Am Ende der Welt...
... oder jedenfalls an einem Ende Thailands. So laesst sich vielleicht am leichtesten beschreiben, wo ich zuletzt meine Zeit verbracht hab. Oder um dem Kind einen Namen zu geben: Sangkhlaburi. Das "l" spricht man uebrigens nicht mit - nur falls es jemanden interessiert.
Der Grund, warum ich ausgerechnet dorthin gefahren bin, ist die absolut unglaubliche Landschaft, die sich in diesem recht abgelegenen Zipfel Thailands versteckt. Beziehungsweise, eigentlich versteckt sie sich kein bisschen, sondern draengt sich dem Auge des Besuchers geradezu auf - muss ja kein Nachteil sein! Extrem gebirgig, extrem viel Vegetation, wenngleich derzeit auch extrem trocken... Fazit: Absoluter Wahnsinn! Und die mehr als sechsstuendige Busfahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt!
Neben dem thailaendischen "Landleben" ist es speziell in dieser Ecke extrem interessant zu sehen, wie viele Volksgruppen sich hier vermischen beziehungsweise nebeneinander her leben: Thais, Burmesen, Mon, Karen (beides oertliche Bergvoelker) und auch ein paar Laoten. Die Burmesen sind dort so zahlreich, weil Sangkhlaburi nur etwa 30km von der Grenze zwischen Thailand und Myanmar entfernt liegt. So ist denn auch der Three Pagodas Pass, der einzige Grenzuebergang weit und breit, eine mittlere Touristenattraktion. Zu sehen gibt's dort leider enttaeusched wenig. Ich persoenlich hatte mir ein bisschen lebhaften Grenzverkehr erhofft, zumal der Three Pagodas Pass auch als Schmugglerzentrum "bekannt" ist. Geschmuggelt werden hier hauptsaechlich Teakholz und Bergbauprodukte - beides darf in Thailand seit einiger Zeit nicht mehr abgeholzt bzw abgebaut werden. Nun ist aber die Grenze derzeit nicht nur fuer Touristen zu (ausser Thais und Burmesen darf sie normalerweise niemand passieren), sondern komplett. Mit dem "Erfolg", so hat mir tags zuvor die Chefin des Hotels verraten, in dem ich in Sanklaburi gewohnt hab, dass im Moment auch die thailaendischen Touristen ausbleiben, fuer die offensichtlich der einzige Grund hierher zu kommen ist, ueber die Grenze nach Myanmar zu fahren und dort billig allerhand Zeug einzukaufen. Und seit die Grenze zu ist, kommen eben keine Gaeste mehr, mit dem Ergebnis, dass wir insgesamt zu sechst in dem Hotel, mehr einer Mountain-Lodge, gewohnt haben - darunter kein einziger Thai...
Zurueck zum Three Pagodas Pass. Bedauerlicherweise gibt es dort ausser einem geschlossenen Grenzuebergang in Form eines recht unspektakulaeren Schlagbaumes, ein paar mueden burmesischen und thailaendischen Grenzern, den drei namensgebenden Pagoden und einigen Staenden mit Buddhastatuen, Teakholzmoebeln, schaetzungsweise geschmuggelten Zigaretten aus Burma und lecker Essen nichts, aber auch wirklich gar nichts zu sehen. So war die sawngthaew-Fahrt durch die atemberaubende Landschaft das Highlight des Ausflugs. Gut vierzig Minuten gings vorbei an aufgelassenen Teakholz-Farmen, verfallenen Steinbruechen, und viel viel trockener Pampa, nur unterbrochen durch einen Kontrollposten des thailaendischen Militaers entlang der Strecke. Normalerweise sind die vermutlich da, um den sonst wohl recht regen Grenzverkehr etwas zu kontrollieren, da sie dank der geschlossenen Grenze aber derzeit nix zu tun haben, so kam es mir jedenfalls vor, haben sie sich als Nebenbeschaeftigung drauf verlegt, die Angehoerigen der zuvor erwaehnten Bergvoelker ein bisschen zu schikanieren. Hintergrund ist der, dass die Mon und Karen inzwischen auch die thailaendische Staatsbuergerschaft annehmen duerfen, wenn sie wollen, dafuer aber keinen Ausweis bekommen, wie alle anderen Thais, sondern einen mehrseitigen Wisch, der mit 2 Fotos (Front und Profil) und den Fingerabdreucken eher nach polizeilicher Akte aussieht, als nach Ausweispapieren. Naja, und waehrend die Besitzer von Thai-Ausweisen einfach nur abgenickt wurden, wurden die besagten mehrseitigen Dokumente "aufmerksam" studiert und die daraus gewonnenen Angaben mittels einiger kritischer Fragen unterfuettert. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das ganze zu einem guten Teil reine Schikane war... Mein Ausweis oder Visum hat uebrigens niemanden interessiert.
