Lopburi und die Sukhothais
Sukhothais? Gibt's denn mehrere? Genau genommen ja, naemlich das alte Sukhothai, wegen dem die ganzen Touristen (inkl. mir) dorthin fahren, und dann noch das neue Sukhothai, also der eigentliche Ort, der etwa 15km oestlich vom Sukhothai Historical Park liegt.
Nach Ayutthaya hat Sukhothai (also das alte...) natuerlich thematisch ganz gut ins Programm gepasst, allerdings leide ich schon unter den fruehen Symptomen eines wat-Overkills. Deswegen war der Historical Park trotz der beeindruckenden Groesse und der wirklich zahlreichen Sehenswuerdigkeiten teilweise doch etwas "too much"... Naja, ich hab mir ein Fahrrad gemietet (20 Baht am Tag - kann man ja mal machen!) und bin dann in ganz gemuetlichem Tempo von Tempel zu Tempel bzw. von Ruine zu Ruine gefahren, hab mich dort immer wieder mal laengere Zeit irgendwo hingesetzt (natuerlich in den Schatten - die 35 Grad dort reichen auch erstmal) und einfach die Atmosphaere genossen und mir die Touris angeschaut.
Dabei habe ich auch ein neues Feindbild entwickelt. Nachdem es speziell in Bangkok, aber auch in Ayutthaya eher die Russen waren, die mir aufgrund ihres Gebarens gehoerig auf den Zeiger gegangen sind, waren mir in Sukhothai erstmals die Franzosen ein echter Dorn im Auge. Rein zahlenmaessig konnte da eh keine andere Nationalitaet mithalten, aber die respektlose und teilweise echt unverschaemte Art unserer Nachbarn im Westen ihren Gastgebern (also den Thais) gegenueber war echt schwer zu toppen.
Da mir das dann alles ein wenig zu viel wurde, hab ich mich entschieden, dem Touri-Rummel ein bisschen zu entfliehen, indem ich eine kleine "Radtour" zu einem der etwas weiter entfernten Tempel gemacht habe. Die historischen Anlagen in Sukhothai sind naemlich nicht nur auf den Kernbereich innerhalb der alten Stadtmauer beschraenkt (etwa 1x1 km), sondern liegen auch in einem bis zu 5km grossen Radius darum verteilt. Der Tempel, zu dem ich gefahren bin, liegt nach etwa 4km Fahrt auf einem kleinen Huegel, der angeblich 200m hoch sein soll - mit viel Phantasie. Der Tempel namens Wat Saphan Hin an sich ist zwar recht unspektakulaer da nur noch partiell vorhanden, aber die Lage abseits vom Rummel (ich war dort komplett alleine) und eben auf dem Huegel haben das definitiv wieder wett gemacht. So hatte ich einen zwar etwas dunstigen aber dennoch schoenen Ausblick auf den Historical Park und die umliegenden Berge. Also die Tour war auf jeden Fall das Highlight des ersten Tages.
