06 Januar 2007

Einleitung

Kluge Menschen suchen sich die Erfahrungen selbst aus, die sie zu machen wünschen. (Aldous Huxley)


Ganz im Sinne Huxleys habe ich schon seit langer Zeit den Wunsch, eine vielleicht nicht ganz selbstverständliche Erfahrung zu machen. Ich möchte für einen längeren Zeitraum mit dem Rucksack durch Südostasien reisen, möchte dort Orte, Menschen und Dinge kennenlernen, eintauchen in eine mir fremde Welt, teilnehmen am dortigen Alltag. Ich möchte entdecken, erleben, erfahren und verstehen.

Und dafür möchte ich mir auch ausreichend Zeit nehmen, denn ich glaube, im Rahmen einer zwei- oder dreiwöchigen Reise könnte ich zwar einen ersten Eindruck gewinnen - mehr aber auch nicht. Gerade auf dieses "Mehr" kommt es mir aber an. Darum habe ich diesem Projekt, der Umsetzung eines echten Lebenstraums, auch eine Zeit von mehreren Monaten eingeräumt. Mindestens sechs sollten es schon werden. Aber wer weiß? Vielleicht bin ich auch schon viel früher wieder daheim? Vielleicht fesselt mich ein Ort oder ein Erlebnis unterwegs aber auch so sehr, dass es eine viel längere Zeitspanne wird? Ich weiß es selber nicht - und genau das ist für mich der Reiz an der Idee.


Für mich ist jetzt der optimale Zeitpunkt in meinem Leben gekommen, dieses Abenteuer in Angriff zu nehmen. Ich habe die Zeit, die Mittel und - das Wichtigste von allem - die Lust, es zu tun! Wahrscheinlich würde ich der verstrichenen Chance mein Leben lang hinterhertrauern, wenn ich nicht jetzt, nach Beendigung meines Studiums und vor dem Eintritt in ein festes Beschäftigungsverhältnis, diesen Traum realisieren würde.

Mein Studium war es auch, in dem die Idee geboren, das Interesse an Asien geweckt und die Grundlagen für eine solche Reise geschaffen wurden.
Ich kann heute nicht mehr sagen, warum ich damals angefangen habe, Japanisch zu lernen, aber das hat definitiv neben Japan auch Asien ins Blickfeld meines Interesses gerückt. Ich hatte in der Zwischenzeit das Glück, zweimal nach Japan reisen zu können. Während ich mir bei meinem ersten Besuch im Herbst 2004 überwiegend die großen Metropolen und die touristischen Ziele angeschaut habe, stand bei meiner zweiten Reise im darauffolgenden Herbst neben dem ländlichen Japan auch die subtropische Inselwelt Südjapans auf der Agenda (wenngleich ich natürlich die unwiderstehliche Hauptstadt Tokio ein weiteres Mal nicht links liegen lassen konnte...). Diese beiden Reisen, die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen haben weiter meine Neugierde geweckt auf den faszinierenden Kontinent Asien, diese gänzlich andere Welt, die so fremd ist und doch so leicht zugänglich - wenn man sich nur Zeit nimmt. Das jedenfalls war für mich die wichtigste Erkenntnis, die ich aus Japan mitgenommen habe.
Zudem hatte ich auch die Gelegenheit, mich im Rahmen meines Geographie-Studiums mit dem asiatischen Raum auf einer raumwissenschaftlichen Ebene zu beschäftigen. Und so habe ich im Laufe der Zeit Aspekte kennengelernt, mir Hintergrundwissen und Fakten angeeignet, die für mich als Anhänger der angewandten Sozialgeographie ganz zweifelsohne eine solche Reise zur Folge haben muss. Hinzu kommt natürlich noch der allgemeine Drang des Geographen "ins Feld"...


Nun habe ich ja einiges zu den Hintergründen geschrieben, die mich zu dieser Reise bewegen, aber nichts über die Reise selbst. Ich habe vor, auf jeden Fall folgende Länder zu besuchen:

  • Thailand,
  • Kambodscha,
  • Vietnam,
  • Laos,
  • Myanmar und
  • China

Neben den klassischen Ländern Südostasiens sticht China aus dieser Liste ein wenig hervor. Hintergrund ist der, dass ich plane mich am Ende der Reise für längere Zeit in China aufzuhalten, um dort einen Sprachkurs zu machen. Selbstverständlich werde ich dabei (wenn ich schon mal da bin...) aber auch Teile Chinas besuchen, die abseits meines Studienortes liegen. Sehr gerne würde ich auch noch weitere Länder auf der Malaiischen Halbinsel (Malaysia, Singapur), den Indonesischen Archipel (Indonesien, Brunei, Philippinen), die Koreanische Halbinsel (Nord- und Südkorea) sowie Tibet, Nepal und Bhutan bereisen, denke aber, dass dies der eigentlichen Idee der Reise entgegenstehen würde. Denn wenn ich jedes dieser Länder über das "touristische Maß" hinaus wirklich in der oben skizzierten Form kennenlernen will, wäre ich wohl Jahre unterwegs. Außerdem muss ich mir ja noch Ziele für weitere Reisen übriglassen!


