landweg einreisen. Tachileikh ist aber eine Sonderzone, fuer die Touristen eine 1-Tages-Aufenthaltserlaubnis bekommen koennen. Es ist auch moeglich, 14-Tage-Genehmigungen zu bekommen, die dann auch sehr eingeschraenkte Bewegungen im naeheren Umkreis der Stadt erlauben (das Maximum ist eine Fahrt nach Kengtung, etwa 160km von Tachileikh). Aber darum ging's mir ja gar nicht, ih wollte einfach nur ein neues Visum fuer Thailand.
Und so bin ich dann am 16. April mit dem Bus von Chiang Mai via Chiang Rai nach Mae Sai gefahren. Was gibt's in Mae Sai? Ausser der Grenze? Nichts. OK, einen recht umfangreichen und gut sortierten Markt, auf dem all die Burmesen, die tagtaeglich ueber die Grenze pendeln ihr Zeug verkaufen. Aber sonst wirklich gar nichts... Naja, ein bisschen schoene Landschaft. In dieser schoenen Landschaft hab ich mir dann auch ein Guesthouse gesucht - also etwas ausserhalb der eigentlichen "Stadt", aber nur knapp 15 Minuten zu Fuss.
Und am 17. April (wie gesagt: Letzter Druecker - wie ueblich bei mir!) hab ich dann die Mission "Visa-run" gestartet - so nennt man dieses "inoffizielle Verlaengerungsverfahren" im Backpacker-Jargon... Also erstmal offiziell aus Thailand ausgereist und schen drauf geachtet, dass ich auch einen Ausreisestempel bekomme. Dann rueber ueber die Bruecke (=Grenze) und rein ins Touri-Immigrationbuero auf burmesischer Seite. Da musste ich dann ein paar Minuten warten, weil vor mir noch eine Gruppe Franzosen dran war. Dann wurde ausgiebigst mein Pass und das abgelaufene Thai-Visum studiert, woraufhin ich an den naechsten Tisch gebeten wurde. Da wurden dann die Daten aus meinem Pass in den Compter uebernommen und mit einer Mini-Webcam ein grottenschlechtes Bild von mir gemacht, auf dem mich vermutlich nicht mal meine engeren Verwandten erkennen wuerden. Egal, das alles wurde dann in einen "Aufenthaltserlaubnis-Pass" gedruckt, mit dem ich wiederum zurueck zu Tisch Eins geschickt wurde. Dort wurden dann nochmals akribisch die Daten abgeglichen, ehe mein Ausweis in einer Schulbade verschwand und ich mit einem "Please mister!" besagten Pappkarton ausgehaendigt bekam, der mir den Aufenthalt in diesem reizenden Land ermoeglichte... Fein fein!
Tachileik selbst war nicht nur uninteressant, sondern tod-langweilig - erstaunlicherweise sogar noch langweiliger als Mae Sai auf der anderen Seite der Grenze, das ich daraufhin fast ein bisschen schaetzen gelernt habe. Mit echt-burmesisch essen war's auch nix, weil die Burmesen fast nur Thai-Restaurants leiten, um die ganzen Thais zu catern, die tagtaeglich angereist kommen, um illegale Waren (Pornos und dgl.) und andere Schmuggelware (Zigaretten, Drogen usw.) zu kaufen.
Drum hab ich dann auch nach einer guten Stunde wieder auf den Rueckweg nach Thailand gemacht. Das lief dann auch erfreulich unproblematisch: Wieder rein in's schon bekannte Buero, Aufenthaltserlaubnis abgegeben und Original-Ausweis wieder ausgehaendigt bekommen, der jetzt um einen weiteren Stempel reicher ist: Der Beweis, dass ich in Myanmar war, und das Argument fuer ein neues Thai-Visum! Aber haben die denn nicht gemerkt, dass mein Pass mehr als nur diese eine Seite fuer Visa hat...? Dann wieder rueber ueber die Grenzbruecke, Einreisekarte fuer Thailand ausgefuellt und ab zum Immigration-Schalter. Da wurden dann wiederum meine Daten in einen Computer gehackt und mehrfach abgeglichen bevor ich letztendlich den heiss ersehnten Stempel in meinen Ausweis bekam, der mir jetzt den Aufenthalt bis zum 16. Mai ermoeglicht!
Misson: Accomplished!
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