28 März 2007

Kanchanaburi

Kanchana... wer? Ja, in der Tat, Kanchanaburi ist jetzt landlaeufig nicht wirklich bekannt. Trotzdem wette ich, dass jeder schonmal was ueber die hiesige "Hauptattraktion" gehoert, gelesen, oder sie sogar in bewegten oder unbewegten Bildern gesehen hat! Aber dazu spaeter mehr...

Eigentlich hatte ich ja vor, von Bangkok direkt Kurs nach Norden zu nehmen und als naechstes in Ayutthaya Station zu machen. Das sollte ja halbwegs bekannt sein. Und weil der Hauptgrund, nach Ayutthaya zu fahren eben die dortige Tempelanlage ist, und ich nach Bangkok einen leichten, temporaeren wat-overkill habe, hab ich mich kurzfristig entschlossen, meine Plaene zu aendern und stattdessen eher auf's Land zu fahren. Langfristiges Ziel ist Sangkhlaburi und der Three Pagoda Pass an der Grenze zu Myanmar. Und die erste Etappe auf diesem Weg ist eben Kanchanaburi.

Wie kommt man da hin? Entweder mit dem Bus oder mit dem Zug. Nach meinen guten Erfahrungen vom Vortrag hab ich mich zugunsten der Staatlichen Thailaendischen Bahn entschieden und den "3rd class ordinary train" nach Kanchanaburi gebucht. Kostenpunkt: 100 Baht, also etwa zwei Euro. Geht... Gut, der Komfort unterwegs haelt sich dann auch in Grenzen, aber die offenen Fenster machen die fehlende Klimaanlage definitiv wieder wett und steigern den Fun-Faktor der Fahrt erheblich.

Abenteuerlich war zunaechst mal, den Abfahrtsort zu finden: Thonburi Station in Bangkok, auch bekannt als "Bangkok Noi". Eigentlich gibt es da direkt vor der Tuer naemlich einen Anlegepunkt der Flussfaehre, zu deren oestlichen Pier ich mich per Taxi hab chauffieren lassen. Eigentlich... Der wurde naemlich offenbar aufgeloest. Warum wurde mir spaeter klar. Als ich dann naemlich den Tipp der Faehr-Ticket-Verkaeuferin befolgt habe, und einfach eine "Station" zu weit mit dem Boot gefahren bin, um dann die entsprechende Strecke zurueckzulaufen, hab ich die Station zwar recht schnell gefunden, aber da war absolut gar nix los. Der Bahnhof wurde naemlich aufgeloest! Nun ja, aufgeloest trifft's nicht ganz - verlegt, und das Gebaeude, in dem er vorher war, loest sich gerade langsam auf. Zum Glueck gibt's aber sangthaews, die einen gerne zur eigentlichen Station bringen.

Die Zugfahrt selbst war dann zwar ein Elebnis, aber an sich recht ereignislos. Nach knapp vier Stunden und mit einer guten Stunde Verspaetung sind wir dann in Kanchanaburi angekommen. Dann kurz ein Guesthouse gesucht und los, die city erkunden. Zum Glueck ist Kanchanaburi recht ueberschaubar, so dass das recht schnell erledigt war, und ich zum angenehmen Teil des Abends uebergehen konnte: Abendessen auf dem Nachtmarkt.

Am Dienstag war dann Sightseeing angesagt. Die Googler und Wikipedianer werden es moeglicherweise schon recherchiert haben: Der Grund, warum ein steter Strom an Touristen (national wie international) nach Kanchanaburi kommt, ist die weltberuehmte "Bruecke am Kwai". "Kwai" spricht man uebrigens "kwaeae" aus - damit waere das auch endlich mal geklaert!

Ueber die Geschichte der Bruecke und der "Death Railway", fuer die sie ein wichtiger Bestandteil war, werde ich hier jetzt nicht ausfuehrlich schreiben, ich denke mal, dazu finden sich genug Ressourcen im Internet. Nur so viel: Die "Death Railway" war ein Projekt der Japaner im Zweiten Weltkrieg, die Eisenbahnnetze Thailands und Burmas zu verbinden, um so den Nachschub fuer die Feldzuege in Burma und Indien auf dem sichereren Landweg sicherstellen zu koennen. Die einzig wirklich machbare Route ging ueber den Three Pagoda Pass, und selbst diese Route war hinsichtlich der Topographie und der Abgeschiedenheit eigentlich komplett ungeeignet. Als Bauzeit wurden fuenf Jahre veranschlagt, letztenendes gelang es den Japanern aber, vor allem durch den Einsatz ("Gebrauch" trifft es eher) tausender Kriegsgefangener die Strecke in 16 Monaten fertigzustellen. Ueber 70% der beteiligten Gefangenen haben die Torturen der extrem schweren koerperlichen Arbeit unter menschenunwuerdigen klimatischen, hygienischen und menschlichen Verhaeltnissen mit dem Leben bezahlt, die meisten starben an Malaria, Cholera, Unterernaehrung oder Dehydrierung. Ein erst 2003 eroeffnetes Museum in Kanchanaburi erklaert und schildert den Bau der Strecke, speziell auch der Bruecke, und die Hintergruende recht eindrucksvoll und sachlich. Absolut empfehlenswert!

