Songkhran
Wenn man Thais beim Ausrasten zuschauen will, und dafuer mehrere Tage braucht, dann sollte man unbedingt mal ueber Songkhran nach Thailand kommen - am besten nach Chiang Mai. Songkhran ist das thailaendische Neujahrsfest, und es hat sowohl eine traditionelle Komponente und eine, nunja etwas weniger traditionelle. Wobei das auch nicht so 100%-ig richtig ist, aber dazu spaeter mehr...
Der traditionelle Weg, das neue Jahr zu begruessen, fuehrt zunaechst mal die Familien zusammen, sofern sie an unterschiedlichen Orten leben sollten. Dann trifft man sich meist bei den Eltern, bei denen wiederum meistens auch die Grosseltern leben, und feiert dort. Das bedeutet im Speziellen, dass die Juengeren (meist die Enkel) den Aelteren (also ihren Grosseltern) mit einem extra dafuer zusammengemischten (und ueberall kaeuflich zu erstehenden) Blueten-Wasser-Oel-Gemisch die Haende waschen. Das Gleiche wird dann auch nochmal im Tempel gemacht, nur dass da die Buddhastatuen mit derselben Mischung symbolisch "gereinigt" werden. Des Weiteren bringen die Leute naterlich Opfergaben dar, entweder durch das Spenden von besonders gutem und reichhaltigem Essen an die all-morgendlich bettelnden Moenche, oder in Form von diversen Produkt-Paketen, die praktischerweise eimerweise ueberall verkauft werden. Nett finde ich auch den Brauch, eine Handvoll Sand mit zum Tempel zu bringen. Warum? Klar: Als Ausgleich fuer den vielen Sand und die Erde, die die Betenden im Laufe des vergangenen Jahres mit ihren Schuhen aus dem Tempelgelaende getragen haben. Der Sand wird dann aber nicht einfach auf dem Boden verteilt, sondern auf mehrere Haufen aufgeschuettet. Und dann startet sowas wie ein Sandburg-Bau-Wettbewerb fuer Erwachsene: Es werden mittels Wasser und Brettern (beides zwecks Stabilitaetssteigerung) Sand-Pagoden gebaut, die schliesslich noch mit Raeucherstaebchen und Faehnchen verziert werden.
Der andere Songkhran-Brauch hat seine Wurzeln unter anderem in der Tatsache, dass das thailaendische Neujahrsfest in der heissesten Zeit des Jahres stattfindet. Es ist wohl historisch nicht so ganz geklaert, ob es daran liegt, oder ob auch dieser Brauch eine Art "Reinigungs-Ritual" war - Fakt ist jedenfalls dass es in den Tagen vor, waehrend und teilweise auch nach Songkhran absolut unmoeglich ist, in Thailand trocken zu bleiben! Ueberall lauern naemlich Menschen mit Wasserpistolen, Eimern, Wassertonnen oder Schlaeuchen, um Passanten, egal ob zu Fuss oder auf der Strasse von oben bis unten nass zu machen. Besonders beliebtes Ziel sind (neben Auslaendern natuerlich) die Moped- und Motorradfahrer, was leider jedes Jahr immer wieder zu schweren Unfaellen fuehrt. Klar, wenn ich bei 50 km/h so ne Ladung Wasser ins Gesicht bekomm', dann koennte es schon passieren, dass ich die Kontrolle ueber mein Krad verliere...
Naja, eigentlich ist das alles ja ganz lustig - allerdings hatte ich persoenlich nach etwa zwei Tagen den Punkt erreicht, an dem das Fest von mir aus haette vorbei sein koennen. Aber nein - die Thais feiern und "splashen" mindestens drei Tage am Stueck (13. bis 15. April). Und mancherorts faengt das ganze eben gern schon auch mal ein paar Tage vorher an und hoert auch erst ein paar Tage spaeter auf. Und die Thais (und auch all die Touris, die extra deswegen nach Thailand kommen) verlieren auch am fuenften Tag nicht den Spass daran. Mir etwas unerklaerlich, aber was soll's... Chiang Mai ist dabei traditionell die Hochburg des "Songkhran-Soakings". Und so wie's in Muenchen Muenchner gibt, die sich die Tage fuer die Wies'n Urlaub nehmen, so gibt's auch Thais, die extra fuer Songkhran Urlaub nehmen und nach Chiang Mai kommen (weswegen uebrigens auch freie Zimmer in dieser Zeit Mangelware sind!).
Fotos habe ich von der ganzen Spritzerei natuerlich keine, da ich meine Kamera zumeist im trockenen und sicheren Hotel gelassen hab. Ich bin mal recht frueh morgens mit Kamera losgezogen und hab versucht, ein paar Impressionen des "traditionellen" Songkhrans in den Tempeln zu finden. Wovon ich leider auch keine Bilder habe sind die Umzuege, die an den drei Haupttagen stattfinden, und bei denen die Buddhastatuen Chiang Mais (die Umzuege gibt's natuerlich in allen Staedten!) mit viel Musik und Drumrum auf Saenften durch die Stadt getragen werden und von den Menschen mit dem oben schonmal angesprochenen Blueten-Oel-Wasser-Gemisch uebergossen oder bespritzt werden, um sie symbolisch zu reinigen. Ist an sich sehr schoen ud auch recht feierlich, aber da unmittelbar daneben die "weltliche" Spritzerei weitergeht, wollte ich meiner Kamera nicht dem Risiko aussetzen. Wer das mal sehen will, muss eben selber mal herkommen - ich kann Songkhran auf jeden Fall empfehlen. Mir persoenlich war es in Chiang Mai zwar etwas zu viel und vor allem zu lang, aber nichtsdestorotz ein Erlebnis.
Leider hatte ich waehrend der Woche, die ich letztenendes insgesamt in Chiang Mai war, ein kleines Gesundheits- und Stimmungstief (beides ueberwunden!), so dass ich einige Tage mehr oder weniger nur in meinem Hotelzimmer oder der unmittelbaren Umgebung des Guesthouses geblieben bin. Wie's der Zufall wollte, hatte ich in meinem Zimmer nicht nur einen kleinen Balkon, auf dem sich's hervorragend lesen liess, sondern auch einen Fernseher, und zwar mit DW-TV - also deutschem Fernsehen. So bin ich jetzt auch weltpolitisch wieder voll auf dem Laufenden (les' aber eh brav oefters mal sueddeutsche.de). Und dank eines suedafrikanischen Sportsenders konnte ich unerwarteterweise sogar den F1-Grandprix in Bahrain sehen - werbefrei, dafuer ohne Niki Lauda, Heiko Wasser und Christian Danner - und der klassische Krombacher-Spot hat auch irgendwie gefehlt...
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