Wobei das ja eigentlich gar nicht mein erster Tag war, sondern genau genommen schon mein zweiter. Ich bin ja zuvor mit dem Nachtzug von Lopburi nach Sukhothai gekommen. Und beim Buchen dieses Nachtzuges hatte ich gehofft, da auch zum Schlafen zu kommen, um mir so unter anderem auch eine Uebernachtung zu sparen. Hatte ja schon viel ueber die thailaendischen Nachtzuege gelesen und auch aus erster Hand gehoert. So war ich also davon ueberzeugt, das Richtige zu tun. Bloederweise hat sich mein Nachtzug dann aber als ganz normaler 3rd class ordinary Zug (Marke Bummelzug mit Holzsitzen) entpuppt, und mein 2nd class-Ticket hat mich nur dazu berechtigt, auf einem der knapp 20 Polster-Liegesessel am Ende des Zuges Platz zu nehmen. Naja, besser als nix! Und ich hab sogar tatsaechlich ein oder zwei Stunden geschlafen in dieser Nacht - die Fahrt ging gut 6 Stunden (5,5 laut Fahrplan). Da es keine Klimaanlage gab, waren saemtliche Fenster die ganze Nacht ueber offen, mit dem Effekt, dass es tatsaechlich richtig kuehl wurde. Nur gut, dass ich meinen Pulli in weiser Voraussicht schon nach oben gepackt und so griffbereit hatte. Hab aber auch lange Stunden dieser Nacht auf der Kante des Wagens am Ende des Zuges verbracht, Beine rausbaumeln lassen und der Strecke hinter uns dabei zugeschaut, wie sie in der Nacht verschwindet. Recht romantisch, aber leider kaum erholsam. Und so war ich auch gut geraedert, als ich in Phitsanulok ankam, wo mich ein tuk-tuk dankenswerterweise recht unbuerokratisch zu dem von mir vorgeschlagenen Preis zum Busterminal gebracht hat. Dort dann den naechsten Bus nach Sukhothai rausgesucht und los ging's. Nach weiteren eineinhalb Stunden Busfahrt mit Stopps im 2-Minuten-Takt war ich dann am Busterminal von Sukhothai, das clevererweise ausserhalb der Stadt liegt. Und der Weg in die Stadt fuehrt damit nur ueber die tuk-tuk-Mafia, die da beim Bau garantiert ihre Finger im Spiel hatte... Egal, 40 Baht aermer und drei Hostels weiter (vielleicht sollte ich in Zukunft doch mal vorreservieren?) hatte ich ein Zimmer (lies: Bungalow) und konnte erstmal 3 Stunden schlafen - da war's auch immerhin schon 8 Uhr am morgen.
Und an dem Tag hatte ich dann wirklich keine Lust mehr, noch in den Historical Park zu fahren. Drum hab ich mir vorgenommen, die "neue" Stadt (Baujahr 1969, da der Vorgaenger von einem Grossfeuer zerstoert wurde) zu erkunden. Dieses Projekt konnte allerdings nach knapp einer Stunde und mit recht unbefriedigendem Ergebnis als komplettiert abgehakt werden. Sukhothai ist einfach nur eine kleine, haessliche thailaedische Kleinstadt (~40.000 Einwohner), die nichts, aber auch wirklich nichts zu bieten hat. Nichtmal der Markt war was besonderes...
Den zweiten Tag im Historical Park (also den dritten in Sukhothai) hab ich dann nach dem Erlebnissen des Vortages gaaaanz ruhig angehen lassen. Schoen ausschlafen, fruehstuecken, Hotel wechseln (vom J&J Guesthouse zum Baan Thai), dann mit dem Bus raus zum Historical Park, dort ein Fahrrad mieten, zweites Fruehstueck einnehmen. Und dann bin ich zum Wat Phra Pai Luang gefahren, der liegt im Norden unmittelbar ausserhalb der Stadtmauer und hat optisch echt einiges zu bieten. Dort und spaeter im Laufe des Tages am Wat Trapang Thong hab ich dann viel Zeit mit Im-Schatten-Sitzen-und-Lesen verbracht. Der letztgenannte Tempel ist uebrigens noch "im Gebrauch", da leben und arbeiten also auch Moenche. Denen hab ich neben dem Lesen ein bisschen bei ihrem Tagesgeschaeft zugeschaut, was auch sehr nett und interessant war. Und: Ich bin an diesem Tag kaum Touristen begegnet! Sehr gut...