Am Nachmittag bin ich dann natuerlich zur Bruecke gepilgert, wie so viele andere auch, und dort gings wirklich zu wie am Stachus! Ich denke mal, fuer die Beteiligten bwz ihre Angehoerigen wird es schwer fallen, an diesem geschichtstraechtigen Ort die Ruhe zu finden, die sie vermutlich fuer ihre Erinnerungen suchen. Dafuer muss man sagen, dass die Friedhoefe, auf denen die ums Leben gekommenen Kriegsgefangenen inzwischen bestattet sind, sehr stilvoll angelegt und angemessen liebevoll gepflegt werden. Die Leichen wurden nach Kriegsende von saemtlichen entlang der Strecke neben den ehemaligen Lagern gelegenen Friedhoefen exhumiert und auf drei grosse Friedhoefe umgebettet. Zwei davon befinden sich in Kanchanaburi, einer in Thanbyuzayat in Myanmar, also am anderen Ende der "Death Railway". Zurueck zur Bruecke: Wie gesagt, sie ist inzwischen eine reine Touristenattraktion geworden (sonst waere ich vermutlich auch ueberhaupt nicht drauf aufmerksam geworden...), die von hunderten von Menschen bevoelkert wird. Wenn gerade kein Zug kommt, kann man auch drueber laufen, aber das passiert eh nur vier mal am Tag. Alles in allem in der Tat eine sehenswerte Sehenswuerdigkeit, der allerdings leider nicht ganz das Drumherum zukommt, dass angemessen waere.

(Weitere Fotos auf Flickr!)

Heute wollte ich eigentlich einen Tagesausflug in den nahegelegenen Erawan-Nationalpark machen, hab aber leider *Fanfare* verpennt. Denn um das als Tagestrip hinzubekommen empfiehlt es sich wohl, gleich den ersten Bus um 8 Uhr zu nehmen, damit man nach drei Stunden Fahrt noch genu Zeit vor Ort hat, um ohne Stress den letzten Bus zurueck um 16 Uhr zu erwischen. Drum hab ich heute einfach mal einen Chill-Tag eingelegt - bin ja schliesslich im Urlaub! Heut abend, das ist der einzige geplante Task heute, werd ich mich mit meiner Kamera mal auf dem Nachtmarkt umtun und versuchen, die dortige Stimmung einzufangen. OK, waschen wollte/sollte ich heute auch noch...

Morgen geht's dann (wenn ich nicht wieder verpenn!) mit dem Bus weiter nach Sangkhlaburi, also weitere 230km Richtung Westen. Die Fahrt wird dann vermutlich so um die fuenf bis sechs Stunden dauern, je nachdem (so schreibt der Lonley Planet sehr vielversprechend) "how many mishaps occur on the Thong Pha Phum to Sangkhlaburi road"... Man darf gespannt sein. Vielleicht mach ich auch in Thong Pha Phum einen kleinen Zwischenstopp, kommt drauf an, ob ich einen der fruehen Busse erwisch oder nicht.

3 Kommentare:

RTW2007 hat gesagt…

Also, es gibt tatsaechlich einen direkten Bus von Sangkhlaburi nach BKK...aber natuerlich nicht in 5, sondern 8 Stunden, also aehnlich wie local bus mit Umsteigen in K. Um nicht zu sagen, eigentlich wie erwartet. Und voellig vollgestopft, der gesamte Mittelgang voller Soldaten. Fast wie Cambodia!In Bangkok angekommen musste ich den Taxifahrer (moeglicherweise Berufsanfaenger) durch die Pseudo-rush-hour (wo kommt eigentlich sonntags immer der Verkehr her?!) lotsen, aber ich bin mal wieder zum gewuenschten Ziel gekommen.

Gute Weiterreise,
Annette

Konni hat gesagt…

Freut mich, das zu hoeren. Hast du's denn noch zur Bruecke geschafft?

Eine gute Zeit noch in BKK und viel Spass auf der Weiterreise. Kannst ja dann mal berichten, ob sich Singapur gelohnt hat!?

RTW2007 hat gesagt…

ja, bin tatsaechlich um 6 aufgestanden, und es war geradezu viel los, touristenmaessig. U.a. ein Thai mit Laptoptasche (?), den ich mit seiner Uralt-Kamera fotografieren sollte...Bruecke und See in Nebel und Sonnenaufgang waren uebrigens spitze!