Ein weiteres Highlight in Sangkhlaburi ist die Bruecke von der Stadt ueber einen Arm des Stausees Kheuan Khao Laem in die Mon-Siedlung Wang Kha am anderen Ufer. Das ist die laengste Holzbruecke Thailands und (so vermutet man, ohne dass sich jemand mal die Muehe machen wuerde, der Sache nachzugehen) auch in ganz Asien. Die Bruecke (leider nicht mehr die Originale, sondern ein Nachbau von 1993, nachdem Version 1.0 damals bei einem Unwetter zusammengebrochen ist) ist in der Tat sehr beeindruckend und einfach wunderschoen. Und auch ein Spaziergang durch das Mon-Dorf war insofern interessant, als ich mir das etwas ... nunja, rueckstaendiger erwartet hatte. Also, verglichen mit Bangkok oder auch Kanchanaburi war schon Sangkhlaburi und der Weg dort hin recht wenig "zivilisiert", aber Wang Kha konnte mit Sangkhlaburi definitiv mithalten. Trotzdem lief dort alles etwas gemuetlicher, etwas beschaulicher ab, als es am anderen Ufer der Fall war - und da war's schon sehr relaxt... Aber alles in allem aeusserst sehenswert und entspannend.
Etwas weniger entspannend war dann der Aufstieg zum Wat Wang Wiwekaram, einem Kloster auf einer Anhoehe ueber dem Dorf, das ausschliesslich von Mon-Moenchen bewohnt wird. Hab mich dort ganz nett mit einem Moench unterhalten - also was so an Kommunikation moeglich war...
Zum Glueck hab ich mich dann doch irgendwann entschlossen, langsam mal wieder zurueck zu meinem Hotel zu gehen, denn schon auf dem Weg dorthin fielen die ersten Tropfen aus Wolken, die im weiteren Verlauf des Nachmittags und Abends ein enormes Unwetter ueber der Gegend entladen sollten. Regen ohne Ende (jetzt kann der Monsun kommen!), teilweise mit Hagel, dazu unvorstellbarer Sturm und ein Temperaturrueckgang von mindestens 10 oder 15 Grad. Mit anderen Worten, als sich das Wetterchen nach mehreren Stunden verzogen hatte, war es auf einmal recht angenehm! Lustig war auch, wie sich die thailaendischen Angestellten des Burmese Inn ueber den Hagel gefreut haben! Jedes Eisstueckchen, das sie finden konnten, wurde unter Riesen-Bohei sofort in den Mund gesteckt! Zuvor war die Aufregung allerdings gross, ob der Sturm nicht Schaeden an Haus und Garten anrichten wuerde - wir haben ihnen jedenfalls mal schnell dabei geholfen, die Einrichtung des Restaurants, das sich auf einer ueberdachten Veranda befindet, in Sicherheit zu bringen, also ins Trockene und Windgeschuetzte. Zum Dank durften wir dann auch mit ins Haus, obwohl das eigentlich die privaten Zimmer der Besitzer sind. Seeehr freundlich!! Nur meine Schuhe haben es leider nicht mehr ins Trockene geschafft, die sind waehrend des Unwetters komplett vollgelaufen. Aber beim dortigen Klima sind sie tatsaechlich wieder fast komplett trocken geworden bis zum naechsten Morgen.
Ja, am naechsten Morgen bin ich dann auch schon wieder aufgebrochen und hab mir einen Bus nach Kanchanaburi geschnappt. Eigentlich hatte ich vor, den unklimatisierten 3rd class-Bus zu nehmen, da aber ein wenig Unklarheit ueber den Fahrplan herrschte, hab ich mich dann spontan doch umentschieden, und den klimatisierten 1st class-Bus genommen, als der um die Ecke bog... Dann wieder fuenf bis sechs Stunden Busfahrt durch zwar bereits bekannte aber dennoch atemberaubende Landschaft und ich war wieder am Ausgangspunkt dieses Sidetrips ans aeusserste Ende West-Thailands.
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