Dafuer hab ich dann am fruehen Abend ein paar andere Backpacker getroffen, die genau wie ich den letzten Shuttle-Bus verpasst hatten und drum auf den Ueberland-Bus warten mussten. Man ist schnell ins Gespraech gekommen, und so hab ich Lauren aus Melbourne, Brian aus Boston und eine Deutsche aus Jena kennengelernt, deren Name mir leider wieder entfallen ist. Sie ist dann aber eh mit besagtem Bus gleich weiter nach Phitsanulok gefahren, wir drei wurden dagegen vor den Toren Neu-Sukhothais abgesetzt und durften so den restlichen knappen Kilometer laufen. Nachdem schnell klar war, dass wir den Abend gemeinsam verbringen wuerden, sind wir noch schnell zu Laurens Guesthouse bzw. Brians und meinem gegangen, um eine kurze Dusche zu nehmen. Meine Sachen hatte ich dort den Tag ueber unterstellen koennen, weil ich ja am Vormittag schon ausgecheckt hatte. Dann haben wir uns wieder bei Lauren getroffen, und dort auch noch Yann aus Frankreich, Jonny aus England und Yuusuke aus Tokio kenengelernt. Zu sechst ging's dann auf den Nightmarket zum Essen - auch wiedermal ein sehr lustiger Abend! Witzigerweise war keiner der anderen schonmal in Chiang Mai, obwohl das doch eigentlich einer der ersten Anlaufpunkte fuer Backpacker in Thailand sein soll...?! Naja, so konnte ich mir bloederweise auch keine Tipps abholen... Da Brian schon am naechsten Tag, Lauren, Jonny und Yann in drei Tagen aber auch dorthin wollen, wurde auf jeden Fall ein Wiedersehen in Chiang Mai vereinbart.
Wie vorhin schonmal ganz kurz erwaehnt war ich noch einen Tag lang in Lopburi, bevor ich mit dem Nachtzug nach Phitsanulok/Sukhothai gefahren bin. In Lopburi gibt's eigentlich nur zwei wirklich interessante Sachen zu sehen: Einberseits einen Palast mit einem Mix aus thailaendischem, Khmer- und europaeischem Baustil. Ist wirklich ganz witzig, man laeuft da so durch die recht weitlaeufige Anlage, vorbei an Thai-Salas und reichhaltig verzierten Gebaeuden im Khmer-Stil, und steht auf einmal recht unvermittelt auf einem Platz, der mehr an einen mediterranen Dorfplatz erinnert. Das kommt daher, dass Koenig Narai der Grosse, der im 17. Jahrhundert von dort aus regierte, regen Handel mit den Europaern betrieb, vor allem mit den Hollaendern. Daneben hat er sich aber auch Baumeister aus Italien und Frankreich geholt, die unter anderem dort das erste richtig funktionierende Kanalisationssystem Thailands gebaut haben. Und eben auch stilistisch ihre Finger beim Bau der Gebaeude im Spiel hatten.
Die andere "Sehenswuerdigkeit" Lopburis sind die Affen. Die bevoelkern zwei Tempel mitten in der Stadt. Und wir reden hier nicht nur von ein paar Tieren, sondern ganzen Horden! Angeblich handelt es sich wohl um zwei "Staemme", schreibt jedenfalls der Lonely Planet... Und die Viecher sind echt witzig! Sie bewegen sich zwar immer hart an der Grenze zwischen niedlich und nervig bzw. possierlich und aufdringlich, aber wenn man nicht so bloed ist, und Lebensmittel in ihre Naehe bringt, dann kann man eigentlich ganz gut mit ihnen zurechtkommen. Aber es gibt immer wieder Leute, die versuchen, die Affen mit Futter anzulocken, um so bessere Bilder zu bekommen. Das Anlocken klappt dann meistens besser als geplant, und wenn's bloed laeuft, nimmt der Affe nicht nur das fuer ihn gedachte Futter mit, sondern tuermt auch mit anderen Besitztuemern... Hab ich selber mehrfach beobachtet - bloed gelaufen...! Einige Bilder von den Affen hab ich in meinen Flickr-Fotostream gepackt.
Ach ja, falls dieser Artikel irgendwie besser oder schicker aussehen sollte als die anderen, dann liegt das vermutlich daran, dass er auf einem Mac geschrieben wurde, quasi ein iArtikel... ;o) Vgl. dazu uebrigens auch einen herrlichen Artikel, den ich beim Stoebern auf sueddeutsche.de gefunden hab.
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