Damit stellt sich eigentlich zunächst nur noch eine Frage: Warum dieses Blog? Obwohl ich mich selbst eigentlich schon als "netizen", also als Netz-Bürger verstehe, habe ich bisher noch kein Bedürfnis verspürt, mein Privatleben in Form eines Weblogs der Öffentlichkeit zu präsentieren. Warum dann jetzt? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Zunächst einmal möchte ich durch das Aufschreiben meiner Erlebnisse und Erfahrungen anderen Reisenden, die gleiche oder ähnliche Ziele verfolgen wie ich, die Möglichkeit geben, von diesen zu profitieren, nicht die gleichen Fehler zu machen wie ich, oder dazu anregen die gleichen wunderbaren Orte aufzusuchen. Dieser Antrieb entstand nicht aus selbstloser Hilfsbereitschaft sondern aus der Einsicht heraus, wie hilfreich genau diese Hinweise, Tipps und Erlebnisberichte auch für mich im Rahmen meiner Planung und Überlegungen waren und sind! Besonders hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf die Südostasien-Community, die Laos-Community, die Thailand-Community, die Website kambodscha-info.de, das Lonely Planet Thorntree-Forum und die XING-Gruppen Südostasien und travel. Mein Dank gilt allen dort Aktiven und den Autoren der zahlreichen privaten Travelogues und Reiseberichte im Netz, wie zum Beispiel der von Ole Begemann oder von Familie Clavin (ich werde die beiden Listen bei Gelegenheit mal ergänzen).

Desweiteren möchte ich meiner Familie und meinen Freunden mit diesem Travelogue die Möglichkeit geben, nicht nur zu wissen, wo ich gerade bin, sondern auch was ich mache und wie es mir geht.

Und nicht zuletzt mache ich das auch für mich selbst. Einerseits freue ich mich jetzt schon, noch lange nach meiner Rückkehr meine eigenen Berichte lesen zu können und so die Vergangenheit wieder ein Stück weit lebendig werden zu lassen und mir die schönen und vielleicht auch die weniger schönen Erlebnisse wieder ins Gedächtnis zu rufen. Andererseits stellen die Aufzeichnungen auch eine kleine Gedächtnisstütze für mich dar. Ich neige nunmal leider oft dazu Dinge zu vergessen oder sonstwie zu verschusseln. Und in diesem Blog habe ich alles, was mit meiner Reise zu tun hat, an einem Ort zusammengefasst. Mit anderen Worten: Ich selbst werde mein treuester Leser sein! (Jedenfalls jetzt, in der Phase der Vorbereitung!)


Ich habe es zwar in diesem Text noch nicht explizit erwähnt, aber vielleicht ist es schon ein wenig zwischen den Zeilen mitgeklungen: Diese Reise werde ich, wie übrigens auch schon meine Japan-Reisen, alleine antreten. Ich persönlich sehe nur darin die Möglichkeit zu dem Maß an Flexibilität, das meines Erachtens notwendig ist, um die eingangs erwähnten Ziele dieses Vorhabens umzusetzen. Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass ich auf dieser Reise eine Menge Kontakte knüpfen werde. Einerseits, und das ist ja wie mehrfach erwähnt der Sinn der Sache, mit den Menschen deren Gast ich sein werde, andererseits auch mit anderen Reisenden, Backpackern und Expats aus aller Welt. Und nicht zuletzt eben auch mit den Lesern dieses Reiseberichts. Ich bin daher dankbar für jede Leserin und jeden Leser, mit der oder dem ich meine Erlebnisse teilen kann und freue mich auch auf Kommentare und Anmerkungen zu meinen Texten.


Dies soll als Einleitung erst mal ausreichen. Nachdem ich nach vielen vorsichtigen Andeutungen und "lauten Gedanken" über Ideen und Pläne endlich an Weihnachten 2006 meinen definitiven Plan zu dieser Reise in meinem privaten Umfeld publik gemacht habe, befinde ich mich nun in der intensiven Phase der Planung und Vorbereitung der Realisierung eines Lebenstraums.

Ich selbst weiß nicht, was mich unterwegs erwartet, aber ich weiß dass ich es herausfinden will. Ich weiß auch nicht, wo mich diese Reise hinführen wird, aber ich weiß, dass ich es herausfinden werde.

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